Chronosystem

Das Chronosystem bezieht sich auf die zeitliche Struktur der Systemebenen innerhalb der systemorientierten Theorie Uri Bronfenbrenners, wobei damit  zum Ausdruck gebracht wird, dass sich die verschiedenen Systemebenen über die Zeit hinweg weiterentwickeln. Bronfenbrenner unterscheidet zwischen zwei Formen von Wandel:

  • Lebensübergänge, die eintreten, wenn eine Person ihren Lebensbereich oder ihre Rolle wechselt und somit ihre Position in der Umwelt verändert (Beispiele: Geburt eines Kindes, Eintritt in die Schule, Heirat, Berufswechsel usw.).
  • Lebenslauf als eine Kette von Übergängen über eine längere Zeit hinweg.

Jeder Lebensübergang oder eine Kette davon ist sowohl Folge als auch Anstoß von Entwicklungsprozessen. Übergänge können auf jeder der niedrigeren Ebenen stattfinden. Bronfenbrenner misst diesen Übergängen, die er auch als ökologische Übergänge bezeichnet, eine große Bedeutung für den Entwicklungsverlauf zu. Ein Übergang führt fast immer zu einer Veränderung der Rolle der Person, und damit verbunden auch zu ganz bestimmten Verhaltenserwartungen.

Aus ökologischer Perspektive ist nach Bronfenbrenner die Umwelt topologisch als eine ineinandergeschachtelte Anordnung konzentrischer, ineinandergebetteter Strukturen zu verstehen, wobei er diese Strukturen als Mikro-, Meso-, Exo-, Makro- und Chronosysteme bezeichnet. Die Verbindungen etwa zwischen den Mikrosystemen können auf vielfältige Art zustandekommen, etwa wenn eine sich entwickelnde Person einen Lebensübergang chronologisch erlebt und in einen neuen Lebensbereich eintritt. Der Begriff des Chronosystems taucht übrigens in seinen Publikation von 1981 noch nicht auf, ist aber bereits in Bronfenbrenner (1986, S. 71) enthalten.

Quellen
Bronfenbrenner, U. (1986). Recent Advances in Research on the Ecology of Human Development. In R. K. Silbereisen, K. Eyferth & G. Rudinger (Hrsg.), Development as Action in Context. Berlin-Heidelberg: Springer.
Lohaus, Arnold, Vierhaus, Marc &  Maass, Asja (2010). Entwicklungspsychologie des Kindes- und Jugendalters. Berlin: Springer Verlag.




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