Aviophobie

Symptome der Flugangst sind Herzrasen, Schwitzen, beschleunigte Atmung, Zittern, Übelkeit, dazu noch Ohnmachts- und Enge-Gefühle, also typische Anzeichen für extremen Stress. Die Aviophobie gehört zu den spezifischen Phobien und ist verwandt mit der Klaustrophobie. Nach einer Studie des Deutschen Flugangstzentrums sind überwiegend Frauen (69,6 Prozent) davon betroffen, von den Ängstlichen sind der Großteil zwischen 20 und 29 Jahre alt. Sie fürchten einerseits den Absturz (46,8 Prozent), andererseits den Kontrollverlust und das Gefühl, ausgeliefert zu sein (20,6 Prozent, sie befürchten Turbulenzen, technisches oder menschliches Versagen, Terror und die Höhe an sich. 26,3 % gaben ein Negativerlebnis und 20 % andere Ängste als Auslöser an, bei 2,7 % begründet sich die Angst darin, dass sie noch nie geflogen waren. 28,6 % gaben an, seit zwei bis fünf Jahren an Flugangst zu leiden, 31,5 % sogar sechs bis zehn Jahre. In dieser Zeit vermieden sie das Fliegen, nahmen stattdessen öffentliche Verkehrsmittel oder das Auto und verreisten kaum oder gar nicht. Nach Ansicht von Psychologen gibt es nur einen Weg, seine Flugangst zu überwinden, indem man sich ihr stellt. Entspannung und realistisches Denken sollen helfen die Symptome der Flugangst in den Griff zu bekommen. Schwerpunkt von Programmen zur Überwindung von Flugangst sind meist ein psychologischer Teil über den Teufelskreis der Flugangst und ihre Bewältigungsmöglichkeiten, eine Flughafen-Führung mit Informationen über Technik, Wartung und Flugüberwachung. Den Abschluss bildet dann ein Flug, bei dem das Gelernte angewendet werden soll, wobei allein die Anmeldung für ein solches Programm ist schon ein Schritt in die richtige Richtung ist.

Eine nachhaltige Hilfe bei Flugangst besteht aus den Bereichen Faktenwissen, Vertrauen und Konfrontation:

  • Wenn man Kenntnisse über Hintergründe und Situationen besitzt, wenn man weiss, wie komplex und damit sicher Abläufe sind, wird man seiner Angst und den damit verbundenen Negativgedanken erfolgreich entgegen treten können. Beim Faktenwissen geht es allerdings um weitaus mehr, als um Technik. Faktenwissen dreht sich auch und gerade um körpereigene Systeme, in diesem Fall das System Angst und die enge Verbindung zu Stress.
  • Der Aufbau von Vertrauen beschränkt sich bei der Bewältigung von Flugangst damit nicht ausschließlich auf das Flugzeug. Betroffene müssen lernen, zunächst einmal (wieder) sich selbst zu vertrauen: Ihren Fähigkeiten, mit der Situation Fliegen umzugehen; Ihren Möglichkeiten, sich nicht von Angst einschränken zu lassen; Ihrem Potential, sich an Bord nicht (mehr) ausgeliefert zu fühlen und somit die Angst vor der Angst zu verlieren.
  • Schließlich geht es um die Konfrontation – vorbereitet, abgesichert und mit all dem Rüstzeug, das man sich nach und nach gegen falsche Vorstellungen im Allgemeinen und Flugangst im Besonderen aufgebaut hat. Der einzige Weg gegen Flugangst ist: Fliegen.

Tipps gegen Flugangst

  1. Befassen Sie sich mit dem Thema Flugangst rechtzeitig vor der Reise. Buchtipp: Angstfrei fliegen. Das erprobte Step-by-Step-Programm. Trias Verlag.
  2. Sitzplatz reservieren: Wer sich im Flugzeug eingeengt fühlt, sollte einen Gangplatz reservieren. Merke: Vorne im Flieger sind die Turbulenzen weniger spürbar als in den hinteren Reihen.
  3. Stress vermeiden! Versuchen Sie, Stress vor dem Abflug zu vermeiden. Stress erhöht die Angst. Packen Sie rechtzeitig, treffen Sie frühzeitig und ausgeruht am Flughafen ein.
  4. Machen Sie Entspannungsübungen. Atmen Sie tief, ruhig und gleichmässig – durch die Nase einatmen und durch den Mund doppelt so lange ausatmen.
  5. Alkohol und Medikamente: Verzichten Sie auf Alkohol. Falls Sie Beruhigungsmittel einnehmen möchten, sollten Sie dies vorher mit dem Arzt besprechen.
  6. Trinken Sie viel Wasser und bewegen Sie sich ab und zu während des Fluges.
  7. Informieren Sie das Kabinenpersonal schon beim Einsteigen über ihre Flugangst. Das Personal kennt Ihr Problem, da Flugangst sehr verbreitet ist.
  8. Steigern sie sich nicht in Katastrophengedanken hinein, vertrauen sie darauf, dass Fliegen sicher ist und dass die Angst nachlässt.
  9. Lenken Sie sich im Flugzeug ab. Lesen Sie, führen Sie ein Gespräch oder denken Sie an die bevorstehende Ferienzeit.
  10. Und wenn es einmal etwas „rüttelt“: Turbulenzen sind zwar unangenehm, aber nicht gefährlich! Flugzeuge sind zum Fliegen gebaut.

Expertentipps gegen Flugangst
1. Großes, unhandliches Gepäck wiegt mindestens so schwer, wie angstbeladene Gedanken. Nutzen Sie, gerade bei frühen Abflügen, den Vorabend Check-In. So können Sie am Abflugtag ein wenig länger schlafen, kommen nur mit Handgepäck zum Flughafen und haben bereits Ihren Sitzplatz. Wichtig hierbei: Medikamente, die Sie regelmäßig einnehmen, gehören ins Handgepäck!
2. Die ruhigsten Plätze in einem Flugzeug befinden sich in den vorderen Reihen bis hin zur Tragflächenmitte. Hier ist es leiser und man spürt mögliche Flugbewegungen nicht so stark. Fast alle Fluggesellschaften haben auf Ihren Internetseiten Grundrisszeichnungen der jeweiligen Flugzeugtypen.
3. An Bord gibt es, je nach Streckenlänge, ein mehr oder weniger umfangreiches Angebot an Musik-, Computerspiel- und Filmprogrammen. Wem das nicht reicht, der sollte ein Hörbuch zum Zeitvertreib mitnehmen. Hörbücher haben den Vorteil, dass sie sowohl akustisch ablenken, als auch zum Nachdenken anregen.
4. Suchen Sie sich für den Flug bequeme, weite Kleidung aus. Ohne einengende Kragen und zugeschnürte Gürtel fliegt es sich einfach besser.
5. Trinken Sie viel, denn die Luft an Bord ist recht trocken. Empfehlenswert sind stilles Wasser oder Säfte. Alkohol – in Maßen genossen – ist übrigens vollkommen in Ordnung. Nur übertreiben sollten Sie nicht. Das heißt: Ein Glas Sekt oder Bier vor oder nach dem Start zum Auftakt eines schönen Urlaubs – nicht zur Angstbekämpfung! – wirkt durchaus entspannend.
6. Sie müssen nicht während der gesamten Flugzeit sitzen bleiben. Tun Sie Ihrem Körper im Allgemeinen und Ihren Venen im Besonderen etwas Gutes, und laufen Sie, sobald die Anschnallzeichen ausgeschaltet sind, mehrmals durch den Flieger. Wer zu schüchtern ist, sollte Dehn- und Streckübungen im Sitz durchführen, damit die Venendurchblutung angekurbelt wird. Am einfachsten: Ferse auf den Boden, Zehen in die Luft, zehn Sekunden halten, dann von hinten nach vorn den Fußballen abrollen. Das ganze dreimal hintereinander wiederholen.
7. Es gibt eine kleine Auswahl homöopathischer Präparate, die bei Flugangst unterstützend helfen. Ihr Vorteil: Sie haben keine Begleiterscheinungen und wirken symptomatisch – eine Tatsache, die gerade bei Angstzuständen erwünscht ist. Bei körperlicher Unruhe und Engegefühlen kann Aconitum wirken. Borax eignet sich bei Unwohlsein und Turbulenzen. Betroffene sollten Globuli in der Dosierung C30 wählen. Ihre Apotheke berät Sie gern.
8. Auf Medikamente gegen Flugangst sollten Sie verzichten, denn Arzneimittel können an Bord völlig anders wirken, als am Boden. Zum anderen besitzen dämpfende, beruhigende Mittel nicht zu unterschätzende Nebenwirkungen, vielfach besteht auch das Risiko der Abhängigkeit. An diese Information sollten auch Hausärzte denken. Flugangst ist keine Krankheit, deshalb bleiben Medikamente ursächlich wirkungslos.
9. Wer das persönliche Gespräch sucht: Die Zentrale Fluggastberatung bietet an allen großen Flughäfen sowie über das Internet kurzfristige Hilfe zum Thema „Entspanntes Fliegen“ an.

Quellen:
http://www.nachrichten.at/ratgeber/reisen/art119,338864 (10-02-21)
http://www.flugangstzentrum.de/Flugangst_001.html (09-09-11)
http://www.fit-to-fly.ch/ (10-01-03)
http://www.service-fliegen.de/Last_Minute_gegen_Flugangst.pdf (09-09-01)




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