Abwehrmechanismus
1. Definition
„(Psychoanalyse) unbewusste Verhaltensweisen gegenüber Triebforderungen die von der Kontrollinstanz (Über-Ich) nicht gebilligt werden. (Physiol.) im Körper wirksamer Mechanismus zur Abwehr fremder Stoffe“ (Brockhaus 19. Auflage 1996).
2. Definition
Der Begriff Abwehrmechanismus spielt in der Freudschen Lehre eine zentrale Rolle. Die Psychoanalyse kennt 9 Abwehrmechanismen: Verdrängung, Regression, Reaktionsbildung, Isolierung, Ungeschehenmachung, Projektion, Introjektion, Wendung gegen die eigene Person, Verkehrung ins Gegenteil.
Anna Freud definiert noch einen 10. Abwehrmechanismus: Sublimierung oder Verschiebung des Triebziels (vgl. Taemi 1982, S. 71).
3. Definition
Abwehrmechanismen werden vom Individuum dazu eingesetzt um sein momentanes psychologisches Gleichgewicht von Impulsen aus dem Über-Ich, dem Es und der Umwelt zu schützen. Sie finden nicht nur im Kampf innerhalb der Psyche Anwendung sondern auch bei gesellschaftlichen Problemen. Sie werden kollektiv gegenüber sozialen Missständen, volkswirtschaftlichen und politischen Konflikten eingesetzt (vgl. Lauster 2004, S. 90).
4. Definition
„Abwehrmechanismus ist ein psychoanalytischer Begriff für typische Verhaltensweisen gegenüber Triebforderungen im Konflikt bzw. Befriedigung und Verzicht (z.B.: Verdrängung, Kompensation, Sublimation, Regression) (Das große Duden Lexikon 1969).
5. Definition
Individuen, die den Drang verspüren etwas Verbotenes zu tun, erleben Angst. Ein Weg, diese Angst zu verringern, besteht darin, die Impulse in einer getarnten Form auszudrücken, durch die eine Bestrafung entweder von der Gesellschaft oder von Ihrem inneren Vertreter, dem Über-Ich, vermieden werden kann. Freud und seine Tochter Anna Freud beschrieben mehrere zusätzliche Abwehrmechanismen bzw. Strategien zur Vermeidung von Angst (siehe 2. Definition). Wir alle machen von Zeit zu Zeit Gebrauch von Abwehrmechanismen. Sie helfen uns aus dem Gröbsten heraus, bis wir auf direktere Weise mit Stress-Situationen umgehen können. Abwehrmechanismen sind nur schädlich, wenn sie die vorherrschende Art werden, auf Probleme zu reagieren. (vgl. Smith, Nolen-Hoeksema, Fredrickson, Loftus 2007).
Literatur
Bibliographisches Institut Mannheim (1969). Das große Duden-Lexikon, 1. Band A/B.
Brockhaus‘ 19. Auflage (1996). deutsches Wörterbuch A-GLUB, Band 26.
Lauster, Peter. (2004) Lassen Sie sich nichts gefallen – Die Kunst sich durchzusetzen, Abwehrmechanismen der Gesellschaft (S. 90).
Smith, E.E., Nolen-Hoeksema, S., Fredrickson, B.L., Loftus, G.R. (2007). Atkinsons und Hilgards Einführung in die Psychologie (S. 600-601).
Taemi, Rainer (1982). Das Angst-Tabu und die Befreiung. Ich Selbst – Abwehr oder Tiefe, Gesellschaft – Kerker oder Heimat, Abwehr und soziale Anpassung (S. 71).
