Zufriedenheit

Als Zufriedenheit wird in der Psychologie ganz allgemein die Übereinstimmung einer bestimmten Erwartung eines Menschen vor einer Handlung mit deren tatsächlichem Erleben danach bezeichnet. Der Zufriedenheitsgrad ist dann abhängig vom Ausmaß der Abweichung zwischen dieser Erwartung und dem Handlungsergebnis. Ist die Erwartung höher als das Erlebnis, entsteht Unzufriedenheit, ist das Erlebnis mindestens gleich oder höher als die Erwartung, entsteht Zufriedenheit. Nach neueren Untersuchungen gibt es auch einen deutlichen Zusammenhang zwischen genetischer Ausstattung, Persönlichkeit und Zufriedenheit: Jeder Mensch ist bekanntlich das Produkt aus angeborenen, genetischen Anlagen und Umwelteinflüssen, also allem, was ihm im Laufe des Lebens vom Mutterleib an widerfährt, wobei die komplexen Wechselwirkungen jeden Menschen auch einzigartig machen.

Hahn et al. (2013) haben an Zwillingen, Geschwisterpaaren, Müttern und Kindern, Großeltern und Enkel im Alter von 17 bis 70 Jahren untersucht, inwieweit die Erbanlagen Unterschiede in der Zufriedenheit und der Persönlichkeit erklären können, und inwieweit Umwelteinflüsse dabei eine Rolle spielen. Sie haben in ihren Untersuchungen festgestellt, dass 30 bis 37 Prozent der Unterschiede bei der Zufriedenheit unter genetischem Einfluss stehen. Die Ergebnisse zeigen also, dass es eine stabile genetische Komponente der Zufriedenheit gibt. Für jeden Menschen existiert somit eine Art Grundtendenz, in seinem Leben eher zufrieden oder unzufrieden zu sein, was aber nicht zwangsläufig bedeutet, dass der Mensch, der von seinen Anlagen her die Dinge eher negativ sieht, daran nichts ändern kann. Ein angeborener Hang zum Pessimismus bedeutet für die Betroffenen jedoch, dass sie sich  mehr bemühen müssen, um dennoch in ihrem Leben zufrieden zu sein.

Es zeigte sich in dieser Untersuchung abermals, dass die Wesenszüge eines Menschen etwa zur Hälfte erblich bedingt sind, was schon in anderen Studien nachgewiesen worden war. Interessant war aber, dass sich zwischen Lebenszufriedenheit und Persönlichkeit ein relativ stabiler Zusammenhang zeigte, wobei sämtliche genetischen Einflüsse sich sowohl auf die Lebenszufriedenheit als auch auf die Persönlichkeit auswirkten bzw. durch die Persönlichkeit erklärt werden konnten, sodass der Zusammenhang zwischen diesen beiden Merkmalen demnach auch auf gemeinsamen genetischen Faktoren beruhen dürfte. Die Analyse zeigte außerdem, dass es Umweltfaktoren gibt, die gleichermaßen die Zufriedenheit wie die Persönlichkeit beeinflussen.

Wir denken selten an das, was wir haben,
aber immer an das, was uns fehlt.
Arthur Schopenhauer

Werte und Zufriedenheit

In einer Studie (Abele, 2014) zeigte sich, dass nur die Kombination aus gemeinschaftlichen Werten wie Vertrauen, Ehrlichkeit, Höflichkeit und sich selbst zugeschriebenen tatkräftigen Eigenschaften wie beharrlich, kompetent, leistungsfähig zu mehr Lebenszufriedenheit verhilft. Werte sind dabei aus psychologischer Sicht Gedanken, die sich auf überdauernde Beweggründe oder Lebensziele beziehen, während Eigenschaften Vorstellungen über eigene Personenmerkmale sind, mit denen sich Ziele erreichen lassen. Bestimmte Werte machen also nicht per se glücklich, sondern nur dann, wenn man sie auch durch eigene Tatkraft umsetzen kann, während Werte, die sich alleine auf die eigene Macht oder Leistung beziehen, nicht zufriedener machen, sodass vor allem soziale Werte wie Vertrauen oder Mitgefühl für ein subjektiv gelungenes Leben bedeutsam sind.

Welche Einflussmöglichkeiten haben Menschen zur Veränderung?

Man nimmt an, dass zu etwa fünfzig Prozent die Veranlagung bestimmt, wie leicht oder schwer es Menschen fällt, zufrieden zu sein, wobei nur etwa zehn Prozent die Umstände das Befinden beeinflussen, aber zu vierzig Prozent der Mensch selbst. Insgesamt spielen Veranlagung, Vergangenheit und Lebensumstände eine sehr große Rolle, wie viele Möglichkeiten ein Mensch hat, sein Leben und seine Zufriedenheit damit selbst zu bestimmen. Zentral ist dabei, wie groß der individuelle Handlungsspielraum für Veränderungen ist. Meist scheitern Menschen daran, dass sie sich eine Veränderung nicht vorstellen können, denn man hat doch schon immer so gelebt und ist immer so gewesen. Da Menschen ihre Zukunft aus ihren Erfahrungen aus der Vergangenheit berechnen, haben sie nur wenige ein Modell dafür, wie ein Leben anders sein könnte. Erst in dem Augenblick, in dem man selbst an die Möglichkeit einer Veränderung glaubt, findet man auch die passenden Schritte für persönliche Veränderungen. Wer sich aber mit persönlichen Veränderungen beschäftigt, stößt automatisch auf die Frage, welche Persönlichkeitsmerkmale überhaupt veränderbar sind. Die Psychologie unterscheidet generell zwischen traits, also festen Eigenschaften, die kaum zu verändern sind, und states, also variable Zustände, die von der jeweiligen Situation abhängen.

Zufriedenheitsforschung

Im Bereich der Marketingpsychologie hat sich eine spezielle Zufriedenheitsforschung entwickelt, die vor allem auf Fragen der Kundenzufrie­denheit folussiert. Mit dem wachsenden Selbst­verständnis eines kundenorientierten Mar­keting hat sich die Kun­denzufriedenheit auch zu einer Ziel- und Kontrollgröße des Marketing entwickelt. Zum Konstrukt der Kundenzufriedenheit existieren zahlreiche miteinander konkurrierende Konzepte, wobei in den meisten Ansätzen Fragen nach den Ausprägungen, Einflussfak­toren und verhaltensrelevanten Wirkungen im Nachkaufverhalten im Mittelpunkt stehen. Zentrale Aufgabe der Zufriedenheitsforschung ist es in diesem Bereich, Unzu­friedenheitsursachen zu analysieren, um auf dieser Basis Ansatzpunkte Reaktionsstrategien zu entwickeln. Die Nachkaufzufriedenheit als zentrales Objekt der Zufriedenheitsforschung wird dabei mehrheitlich auf der Basis von Differenzmo­dellen erklärt, d. h., Zufriedenheit definiert sich aus einem Soll-Ist-Vergleich subjektiv wahrgenommener und auf der Ba­sis bestehender Vergleichsniveaus erwarteter Leistungsprofile. Mit steigender negativer Abweichung nimmt das Ausmaß der subjek­tiv empfundenen Unzufriedenheit zu. Vor allem im Bereich der Zufriedenheitsmessung und ihrer Interpretation als verbrau­cherseitiges Feedback für Unternehmens­leistungen bestehen allerdings zahlreiche methodische und interpretatorische Probleme. Die Zufriedenheitsforschung un­terscheidet in der Regel zwischen prozessbegleitenden (on-process) Messungen und Nachprozessmessungen (off-process), die auf Basis objektiver oder subjektiver Indikatoren und mit oder ohne Bezugnahme auf konkrete Kundenprobleme er­folgen.

Eine Studie (Whillans et al., 2017) hat gezeigt, dass sich Menschen, die andere etwa für das Putzen ihrer Wohnung bezahlen und sich damit Zeit kaufen, als deutlich zufriedener sehen als andere Menschen, die das nicht tun, und selber ihre Wohnung putzen. Dabei kommt es gar nicht darauf an, ob die Betroffenen selbst arm oder reich sind, denn dieser Effekt hat sich auch bei Menschen mit einem eher geringen Haushaltseinkommen gezeigt. Offensichtlich scheint die Möglichkeit, sich mit Geld Zeit kaufen zu können, zufriedener zu machen, als das Geld für materielle Dinge auszugeben.

Der Fragebogen zur Lebenszufriedenheit von Ed Diener

besteht aus fünf Fragen und gibt Auskunft darüber, wie jemand allgemein mit seinem eigenen Leben zufrieden ist, misst also das „Lebensglück“. Es gibt bei allen Fragen sieben Abstufungen:

7 – starke Zustimmung
6 – Zustimmung
5 – schwache Zustimmung
4 – weder Zustimmung noch Ablehnung
3 – schwache Ablehnung
2 – Ablehnung
1 – starke Ablehnung

Items

  • In den meisten Bereichen verläuft mein Leben nahe an meinen Idealvorstellungen.
  • Meine Lebensbedingungen sind ausgezeichnet.
  • Ich bin zufrieden mit meinem Leben.
  • Bis jetzt habe ich die wichtigen Dinge, die ich haben wollte, bekommen.
  • Wenn ich mein Leben wiederholen könnte, würde ich fast nichts anders machen.

Auswertung
Punkte zusammenzählen:
35-31    Extrem zufrieden
30-26    Zufrieden
25-21    Etwas zufrieden
20    Neutral
19-15    Etwas unzufrieden
14-10    Unzufrieden
9 – 5    Extrem unzufrieden

Literatur
Abele, A.E . (2014). Pursuit of communal values in an agentic manner: A way to happiness? Frontiers in Psychology, Personality and Social Psychology. Doi: 10.3389/fpsyg.2014.01320.
Bruhn, M. (1982). Konsumentenzufriedenheit und Beschwerden. Frankfurt, New York.
Hahn, E., Johnson, W., & Spinath, F.M. (2013). Beyond the heritability of life satisfaction: The roles of personality and twin-specific influences. Journal of Research in Personality, 47, 757-767.
Kaas, K.P. & Runow, H. (1984). Wie befriedi­gend sind die Ergebnisse der Forschung zur Verbraucherzufriedenheit? DBW, 44, 451-460.
Runow, H. (1982). Zur Theorie und Messung der Verbraucherzufriedenheit. Frankfurt.
Whillans, Ashley V., Dunn, Elizabeth W., Smeets, Paul, Bekkers, Rene & Norton, Michael I.   (2017). Buying time promotes happiness. PNAS, doi:10.1073/pnas.1706541114.
http://internal.psychology.illinois.edu/~ediener/SWLS.html (12-11-21)





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