Zwang

Unter Zwängen versteht man in der Psychologie ständig wiederkehrende Impulse, die die betroffenen Menschen in ihrer alltäglichen Lebensführung stark einschränken. Jeder Mensch wird gelegentlich von zwanghaften Gedanken bedrängt, die ihm unsinnig vorkommen, d. h., das Phänomen des Zwangs ist den Menschen vertraut, behindert sie aber nicht. Zwänge drängen sich in einer krankheitswertigen Version massiv auf und können das gesamte Leben bestimmen, denn der Betroffene hat permanent das Gefühl, er müsse diesen Impulsen nachgeben. Ein typisches Merkmal eines Zwanges ist die Tatsache, dass wenn ein Betroffener dem Zwang nicht nachgibt, sich der Impuls noch verstärkt. Zwar kenn jeder Mensch solche Gefühle der Zwanghaftigkeit, doch können solche Impulse so stark übersteigert sein, dass es sich dann um ein krankheitswertiges Phänomen handelt. Wenn die Betroffenen ihrem Zwang nachgeben, fühlen sie sich vorübergehend erleichtert und beruhigt. Die Zwangshandlungen etwa beim Kontrollzwang, Putzzwang oder Ordnungszwang und das damit verbundene Denken der betreffenden Zwangsgedanken erfordern sehr viel Zeit und Energie, sodass die Leistungsfähigkeit abnimmt und der Betroffene sich allmählich von anderen Menschen isoliert.

Menschen, die bestimmte Handlungen zwanghaft wiederholen müssen, bauen dadurch meist Ängste ab, auch wenn das für sie selbst und für ihre Umgebung oft schwer zu ertragen ist. Zwangserkrankungen beginnen oft schon im Jugendalter und sie können gehäuft in Familie auftreten, wobei sie verschiedene Ursachen haben, etwa Störungen des Gehirnstoffwechsels aber auch Verhaltensmuster, die gelernt wurden. Menschen mit Zwängen haben oft hohe Erwartungen an sich selbst, haben Angst Fehler zu machen oder die Kontrolle zu verlieren. Gleichzeitig schämen sie sich meist und versuchen das, was sie quält, möglichst lange geheim zu halten, wobei aber je früher eine Zwangserkrankung behandelt wird, desto besser sind die Erfolgsaussichten. Leichte Zwangsstörungen lassen sich gut psychotherapeutisch behandeln, etwa durch ein Expositionstraining. Dabei sollen Betroffene die Erfahrung machen, dass eine geringere Wiederholungsfrequenz genügt, sodass auch die Angst, dass das nicht genügen könnte, mit der Zeit nachlässt. Bei schweren und lange andauernden Zwangsstörungen reicht in der Regel eine ambulante Therapie (meist eine Verhaltenstherapie) nicht aus, sondern es ist eine stationäre Behandlung notwendig.  Schwere Fälle von Zwangsstörungen werden meist zusätzlich mit Medikamenten behandelt.

Siehe dazu Zwangshandlungen und Zwangsstörungen.





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