atypische Essstörungen

Unter die atypischen Esstörungen fallen jene, auf die nicht alle Merkmale eines Krankheitsbilds zutreffen oder bei denen die Merkmale mehrerer Krankheitsbilder gemeinsam auftreten. Für Betroffene ist wichtig, dass es sich auch in diesen Fällen um  behandlungsbedürftige Essstörungen handelt. Zu diesen atypischen Essstörungen werden auch die Pica-Störung sowie der psychogene Appetitverlust gerechnet. Neben Anorexie und Bulimie finden sich zahlreiche ähnliche aber atypische Essstörungen, etwa wenn Betroffene hungern, um in schwachen Momenten umso mehr zu essen. Das Problem einer solchen Essstörung beginnt meist mit einer Diät, bei der sich vorwiegend Mädchen von ihrer Gefühlswahrnehmung für Hunger und Sattheit distanzieren.  Nach einer Studie von Sophie Vust (2012) sind meist junge Mädchen von unauffälligeren Störungen des Ernährungsverhaltens betroffen, die oft unbemerkt bleiben. Manche junge Frauen sind erfüllt von Zweifeln über die Ernährung und ihren Körper, und wechseln zwischen Fasten, um abzunehmen, und Krisen, in denen sie alles in sich hineinstopfen, wobei die kompensierenden Verhaltensweisen wie Erbrechen oder übermässiges Sporttreiben dabei seltener auftreten als bei typischen Essstörungen. Daraus entsteht ein Teufelskreis: Die Entbehrungen der Mädchen führen zu Krisen, in denen sie bei Nahrungsmitteln schwach werden, die sie sich sonst verbieten würden, wobei sie riesige Mengen, meist im Verborgenen, zu sich nehmen ohne sich kontrollieren zu können. Nach einer solchen Krise fühlten sie sich noch schlechter und empfinden Scham und Schuldgefühle, dass sie nachgegeben haben. Daher zwingen sich die Mädchen ein noch strengeres Regime auf und bereite somit den Boden für die nächste Krise.

Diese atypischen Essstörungen treten mindestens fünfmal häufiger auf als Magersucht (1 %) oder Ess-Brech-Sucht (2-3 %), wobei in manchen Gruppen wie Models oder Tänzerinnen eine von fünf Frauen betroffen sind. Nach Vust fokussieren Kampagnen gegen das Übergewicht oft auf die Ernährung und das Gewicht, doch diese Botschaften sind bei Essstörungen kontraproduktiv und könnten die Situation verschlimmern, denn sie verleiten die Mädchen dazu, noch stärker zu kontrollieren, was sie essen, ohne Rücksicht auf ihre Bedürfnisse.
Auch die atypischen, Essstörungen stellen einen Schutzschild für ein inneres Unwohlsein und Schwierigkeiten dar, die meist verschiedene Ursachen haben. Indem sie sich auf das Essen fokussieren, verdrängen die Jugendlichen ihre anderen Probleme. Betroffene junge Frauen besitzen oft ein schwaches Selbstwertgefühl, das stark an ihr Äusseres und ihr Gewicht gebunden ist, und halten es oft für unverhältnismässig wichtig, was andere von ihnen denken. Prävention sollte daher vermehrt beim Aufbau des Selbstwertgefühls ansetzen, und die Idee vermitteln, dass der Wert eines Menschen an die Person und nicht an seine Leistungen oder sein Aussehen gebunden ist. Das Problem einer Essstörung beginnt meist mit einer Diät, bei der sich vorwiegend Mädchen von ihrer Gefühlswahrnehmung für Hunger und Sattheit distanzieren.

Siehe dazu Richtig abnehmen passiert im Kopf!

Literatur & Quellen

Mousson, M.-C. (2012). Abnormale Essstörungen. Tagesanzeiger vom 11. Mai.
Vust, Sophie (2012). Quand l’alimentation pose problème… Ni anorexie, ni bulimie, les troubles alimentaires atypiques. Chêne-Bourg: Editions Médecine & Hygiene.





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