Serotonin

Serotonin ist ein wichtiger Neurotransmitter, der  unter anderem im Zentralnervensystem, im Darmnervensystem, auf das Herz-Kreislauf-System und im Blut wirksam ist, wobei er  den Appetit, den Schlaf-Wach-Rhythmus und das Sexualverhalten regelt und auch an der Steuerung der Körpertemperatur sowie der Schmerzwahrnehmung beteiligt ist. Serotonin im Auge den Augendruck, wirkt im Magen-Darm-Trakt aktivierend und fördert die Blutgerinnung. In der Skelettmuskulatur weitet es, in der Lunge und in den Nieren verengt es die Blutgefäße. Derzeit sind sechzehn Serotonin-Rezeptoren im Menschen bekannt, die für die vielfältigen Wirkungen des Hormons verantwortlich sind, wobei unter anderem auch das Ruhezustandsnetzwerk von Serotonin beeinflusst wird.

Serotonin steht wesentlich im Zusammenhang mit Schlaf und Stimmung, denn bei zu wenig Serotonin kann es zu depressiven Verstimmungen kommen, während zu viel Serotonin Unruhe hervorrufen kann. Landläufig wird Serotonin durch seine anregende Wirkung auch als Glückshormon bezeichnet, und wirkt wie die meisten Botenstoffe nicht nur über den synaptischen Spalt, sondern wird auch auf anderen Wegen im Körper verteilt.

Manche Depressionen gehen auf einen Serotoninmangel zurück, wobei einige Antidepressiva daher versuchen, den Serotoninstoffwechsel der Neuronen zu verändern, jedoch sprechen etwa ein Drittel bis ein Viertel der Behandelten sprechen auf die Serotonin-Wiederaufnahmehemmer nicht an, d. h., bei diesen Menschen hat die Depression vermutlich nichts mit dem Serotonin-System zu tun, sondern die Ursachen liegen vermutlich bei anderen Botenstoffen. Die Serotoninmenge kann man grundsätzlich nicht von außen beeinflussen, auch der Genuss von Schokolade, in der Serotoninvorläufer enthalten sind, erhöht den Serotoninspiegel im Gehirn nicht.  Medikamente wie Serotoninwiederaufnahme-Hemmer verlangsamen die Wiederaufnahme des Transmitters in den Zellen, womit  die Menge des verfügbaren Serotonins im synaptischen Spalt gezielt erhöht wird. Man erhofft dadurch, dass  genug Serotonin vorhanden ist, womit einer Depression oder Angsterkrankung entgegengewirkt wird, doch läuft dieser Prozess nicht innerhalb von Stunden ab,  sondern dauert längere Zeit, bis sich eine Depression durch diese Medikamente verringert.

Serotonin-Wiederaufnahmehemmer wie Fluoxetin, Fluvoxamin, Paroxetin, Sertralin, Citalopram oder Escitalopram sind Antidepressiva, die am Serotonin-Transporter ihre Wirkung entfalten und dabei die Serotonin-Konzentration in der Gewebeflüssigkeit des Gehirns erhöhen, wobei sie an anderen Monoamin-Transportern nicht oder nur schwach wirken. Darin unterscheiden sie sich von den älteren trizyklischen Antidepressiva und werden deshalb als selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer bezeichnet.

Das Serotonin-Syndrom

Es gibt jedoch Fälle, in denen ein Zuviel an Serotonin im Gehirn Probleme mit sich bringt, sodass der Überschuss dieses Botenstoffes zu körperlichen und psychischen Beschwerden führen kann, wobei dieses Syndrom eine oft verkannte aber seltene Nebenwirkung einer Behandlung mit Antidepressiva darstellt. Dabei besteht die Gefahr, dass das Syndrom mit Symptomen der Grunderkrankung wie der Depression verwechselt wird, da sich die Beschwerden ähneln können. Ein solcher Serotoninüberschuss und daraus folgend ein Serotoninsyndrom werden meist durch eine Überdosierung von Antidepressiva verursacht, wobei nach Ansicht von Experten vor allem eine Kombination von Antidepressiva mit Bedacht zu wählen ist, damit es zu keiner Überdosierung kommt. Auch bei der Umstellung von einem Antidepressivum zu einem anderen ist Vorsicht geboten, ebenso bei der Steigerung der Dosis, d. h., man sollte mit Antidepressiva niemals selbstständig experimentieren und diese immer genau nach ärztlicher Absprache einnehmen. Will man ein Antidepressivum absetzen, die Dosis erhöhen oder ein anderes Präparat versuchen, sollte man mit seinem behandelnden Arzt darüber sprechen und gemeinsam eine Lösung suchen.
Gefährlich sind Kombinationen von Antidepressiva und MAO-Hemmern, die bei Depressionen und Parkinson eingesetzt werden und die Wirkung dieser beiden Medikamentengruppen sollte sich auch nicht überlappen. MAO-Hemmer sollten mindestens eine Woche vorher abgesetzt werden, bevor man Antidepressiva einnimmt. Durch eine Erhöhung des Neurotransmitters Serotonin im zentralen Nervensystem kann es zu psychischen und körperlichen Störungen kommen, wobei in den meisten Fällen die Symptome eines Überschusses eher leicht und harmlos sind und es nur in ganz seltenen Fällen ein lebensbedrohlicherer Notfall eintreten kann. Mögliche Symptome auf psychischer Ebene sind Unruhe, Ängstlichkeit, Ruhelosigkeit, Verwirrtheitszustände, Euphorie, Hyperaktivität, Desorientiertheit, Müdigkeit, Antriebslosigkeit. Körperlich kann es zu Muskelzuckungen, Zittern, schmerzhaften Muskelverhärtungen, Blutdruckschwankungen, Kopfschmerzen, Atemnot, Übelkeit, Durchfall und Schüttelfrost kommen. In seltenen, schweren Fällen ist Herzrasen und gefährlicher Anstieg der Körperkerntemperatur mit Schweißausbrüchen und sogar Koma möglich. Die Symptome treten dabei zeitverzögert nach der Einnahme oder bei einer Dosiserhöhung der Medikamente auf, wobei die meisten Fälle eines Serotonin-Syndroms innerhalb von 24 Stunden beobachtet werden. Ein gewisses Problem bei der Diagnose des Serotoninsyndroms ist die Tatsache, dass es keine routinemäßige Messung von Serotonin gibt, denn eine Messung im Gehirn wäre sehr aufwändig und teuer und sie ist auch nicht zielführend. Bei leichtem oder mittlerem Serotonin-Überschuss genügt ein Pausieren oder Absetzen der Antidepressiva, d. h., nach ein oder zwei Tagen ohne Antidepressiva müssten die Symptome abklingen.

Jedoch sind nicht nur Medikamente serotoninsteigernd sondern auch andere Maßnahmen spielen eine gewisse Rolle:

Lichttherapie: Bei der Lichttherapie wird das Sonnenlicht durch eine spezielle Lampe nachempfunden. Ihre Wirkung ist wissenschaftlich erwiesen und wird bei Depressionen eingesetzt. Lichttherapie steigert den Serotoningehalt im Gehirn, es wirkt demnach wie ein Antidepressivum, jedoch in geringerem Ausmaß.

Ernährung: Das allermeiste Serotonin befindet sich im Magen-Darm-Trakt (95 Prozent) und nicht im Gehirn. Es ist daher nicht verwunderlich, dass man durch die Nahrungsaufnahme den Serotoninspiegel heben kann. Durch den Verzehr z.B. von Bananen, Kiwi und Schokolade lässt sich das Serotonin im Körper steigern. Das hat mit dem Serotoninspiegel im Gehirn aber nur in geringem Ausmaß etwas zu tun, denn das im Körper gebildete Serotonin kann die Blut-Hirn-Schranke nur in sehr kleinem Ausmaß überwinden. Serotoninhältige Nahrungsmittel können jedoch auch indirekt zur Serotoninsteigerung im Gehirn beitragen, denn sie regen im Gehirn die Bildung von Neurotransmittern an, was wiederum zur Bildung von Serotonin im Gehirn führt. Schlussfolgerung: Durch bestimmte Nahrungsmittel lässt sich zwar auch das Serotonin im Gehirn etwas steigern, aber nicht in dem Maße, als dass es zu einem unerwünschten Syndrom führen könnte. Das Gleiche gilt für Nahrungsergänzungsmittel. „Sie sind zwar teuer, man kann damit aber kaum einen merklichen Effekt im Gehirn bewirken“, sagt Zaunmüller.

Sport: Der Effekt einer indirekten Steigerung des Glückshormons im Gehirn lässt sich auch mit Ausdauersport erzielen. Serotonin wird durch die essentielle Aminosäure Tryptophan gebildet. Je mehr Tryptophan vorhanden ist, desto mehr Serotonin kann produziert werden. Durch Sport wird Tryptophan dem Körper vermehrt zur Verfügung gestellt. Sport zu betreiben erhöht auf diesem Weg den Serotonin-Spiegel. Ein Serotonin-Syndrom kann damit aber keinesfalls ausgelöst werden. Man kann durch exzessiven Sport und massenhaften Verzehr von Schokolade & Co demnach keinen schädlichen Überschuss von Serotonin herbeiführen.

Aggression und Serotoninspiegel

Bei der Kontrolle von Aggressionen spielt der Sertoninspiegel eine Rolle, wobei dieser bei aggressivem Verhalten vermindert ist. Nach Studien von Berend Olivier (Universität Utrecht) gibt es im Gehirn von Menschen und Tieren Mechanismen, die Aggression steuern, wobei diese Steuerung von Aggression zwar auf genetischen Voraussetzungen beruht, aber auch die Erziehung in der Aggressionsverarbeitung eine wesentliche Rolle spielt. Bei sehr aggressiven Menschen ist das Serotonin-System weniger aktiv als bei normalen Menschen. Pharmakologen züchteten Mäuse, bei denen im Gehirn bestimmte Rezeptoren ausgeschaltet wurden und ein Teil des Serotonin-Systems außer Kraft gesetzt ist. Diese Tiere waren in der Folge nicht mehr fähig, ihre Aggressionen zu unterdrücken (Stangl, 2015).

Tryptophan in warmer Milch fördert Serotoninproduktion nur bedingt

Der klassische Hinweis, dass warme Milch zum Schlaf verhilft, ist teilweise richtig, da Milch reich an Tryptophan ist, einer schlaf-induzierenden Aminosäure, wobei das L-Tryptophan im menschlichen Gehirn zur Produktion von Serotonin benötigt wird. Ein hoher Serotoninspiegel ist somit auch eine Basis für guten Schlaf, doch muss das Tryptophan in der Milch die Blut-Hirn-Schranke überwinden, was proteinreichen Lebensmitteln wie Milch tnicht von selbst gelingt, sondern zusätzlich müssen Lebensmittel mit hohem Kohlenhydratanteil gegessen werden, die ihrerseits die Insulin-Produktion steigern, das dem Gehirn die Aufnahme des in der Milch enthaltenen Tryptophans erst ermöglicht. Vermutlich handelt es sich bei der alten Weisheit eher um einen Placebo-Effekt (Silber & Schmitt, 2010).

Literatur

Silber, B.Y. & Schmitt, J. A. (2010). Effects of tryptophan loading on human cognition, mood, and sleep. Neurosci Biobehav, 34, 387-407.
Stangl, W. (2015). Aggression und Serotoninspiegel. [werner stangl]s arbeitsblätter.
WWW: http://arbeitsblaetter.stangl-taller.at/EMOTION/Aggression2.shtml#Die%20Wahrnehmung%20von%20Gewalt (15-11-21)
Thomas Hartl in OÖN Gesundheit vom 8. April 2016.
https://de.wikipedia.org/wiki/Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (15-11-12)
http://www.br.de/radio/bayern2/wissen/gesundheitsgespraech/themen/botenstoffe-neurotransmitter-demenz-100.html (15-09-17)





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