Gelotophobie

Gelotophobie ist die Furcht ausgelacht zu werden, wobei nach einer Untersuchung etwa ein Zehntel der Menschen davor Angst hat, von anderen ausgelacht zu werden. Während gesunde Menschen Gelächter in der Regel als freundlich und vertrauensvermittelnd empfinden, nehmen Menschen mit Gelotophobie an, das Lachen richtet sich gegen sie als Person, wobei das Gefühl, ausgelacht zu werden, auch für einige psychiatrische Erkrankungen relevant ist und sogar auf Störungen aus dem schizophrenen Formenkreis hindeuten kann.

Die Angst vor dem Ausgelachtwerden kann manche Menschen prägen und traumatisierende Auswirkungen haben, da die Betroffenen alle Formen von Lachen in ihrer Umgebung als bedrohlich für das eigene Selbstwertgefühl erleben und nicht mehr in der Lage sind, mit anderen gemeinsam zu lachen. Bei Gelotophobikern liegt also die paranoide Befürchtung vor, lächerlich zu sein, wobei ihr ganzes Denken um die Frage kreist: Bin ich lächerlich, lacht da jemand über mich? Gelotophobie ist somit Ausdruck einer ausgeprägten Schamangst. Gelotophobikern gelingt es nicht, Humor angemessen zu decodieren, wobei die lächelnde Mimik eines Menschen in ihrer Umgebung grundsätzlich als Signal interpretiert wird, das die eigene Minderwertigkeit anzeigt. Insbesondere Menschen, die zu Scham neigen, haben auch eine größere Angst davor, ausgelacht zu werden. Gelotophobie ist sehr stark mit Scham verbunden, denn denn die davon betroffenen Menschen kontrollieren ihre Mimik und Gestik häufig stark, um nicht ausgelacht zu werden, sodass sie dadurch aber noch komischer wirken und erst recht ausgelacht werden. Gelotophobikern gelingt es offensichtlich auch schlechter, Humor zu decodieren, d. h., die lächelnde Mimik eines Gesprächspartners wird grundsätzlich als ein Signal interpretiert, das die eigene Minderwertigkeit anzeigt. Während Sozialphobiker, die sich häufig wegen ungeschickter Handlungen negativ bewertet sehen, fühlen sich Gelotophobiker als ganze Person entwertet.

Es gibt nach Ansicht von Experten große kulturelle Unterschiede in der Häufigkeit des Auftretens von Gelotophobie, denn während in westlichen Industrienationen zwischen zwei und dreizehn Prozent der Menschen davon betroffen sind, sind es in einigen afrikanischen und asiatischen Ländern bis zu doppelt so viele, denn in diesen hängt das eigene Wohlbefinden stark von anderen ab bzw. man definiert sich mehr als Teil der Gemeinschaft. Die Angst vor dem Ausgelachtwerden ist bei Jugendlichen stärker ausgeprägt, insbesondere in der Pubertät, also der Phase, in der Jugendliche ihre Identität in der Peer Group suchen und sozialer Anschluss ihren Selbstwert stabilisiert. Die Wurzeln dieser Phobie liegen meist in der Kindheit, wobei tendenziell eher angepasste Kinder davon betroffen sind, denen es in der Pubertät nicht gelungen ist, sich im ausreichenden Maße vom Elternhaus zu emanzipieren. Vermutlich spielt auch die Vorbildwirkung der Eltern eine Rolle, wenn Kinder aus der Mimik der Eltern deren Gefühle nicht richtig zu deuten lernen, insbesondere dann nicht, wenn Kinder Lachen nicht als Form von Zuneigung kennen lernen und mit angenehmen Gefühlen in Verbindung bringen können.

In einem Experiment (Papousek et al., 2014) wurden Teilnehmer mit und ohne Gelotophobie untersucht, indem sie fünf Minuten Rechenübungen lösen mussten, während sie mit EKG-Elektroden verkabelt wurden, um ihre Herzrate zu messen. Zur Kontrolle, ob Änderungen des Pulses mit der Beleidigung oder dem Gelächter zu tun haben oder ob sie auch bei anderen Störungen auftreten, wurde gleich lang und gleich laut ein Rauschen über die Gegensprechanlage eingespielt. Diese Unterbrechung wirkte sich aber nicht auf den Puls aus. Bei gesunden Probanden änderte auch die Beleidigung nichts am Herzschlag, doch bei Probanden mit Gelotophobie stieg die Herzrate eindeutig an, was bestätigt, dass Gelotophobiker stärker zu Wut und Ärger neigen. Die Reaktion auf das eingespielte Gelächter verlangsamte bei Menschen mit Gelotophobie deren Puls deutlich stärker, sobald das Lachen zu hören war, als bei den Probanden der Kontrollgruppe. Auch kehrte Gelotophobikern die Herzfrequenz nicht so schnell auf die normale Frequenz zurückm, d. h., ihnen blieb sprichwörtlich das Herz stehen. Bekanntlich wird das Gefühl, sozial ausgeschlossen zu sein, oft von einer verlangsamten Herzrate begleitet, wobei soziale Ablehnung jene Gehirnregionen aktiviert, die auch mit körperlichem Schmerz assoziiert sind.

Der Weltlachtag

Eine Bedrohung für alle Gelotophobiker und Gelotophobikerinnen dürfte der Weltlachtag sein. Der Weltlachtag wurde 1998 von Madan Kataria, dem Gründer der weltweiten Yoga-Lachbewegung, ins Leben gerufen. Darin verbindet der indische Arzt bestimmte, aus dem Yoga stammende Körper- und Atemtechniken, die das Lachen erleichtern sollen.

Die Feier des Weltlachtags soll den Weltfrieden verkörpern und hat das Ziel, ein globales Bewusstsein der Brüderlichkeit und der Freundschaft durch das Lachen zu erreichen. Der Weltlachtag findet am ersten Sonntag im Mai statt, an dem die Menschen rund um den Globus um Punkt 14.00 Uhr für drei Minuten in kollektives Gelächter ausbrechen sollen.

HumorCare e.V. Deutschland-Österreich

Es gibt übrigens einen gemeinnützigen Verein „HumorCare e.V. Deutschland-Österreich“, der am 1. Dezember 2001 auf Initiative von Dr. Michael Titze gegründe  und am 29. Januar 2002 beim Amtsgericht Tuttlingen in das Vereinsregister eingetragen wurde. HumorCare als Verein anerkannt. Dieser Verein fördert die wissenschaftlich fundierte Anwendung von Humor in klinischen, psychosozialen, pädagogischen und beratenden Berufen. Diese Vernetzung von Fachpersonen und Bildungseinrichtungen und anderen Institutionen in Zusammenarbeit mit HumorCare International hat folgende Ziele:

  • Information über das aktuelle Geschehen in den Bereichen therapeutischer Humor (einschließlich Humorberatung und Coaching), Gelotologie (Lachforschung) und Humorforschung;
  • Organisation von Kongressen, Tagungen und anderen Angeboten an Aus-, Fort- und Weiterbildung.
  • Vermittlung von und Zusammenarbeit mit Fachpersonen in der klinischen, psychosozialen, pädagogischen und künstlerischen Humoranwendung;
  • Schaffen einer gemeinsamen Basis wissenschaftlich orientierter Humoranwendung durch Abstützung auf eigene ethische Richtlinien. In diesem Zusammenhang soll insbesondere dem Missbrauch von schädlichem und unreflektiertem Humor (Sarkasmus, Zynismus, Lächerlichmachen, Mobbing) vorgebeugt werden.

Auf der Homepage des Vereins finden sich zahlreiche wissenschaftliche Texte zur Gelotologie.

Link: http://www.humorcare.com/ (15-12-12)

Literatur
Driessen, B. (2013). Lachende Menschen verbreiten Angst und Schrecken. Die Welt vom 16. Feb. 2013.
Papousek, I., Aydin, N., Lackner, H. K., Weiss, E. M., Bühner, M., Schulter, G., Charlesworth, C. & Freudenthaler, H. H. (2014). Laughter as a social rejection cue: „Gelotophobia“ and transient cardiac responses to other persons´ laughter and insult. Psychophysiology, 51, 1112-1121.
Stangl, W. (1998). Nonverbale Kommunikation: Lächeln & Lachen. [werner stangl]s arbeitsblätter.
WWW: http://arbeitsblaetter.stangl-taller.at/KOMMUNIKATION/Lachen-Laecheln.shtml (98-04-01)



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