Stalking

Die meisten Menschen verarbeiten Trennung und Zurückweisungen, indem sie sich auf andere Dinge in ihrem Leben konzentrieren, sich ablenken und neue Ziele setzen.  Stalker sehen sich jedoch immer noch in einer Beziehung zu dem Opfer, auch wenn diese Beziehung bereits beendet wurde. Menschen, die zu Stalking-Verhalten neigen, haben oft in der Kindheit oder Jugend nicht gelernt, mit Zurückweisungen umzugehen, haben daher ein verletztes Selbstwertgefühl, das sie adurch kompensieren, dass sie sich auf eine andere Person fixieren. Diese Fixierung wird von vielen StalkerInnen selbst nicht als Stalking wahrgenommen, denn die Grenze des Nahbereichs des anderen Menschen wird einfach nicht gesehen und wiederholt überschritten. Vor allem Ex-Partner haben das Problem, sich mit dem Ende einer Beziehung abfinden zu müssen, sodass die Trennung als Kontrollverlust empfunden wird und das Stalking dazu dient, diese Kontrolle wieder zu erlangen. Die Zurückgewiesenen beschäftigen sich dann den ganzen Tag mit dem Menschen, dem sie nachstellen, d. h., das Opfer wird zum zentralen Lebensinhalt. Beim krankhaften Stalker findet man häufig auch psychische Störungen wie eine starke narzisstische Orientierung, d. h., Stalker sind sehr leicht kränkbar und haben auch in einigen Fällen paranoide Züge. Beziehungssüchtige Stalker idealisieren oft ihr Opfer, glorifizieren es und bauen sich eine Fantasie, die enttäuscht wird, wenn die betroffene Person klar zum Ausdruck bringt, keinen Kontakt mehr zu wollen. Dabei können die ursprünglich positiv empfundenen Gefühle in Wut umschlagen, die dazu führt, dass Stalker ihrem Opfer nur noch mehr nachstellen. Es geht dann nicht mehr darum, die bereits beendete Beziehung zu retten, sondern darum sich an der ehemaligen Bezugsperson zu rächen und die eigene Ohnmacht durch das Stalking in Macht zu verwandeln. Bei attackierenden Stalkern  geht das Stalking in Gewalttaten, häufig in sexualisierte Gewalttaten über.

Nach neueren Studien sind über zehn Prozent der Bevölkerung einmal im Leben von Stalking betroffen gewesen, wobei die Täter häufig abgewiesene Liebhaber sind. Stalking ist daher ein Massenphänomen, wobei Frauen am häufigsten Opfer sind. Psychologen raten, alle Kontaktangebote des Stalkers konsequent zu ignorieren und auf keinen Fall in irgendeiner Weise den Telefonhörer abzunehmen und mit dem Stalker wieder zu sprechen, denn das löst eine intermittierende Verstärkung aus. Opfer sollten möglichst bald die Polizei einschalten, wobei Untersuchungen zeigen, dass 60 bis 70 Prozent alle Stalkingfälle nach einer solchen Polizeiintervention aufhören. Bei gemeinsamen Bekanntenkreisen ist es für den Täter leicht, an neue Kontaktdaten heranzukommen, sodass ein Kontakt- und Näherungsverbot in der Regel eine sehr effektive Methode ist, allerdings muss jeder Verstoß dagegen sofort der Polizei gemeldet werden, damit diese konkrete Handlungen registrieren und schnelle Konsequenzen folgen lassen können.

Wichtig ist es, im Fall von Stalking die Risiken zu bestimmen, also Signale wie Häufigkeit und Frequenz, das Vorkommen von Gewalt, Waffen oder Drohungen einzubeziehen. Ein Warnsignal allein hat nämlich oft noch keine Aussagekraft. Wichtig ist nach Ansicht von Experten, dass Opfer sich in professionelle Beratung geben und beim Erkennen von Gefahr sofort ein Helfersystem von Beratungsstelle, Polizei, Justiz oder Behörden aktiv werden kann, denn allein kann man wenig bewirken.

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Die Mehrzahl der Stalker ist übrigens nicht psychisch krank, denn 90 Prozent der Stalker sind strafrechtlich verantwortlich für das, was sie tun. Es sind meist Menschen, die Macht und Kontrolle ausüben wollen. Was Stalker gemeinsam haben, ist häufig ein besitzergreifender und nicht partnerschaftlicher Bindungsstil, sondern einer, in dem Kontrolle und Macht ausgeübt werden. Wenn sich ein Partner irgendwann dieser Bindung oder Beziehung entzieht, dann setzen Stalkingmuster ein, um den Partner mit Gewalt oder auch mit Drohungen wieder zu bekommen. Man geht davon aus, dass drei Viertel der StalkerInnen Männer sind, wobei Frauen übrigens nicht unbedingt kürzer oder harmloser als Männer stalken, wobei allerdings weniger körperliche Gewalt zu finden ist. Die Mehrzahl der Opfer sind Frauen, die durch diese Stalking-Erfahrung aus ihrem Leben herausfallen, die Wohnung und den Arbeitsplatz wechseln. Es gibt in seltenen Fällen extreme Verläufe, bei denen der Stalker das Leben eines Menschen zerstört.

Kennzeichen eines Stalkings

Von Stalking spricht man in der Regel erst, wenn die Belästigung über einen längeren Zeitraum hin anhält oder sich steigert, und die physische und psychische Unversehrtheit des Stalkingopfers dadurch unmittelbar, mittelbar oder langfristig bedroht sind. Meist erstreckt sich das Stalking über einen Zeitraum von mehreren Monaten oder Jahren. Stalking kann sich dabei etwa in folgenden Verhaltensweisen äußern:

  • der Stalker ruft ständig im Büro oder Zuhause an oder übt Telefonterror aus
  • der Stalker belästigt, verfolgt und bedroht das Stalking Opfer
  • der Stalker hinterlässt Drohungen auf dem Anrufbeantworter, per SMS oder Email
  • der Stalker lauert seinem Opfer vor dem Büro, Zuhause, beim Spaziergehen oder Hobby auf
  • der Stalker schickt permanent Liebesbriefe und Geschenke
  • der Stalker hinterlässt an der Haustür oder am Automobil Nachrichten
  • der Stalker beschädigt Eigentum seines Opfers
  • der Stalker bricht in die Wohnung ein
  • der Stalker bestellt Waren und Zeitschriften auf den Namen des Opfers
  • bisweilen übt der Stalker auch körperliche Gewalt aus.

1. Definition
„Eine allgemein gültige Definition von Stalking gibt es bisher nicht; dafür aber Indizien, die dem Begriff Zündstoff in unserer Zeit und Gesellschaft verleihen. Auf der Verhaltensebene etwa äußert sich Stalking in wiederholten Handlungen von Verfolgung, Belästigung oder Kontaktaufnahmen, die auf der psychischen Ebene von einer emotionalen Fixiertheit geprägt sind“ (Kind, 2007, S. 1).

2. Definition
„Von Stalking wird gesprochen, wenn ein Täter sein Opfer über Wochen oder Jahre verfolgt, belästigt oder sogar bedroht und attackiert. Durch die ständigen Verfolgungen fühlen sich die Opfer zumeist extrem verunsichert, gelegentlich in Angst und Schrecken versetzt; im Extremfall kann Stalking Anlass oder gar Ursache der Entwicklung einer psychischen Störung sein“ (Fiedler & Fydrich, 2007).

3. Definition
„Unter Stalking (…) versteht man eine vom Opfer nicht intendierte exzessive Verfolgung eines Menschen mit andauernder Belästigung oder gar Bedrohung. Betroffen davon sind meist Prominente, aber auch ganz normal lebende Menschen. Das Stalking kann eine paraphil-sexuelle Dranghaftigkeit als Ursache haben. Es kann auch völlig anderen Motiven entspringen“ (Fiedler zit. nach Zimmermann, 2007, S. 2).

4. Definition
„Der Begriff des Stalking wurde in den 1990-er Jahren in den USA zur Bezeichnung eines komplexen menschlichen Verhaltensmusters gewählt. Ursprünglich kommt er aus der englischen Jägersprache und wurde von Jägern für das Heranpirschen und Einkreisen der Beute, des verfolgten Wildes benutzt. Nach neuerem Sprachverständnis wird mit dem Begriff nunmehr auch das zwanghafte Verfolgen einer anderen Person verbunden“ (Vander zit. nach Korom, 2008, S. 4).

5. Definition
„Oft treten nach Beendigung einer Intimbeziehung Stalking-Vorfälle auf, weil das besitzergreifende Verhalten eines Partners bestehen bleibt, was eine weitere Stufe der Gewalt darstellt. Dies kann von häufigen, unerwünschten Anrufen, Auflauern, Besuchen am Arbeitsplatz, Drohungen, Wohnungseinbrüchen bis zu Vergewaltigung und Mord gehen“ (Maurer, 2008, S. 75).

Kurioses: Suchanfrage für diese Seiten: „Was ist ein Stocker?“

Literatur & Quellen

Dreßing, H. & Gass, P. (Hrsg.) (2005). Stalking! Verfolgung, Bedrohung, Belästigung. Bern: Huber.
Fiedler, P. (2006). Stalking: Opfer, Täter, Prävention, Behandlung. Weinheim: Beltz-PVU.
Fiedler, P. & Fydrich, T.  (2010). Stalking, Prävention und psychotherapeutische Intervention. Online im Internet:
WWW: http://www.springerlink.com/content/45j245328151m623/fulltext.pdf (09/10/23)
Hoffmann, J. (2006). Stalking. Berlin: Springer.
Kind, M. (2007). Stalking Ratgeber für Betroffene & Berater. Wien: LexisNexis.
Korom, B. (2008). Stalking im österreichischen und deutschen Recht. Dissertation. Linz: Institut für Strafrechtswissenschaften.
Maurer, E. (2008). Ehe & Scheidung auf österreichisch. Wien: MANZ.
Zimmermann, M. (2007). § 107a StGB – Die Entwicklungsgeschichte des Anti-Stalking-Gesetzes und seine Bedeutung aus frauenrechtlicher Sicht anhand von Stellungnahmen frauenspezifischer Hilfs- und Beratungseinrichtungen. Diplomarbeit. Linz: Rechtswissenschaftliche Fakultät.
Mitteldeutsche Zeitung vom 7. April 2011.

 

 




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