Placebo
1. Definition
Placebos sind nicht nur in der Lage, erwünschte Reaktionen zu erzeugen, sondern auch die gleichen, unerwünschten Nebeneffekte wie das entsprechende Verum (=Echtmedikament). Placebos mit negativen Wirkungen werden Nocebos genannt (Degen zit. nach Ludwig 1988, S. 54ff). Es wurden sogar Anti-Placebo-Effekte beobachtet: Ein Echtmedikament büßt seine Wirkung ein, wenn es als angebliches Placebo verabreicht wird (vgl. Ludwig 1991, S. 129).
2. Definition
Placebo ist eine nach außen hin unveränderte Nachbildung eines Medikaments, jedoch ohne seine spezifische Wirkung und dient zur Ausgrenzung von Suggestivwirkungen bei Versuchen. Die Effekte des Placebos sind von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Anhand von Placebos lässt sich feststellen, dass psychische Faktoren für die medikamentöse Behandlung von Bedeutung sind (vgl. Hehlmann 1965, S. 411f).
3. Definition
„Die übliche definitorische Gleichstellung von Placebo mit Leerpräparat, Scheinmedikament, interaktiver Substanz, bzw. die sprachliche Gegenüberstellung (bes. in der pharmakologischen Forschung) von Verum (lat. das Wahre) mit Placebo im Sinne von Falsum (lat. das Falsche) verstellen den Zugang zu einer phänomenangemessenen Beurteilung der massiven, an jedem Therapieerfolg beteiligten sog. Placeboeffekte“ (Tewes & Wildgrube 1992, S. 254).
4. Definition
„Placebo (lat.: „ich werde gefallen“) das; Medikament, das einem echten Medikament in Aussehen und Geschmack gleicht, ohne dessen Wirkung zu enthalten (Med.)“ (Duden 1997, S. 630).
5. Definition
Im Dorschem Psychologischem Wörterbuch wird Placebo als eine bei der Wirkungsprüfung von Pharmaka zu Kontrollzwecken eingesetzte Substanz beschrieben. Im Aussehen, Geruch und Geschmack gleicht es der echten Substanz. Untersuchungen zufolge erzeugt ein Placebo sowohl psychologische als auch physiologische Vorgänge (vgl. Häcker & Stapf 1998, S. 645)
Placebos (placebo, lat.: Ich werde gefallen) enthalten in der Regel nur Füllstoffe wie Milchzucker und Stärke und sind für den Placebo-Effekt verantwortlich. Mit Placebos lassen sich bis zu 50 Prozent der Wirkung eines “echten”“ Medikaments erzielen, wobei sich manchmal sogar Nebenwirkungen wie Magen-Darm-Beschwerden, Müdigkeit, Kopfschmerzen, Erregung oder Depression verursachen können. Auch äußere Merkmale wie sehr kleine und sehr große Tabletten wirken besser als mittelgroße, rote Tabletten helfen manchmal besser als weiße, gespritzt wirken sie besser als Tabletten, besonders wenn diese von Ärzten gesetzt werden. Jon-Kar Zubieta et al (Universität Michigan) fand, dass Placebos das Gehirn zur Produktion körpereigener Endorphine, animiert, die die Schmerzempfindlichkeit herabsetzen können, sodass die Annahme, dass der Placebo-Effekt rein psychologisch sei, damit widerlegt scheint. Schon allein der Glaube und die Erwartung, ein schmerzlinderndes Mittel zu bekommen, kann das Gehirn offensichtlich zur Produktion körpereigener Schmerzmittel animieren. Je höher die Aktivität des Endorphinsystems dabei war, desto ausgeprägter war auch die Schmerzlinderung (Zubieta 2005).
Verwendete Literatur
Häcker, H. & Stampf, K. (1998). Dorsch Psychologisches Wörterbuch. Bern: Verlag Hans-Huber.
Hehlmann, W. (1965). Wörterbuch der Psychologie. Stuttgart: Alfred Körner Verlag.
Ludwig, P. (1991). Sich selbst erfüllende Prophezeiungen im Alltagsleben. Stuttgart: Verlag für Angewandte Psychologie.
Duden (1997). Duden Fremdwörterbuch. Mannheim: Dudenverlag.
Tewes, U. & Wildgrube, K. (1992). Psychologie-Lexikon. Oldenbourg: R. Oldenbourg Verlag.
Zubieta, Jon-Kar, Bueller, Joshua A.,Jackson, Lisa R., Scott, David J., Xu, Yanjun, Koeppe, Robert A., Nichols, Thomas E. & Stohler, Christian S. (2005). Placebo Effects Mediated by Endogenous Opioid Activity on µ-Opioid Receptors.The Journal of Neuroscience, 25, 7754-7762.

3 Responses to “Placebo”
Bei Kindern wirken Placebos doppelt so gut wie bei Erwachsenen, haben französische Wissenschaftler in einer Studie festgestellt. Die Veröffentlichung ist auf engl. (http://medicine.plosjournals.org/perlserv/?
request=get-document&doi=10.1371/journal.pmed.0050166)
Gruß
Aglef
By Aglef on Feb 7, 2009
Französische Forscher haben bei Medikamententests festgestellt, dass die Placebowirkung bei Kindern weitaus größer ist, als bei Erwachsenen. Zwanzig Prozent der Kinder reagierten positiv auf Placebos. Da dieser Placebo-Effekt bei Kindern so stark ausgeprägt ist, hat es manches Medikament schwer, für Kinder zugelassen zu werden, denn schließlich müssen diese vor der Zulassung in Tests beweisen, dass sie besser wirken als Placebos.
Public Library of Science Medicine, Bd.5, S.e166, 2008.
By admin on Feb 7, 2009