Ausdruckspsychologie

Die Ausdruckspsychologie ist ein frühes Forschungsgebiet der Psychologie mit einer langen Tradition, das sich mit dem Ausdruck und der Äußerung seelischer Vorgänge befasst und früher eng mit der Diagnostik verbunden war. Die Ausdruckspsychologie beschäftigt sich mit der Mimik, Gestik, Pantomimik, Motorik, Physiognomik und Handschrift von Menschen.

Die Ausdruckspsychologie wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts u. a. von Karl Jaspers und Ludwig Klages begründet, geht aber auf systematische Beobachtungen noch aus dem 18. Jahrhundert zurück (Lavater) und galt auch noch Mitte des 20. Jahrhunderts als ein Fachbereich der Psychologie und widmete sich der Erforschung von Zusammenhängen zwischen den körperlichen Merkmalen einer Person und deren Gefühlen, Persönlichkeits- und Charaktereigenschaften. Dabei wurde sowohl das Ausdrucksverhalten (Mimik, Gestik, Motorik, Pantomimik, Physiognomik, Handschrift) untersucht, aber auch im Rahmen der Konstitutionspsychologie (Kretschmer) zu Merkmalen des Körperbaus oder körperlicher Ausprägungen zur Bestimmung von Persönlichkeitseigenschaften in Beziehung gesetzt.

Allerdings wurde die Ausdruckspsychologie schon früh als wissenschaftliche Disziplin in Frage gestellt, nachdem sich zeigte, dass mit wissenschaftlichen Methoden keine gesicherten Erkenntnisse über Zusammenhänge zwischen körperlichem Ausdruck und Persönlichkeit gewonnen werden konnten. In der medizinischen Psychologie hat sich die Ausdruckspsychologie allerdings weiter als brauchbar erwiesen, etwa bei der Diagnose der dissoziativen Identitätsstörung oder multiple Persönlichkeitsstörung. Bei der dissoziativen Identitätsstörung treten zwei oder mehr unterschiedliche Persönlichkeitszustände auf, die abwechselnd sichtbar sind und sich in getrennten Gedanken, Erinnerungen, Verhaltensweisen und Gefühlen äußern.




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