Metapher

1. Definition
„Die klassische Metaphorologie, […], betrachtet die Metapher im Grunde als ‚verkürzten Vergleich’ und hält sie für im Kern substituierbar. Von daher wird sie auch ,Vergleichs- bzw. Substitutionstheorie‘ genannt, […]“ (Wolf 1996, S.216).

2. Definition
„Der Begriff der Metapher (griech. „anderswohin tragen“) stammt ursprünglich aus der antiken Rhetorik, in der er zusammen mit Metonymie (griech. „Umbenennung“) und Synekdoche (griech. „Mitversteher“) die ‚Tropen’ bildet“ (Kufner 2004, S. 56).

3. Definition
„Die Metapher ist besonderes Kennzeichen schöpferischer Phantasie, sie kann für den Grad der Versinnlichung und der Vergeistigung einer Aussage bedeutsam sein“ (Brockhaus 1991, S. 521).

4. Definition
„Insbesondere der Begriff der lernenden Organisation lässt sich rational nur schwer erfassen, weshalb diese Forderung als Metapher [Hervorhebung durch den Autor] angesehen werden kann. Um die Realisierung einer Metapher zu ermöglichen, bedarf es geeigneter Instrumente und Rahmenbedingungen“ (Christl 2003, S. 2).

5. Definition
Baldauf meint, dass eine Metapher rein dem ästhetischen Zwecken diene und auf literale Bedeutung reduzierbar sei (vgl. Baldauf 1997, S. 14).

Psychologische Wirkung von Metaphern am Beispiel Händewaschen

Metaphern entfalten ihre Wirkung oft, ohne dass es den Menschen bewusst wird. Menschen denken bei abstrakten Themen häufig in Metaphern, haben etwa schmutzige Gedanken oder ein reines Herz. Das wurde in einem Experiment von Xu, Zwick & Schwarz (2011) nachgewiesen: Die TeilnehmerInnen spielten um Geld, das sie gewinnen oder verlieren konnten, wobei nach zwei Durchgängen der Ablauf für einen vorgeblichen „Produkttest“ unterbrochen wurde. Die ProbandInnen sollten eine biologische Seife beurteilen, wobei einige nur das Äußere und den Geruch bewerten durften, andere durften sich damit auch ihre Hände waschen. In der Regel neigen Menschen mit einer Glückssträhne dazu, beim Spielen immer höhere Summen einzusetzen, was auch in einem auf das Seifentest folgenden Spiel der Fall war. Diejenigen, die in den ersten beiden Durchgängen gewonnen hatten, setzten im dritten Durchgang rund doppelt so viel Geld ein wie TeilnehmerInnen, die zuvor nur verloren hatten. Wenn sie sich aber zwischenzeitlich die Hände gewaschen hatten, war ihr Einsatz deutlich niedriger, denn mit dem Händewaschen hatten sie irgendwie das Vertrauen in ihr Glück verloren. Anders war es bei VerliererInnen, denn wenn sie die Seife ausprobiert hatten, anstatt sich nur die Informationen auf der Verpackung zu studieren, wagten sie im dritten Durchlauf viel höhere Einsätze. Sie glaubten offensichtlich unbewusst, das Pech, das an ihren Fingern klebte, weggewaschen zu haben.

Auch in einer Untersuchung von Kaspar (2013) zeigte sich, dass Händewaschen offenbar optimistisch macht. Er unterteilte seine Probanden in drei Gruppen, wobei in einem ersten Durchlauf zwei Gruppen eine unlösbare Aufgabe bewältigen sollten. Die Kontrollgruppe nahm weder am Test noch am Händewaschen teil. Sowohl die Gruppe, die sich nach dem Misserfolg die Hände wusch, als auch jene, die sich die Hände nicht wusch, zeigte sich optimistisch, im zweiten Testdurchlauf besser abzuschneiden, wobei der Optimismus in der Gruppe der Händewaschenden aber deutlich größer war. Die Händewaschenden erbrachten in dem darauffolgenden Test aber schlechtere Leistungen als jene, die sich die Hände nicht wuschen. Die Leistung der Händewaschenden lag dabei auf dem Niveau der Kontrollgruppe. Man vermutet, dass die körperliche Reinigung die mit Misserfolg einhergehenden negativen Gefühle zwar beseitigt, gleichzeitig jedoch die Motivation senkt, sich in einer erneuten Testsituation stärker anzustrengen. Demnach scheint körperliche Reinigung dazu zu führen, mit Misserfolgen einfach abzuschließen.

Literatur
Baldauf, C. (1997). Metapher und Kognition – Grundlagen einer neuen Theorie der Alltagsmetapher. Frankfurt am Main: Lang.
Christl, T. (2003). Wissensmanagement als Instrument der Metapher Lernende Organistaion. Linz: Institut für inernationale Managementstudien.
Kaspar, K. (2013). Washing One’s Hands After Failure Enhances Optimism but Hampers Future Performance. Social Psychological and Personality Science, 4, 69-73.
Kufner, C. (2004). Metaphern in der Organisationskultur am Beispiel der Wiener Symphoniker. Linz: Institut für Unternehmungsführung.
Metapher (1991). Brockhaus Enzyklopädie. Mannheim: Brockhaus GmbH.
Wolf, S. (1996). Metapher und Kognition. In H.-J. Schneider (Hrsg.), Metapher, Kognition, künstliche Intelligenz (S. 199-232). München: Fink Verlag.
Xu, A. J., Zwick, R., & Schwarz, N. (2011). Washing Away Your (Good or Bad) Luck: Physical Cleansing Affects Risk-Taking Behavior. Journal of Experimental Psychology: General. Advance online publication. doi: 10.1037/

 

 





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