Entwicklungsdiagnostik

Bei der Entwicklungsdiagnostik geht es um die Bestimmung des Entwicklungsstandes eines Kindes im Vergleich zu einer Bezugsgruppe. Der Entwicklungsstand kann für die Gesamtentwicklung sowie für die Entwicklung in einzelnen Entwicklungsbereichen bestimmt werden. Die Entwicklungsdiagnostik überprüft dabei mit Hilfe spezifischer Methoden und Tests den motorischen, geistigen und psychischen Entwicklungsstand vor allem von Kleinkindern, um mögliche Defizite früh ausfindig zu machen und diese durch entsprechende therapeutische Maßnahmen zu beheben. Historisch betrachtet war die zentrale Zielsetzung der Entwicklungsdiagnostik im ausgehenden 19. und frühen 20. Jahrhundert die Identifikation von Risikokindern meist erst vor der Einschulung, richtete aber in den letzten Jahrzehnten ihren Fokus zunehmend auch auf das Säuglings- und Kleinkindalter.

Entwicklungsdiagnostik meint in einem weiteren Sinn eine entwicklungsorientierte Diagnostik mit dem Ziel, lebenslaufbezogene Veränderungen psychologischer Phänomene zu identifizieren und zu beschreiben, im engeren Sinn bezieht sie sich auf spezielle psychologische und pädatrische Testverfahren, mit denen entwicklungbezogene Leistungsdaten erhoben werden können. Moderne Entwicklungstests erstellen meist ein Entwicklungsprofil, um Defizite und Ressourcen verschiedener Bereiche wie Motorik, kognitive Entwicklung, Sprache oder emotionale Entwicklung differenziert darzustellen. Dabei ist das Ausmaß von Schwankungen im Entwicklungstempo über die Angabe von Entwicklungsrückständen oder Entwicklungsvorsprüngen möglich.  Standardwerte wie Entwicklungsquotienten orientieren sich an der Werteverteilung einer Normenstichprobe und berücksichtigen statistische Zusammenhänge von Verteilungen. Solche Entwicklungstests liefern Ansatzpunkte für die Erstellung von Entwicklungsprognosen, wobei je nach spezifischer Testleistung und je nach individuellem Profil die prognostische Qualität von Entwicklungstests unterschiedlich zu bewerten ist.

In der Entwicklungsdiagnostik werden in der Regel neben entwicklungsbezogen Leistungsdaten auch Merkmale aus dem psychosozialen Kontext berücksichtigt. Einen Zugang hierzu besteht hier etwa in der Erfassung von Risiken aus der Schwangerschaftszeit oder dem Geburtsverlauf, es werden aber auch Verhaltens- und Temperamentsmerkmale und andere Bedingungen im ökologischen Kontext, etwa Merkmale des familiär-häuslichen sowie des erweiterten sozialen Umfeldes erhoben.

Literatur
Macha, T. & Petermann, F. (2006). Entwicklungsdiagnostik. In F. Petermann & M. Eid (Hrsg.), Handbuch der Psychologischen Diagnostik (S. 594-602). Göttingen: Hogrefe.
Petermann, F. & Macha, T. (2005). Entwicklungsdiagnostik. Kindheit und Entwicklung, 14, 131-139.
Petermann, F. & Macha, T. (2008). Entwicklungsdiagnostik. In F. Petermann & W. Schneider (Hrsg.), Enzyklopädie der Psychologie: Entwicklungspsychologie (S. 19-59). Göttingen: Hogrefe.




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