Hooliganismus

Anfang des 19. Jahrhundert wurden Rowdys, die auch viel Alkohol konsumierten, als Hooligans bezeichnet. Erst ab den 60er Jahren wurden erstmals gewaltbereite Fußballfans damit in Verbindung gebracht, anfangs nur in Großbritannien und später auch in Deutschland. Zu Beginn bezeichneten die Medien aggressive Fans als Hooligans. Mit der Zeit nannten sich die Betroffenen jedoch auch selbst so, da sie es als Art Ehrentitel ansahen, weil sie sich von den „normalen“ Fans mit Dressen und Schals abheben wollten. Sie bilden also eine gewaltbereite Subkultur ohne ideologische Basis. Die vorwiegend männlichen Hooligans, die meist um die 20 Jahre alt sind, reagieren aufgrund einer erhöhten Aggressionsbereitschaft in Zusammenhang mit anderen Faktoren, die sich aus einem bestimmten Ereignis herausbilden, bedürfnisstimulierend. Bei Fußballspielen kommt es häufig zu Ausschreitungen, die jedoch vermutlich nicht durch Kombination aus Alkohol und Gewalttätigkeit entstehen, sondern vielmehr vom Umfeld der Veranstaltung abhängen.

1. Definition
„Hooligan, in den USA, Großbritannien, der UdSSR (Chuligan) und in weiteren Ostblockländern Bez. für einen gewalttätigen, rohen Menschen, Rowdy, v. a. für Straßenlümmel und für den Halbstarken“ (Duden 1964, S. 278).

2. Definition
„Der situative Aktionismus findet bei den Hooligans seine spezifische Funktion zunächst darin, die Jugendlichen aus ihrer Alltagsexistenz – so vor allem dem als monoton und vielfach auch sinnlos erfahrenen Arbeitsalltag – gleichsam herauszukatapultieren. Es geht darum, die Alltagsexistenz zu negieren, sich ihr vorübergehend in möglichst umfassender Weise zu entziehen“ (Bohnsack, R. 1995, S. 25).

3. Definition
Hooligans liegen weder ethnische noch sonstige Säuberungsaktionen am Herzen, sondern primär zum einen Gelegenheiten zum Abbau von Aggressionen und zum anderen selbstbewusstseinsfördernde Vergleichskämpfe mit anderen Gruppierungen und Banden, um sich und den anderen zu beweisen, dass man „besser und schneller“ ist (vgl. Nowak 1994, S. 129).

4. Definition
„Bei Hooligans finden sich deutlich gehäufte Probleme in der Herkunftsfamilie wie Brokenhome-Situationen, ungünstige Erziehungsstile sowie Alkoholmissbrauch und Arbeitslosigkeit der faktischen Väter. In der Schulzeit kommt es oft zu Leistungsproblemen, Schulschwänzen und dissozialem Verhalten. Obwohl die meisten Hooligans einen Schulabschluss erreichen und eine Lehre beginnen, setzt dann nicht selten eine absteigende soziale Entwicklung ein. Abgebrochene Lehren, längere Arbeitslosigkeit und Entwicklungen zum Gelegenheitsarbeiter sind hierfür Anzeichen, wobei allerdings auch ungünstige Arbeitsmarktbedingungen zu bedenken sind. Häufiger Alkohol- und Drogenmissbrauch, Eigentums- und Raubdelikte sowie häufige Verurteilungen auch ohne Bezug zu typischen Hooligan-Aktivitäten sind weitere Belege dafür, dass unsere Hooligans keine Doppel-Existenz zeigen, sondern einen Lebensstil, wie er dem schwer delinquenter jungen Männer entspricht“ (Lösel, F. 2001, S. 149f).

5. Definition
„Viele Jahre haben sie ihre Identität über den Fußball und den Verein definiert, und tun dies auch noch heute. So verstehen sich viele Hooligans als die besonderen Fans, die Elite, die sich eben mit allen Mitteln für ihren Verein einsetzen“ (Weigelt, I. 2004, S. 69).



Literatur

Bohnsack, R. (1995). Die Suche nach Gemeinsamkeit und die Gewalt der Gruppe.
Lösel, F. (2001). Hooliganismus in Deutschland. Schweinfurt.
Novak, M. (1994). Hooligans und Skinheads. Wien: Verlag Österreichische V.-G.
Oerter, Rolf & Montada, Leo (Hrsg.) (2002). Entwicklungspsychologie. Weinheim: Beltz.
Ohne Autor. (1964). Duden. Mannheim: Lexikonverlag.
Weigelt, I. (2004). Die Subkultur der Hooligans. Marburg.



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  1. One Response to “Hooliganismus”

  2. Daaanke danke danke
    x’D
    ich such schon seid einer woche nach einer vernünftigen Definition für meine Facharbeit und hab endlich eine gefunden =)
    dankesehr

    By ninä on Dez 10, 2009

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