Interferenz
1. Definition
Überlagern sich zwei physische Prozesse so stören diese sich gegenseitig und haben somit eine negative Beeinflussung auf unser Gedächtnis. Bei der proaktiven Interferenz hemmt ein früherer Lernprozess einen späteren und bei der retroaktiven Interferenz wird der ursprüngliche Lernprozess von dem neu erlernten Stoff gestört (vgl. Städtler 2003, S. 504).
2. Definition
Interferenz, lateinisch zu interferieren = überlagern. Interferenz ist die Erscheinung, dass ein psychischer Prozess durch einen gleichzeitigen anderen Prozess gehemmt oder gelöscht werden kann. Physikalisch wird ein Wellenvorgang durch einen anderen überlagert oder gelöscht (vgl. Hehlmann 1965, S. 250).
3. Definition
Alte und neue Gedächtnisinhalte werden unter Kategorien und Oberbegriffe in unserem Gedächtnis gespeichert. Lernen wir nun etwas neues, so kann es sein, dass gewisse Ordnungsmerkmale durch etwas altes „besetzt“ sind, was die Aufnahme von einem neuen Stoff oder Material erschwert, dies bezeichnet mal als proaktive Hemmung. Wird das Zugreifen auf früher erlernter Materialien durch neu aufgenommene Materialien erschwert, so spricht man von retroaktiver Hemmung (vgl. Tewes & Wildgrube 1992, S. 166).
4. Definition
„In psychologischer, übertragener Bedeutung Bezeichnung für die Beeinflussung (Hemmung) eines Lernstoffes durch einen in zeitlicher Nähe gelernten weiteren (→ Hemmung, proaktive; retroaktive)“ (Drever & Fröhlich 1968, S. 123).
5. Definition
Wenn wir Radio hören, kann es vorkommen, dass unser Sender gestört wird, das geschieht auf Grund von Interferenzen oder sogenannten Überlagerungen von Wellen. Das Abrufen von Informationen aus unserem Gedächtnis wird ebenso von den Interferenzen negativ beeinflusst. Ein Freund zieht um und wir versuchen uns seine neue Telefonnummer zu merken, was uns schwierig fällt, da wir noch die „alte Telefonnummer“ mit unserem Freund assoziieren. Dies bezeichnet man als retroaktiver Interferenz, also einer Störung von neu Gelerntem auf schon zuvor Gelerntem. Wenn wir zwei Jahre lang einen Parkplatz in einer Tiefgarage hatten und heuer einen neuen Parkplatz zugewiesen bekommen, so fällt es uns zu Beginn schwer unseren neuen Parkplatz mit „meinem Parkplatz“ zu assoziieren. Das bezeichnet man als proaktive Interferenz, hier stört eine alte Information eine neu erhaltene Information (vgl. Smith, Fredrickson, Nolen – Hoeksema & Loftus 2007, S. 398).
Verwendete Literatur
Drever, J. & Fröhlich, W. (1968). Wörterbuch zur Psychologie. München: Deutsher Taschenbuch Verlag.
Hehlmann, W. (1965). Wörterbuch der Psychologie. Stuttgart: Alfred Kröner Verlag.
Smith, E., Fredrickson, B., Nolen-Hoeksema, S. & Loftus, G. (2007). Atkinsons und Hilgards Einführung in die Psychologie. Heidelberg: Spektrum Akademischer Verlag.
Städtler, T. (2003). Lexikon der Psychologie. Stuttgart: Alfred Kröner Verlag.
Wildgrube, T. (1992). Psychologie Lexikon. München/Wien: R. Oldenbourg Verlag.
