Interferenz

Als Interferenzen bezeichnet man in der Gedächtnispsychologie verschiedene Formen der Gedächtnishemmung, vorzugsweise die retroaktive und die proaktive Hemmung. Bei der retroaktiven Hemmung wird das Lernen und Behalten von zuvor gelerntem Stoff durch nachfolgendes Lernen behindert. Bei der proaktiven Hemmung behindert ein vorausgegangener Lernprozess den nachfolgenden.

Definitionen
Überlagern sich zwei physische Prozesse so stören diese sich gegenseitig und haben somit eine negative Beeinflussung auf unser Gedächtnis. Bei der proaktiven Interferenz hemmt ein früherer Lernprozess einen späteren und bei der retroaktiven Interferenz wird der ursprüngliche Lernprozess von dem neu erlernten Stoff gestört (vgl. Städtler 2003, S. 504).
Interferenz, lateinisch zu interferieren = überlagern. Interferenz ist die Erscheinung, dass ein psychischer Prozess durch einen gleichzeitigen anderen Prozess gehemmt oder gelöscht werden kann. Physikalisch wird ein Wellenvorgang durch einen anderen überlagert oder gelöscht (vgl. Hehlmann 1965, S. 250).
Alte und neue Gedächtnisinhalte werden unter Kategorien und Oberbegriffe in unserem Gedächtnis gespeichert. Lernen wir nun etwas neues, so kann es sein, dass gewisse Ordnungsmerkmale durch etwas altes „besetzt“ sind, was die Aufnahme von einem neuen Stoff oder Material erschwert, dies bezeichnet mal als proaktive Hemmung. Wird das Zugreifen auf früher erlernter Materialien durch neu aufgenommene Materialien erschwert, so spricht man von retroaktiver Hemmung (vgl. Tewes & Wildgrube 1992, S. 166).
„In psychologischer, übertragener Bedeutung Bezeichnung für die Beeinflussung (Hemmung) eines Lernstoffes durch einen in zeitlicher Nähe gelernten weiteren (→ Hemmung, proaktive; retroaktive)“ (Drever & Fröhlich 1968, S. 123).

Literatur
Drever, J. & Fröhlich, W. (1968). Wörterbuch zur Psychologie. München: Deutsher Taschenbuch Verlag.
Hehlmann, W. (1965). Wörterbuch der Psychologie. Stuttgart: Alfred Kröner Verlag.
Smith, E., Fredrickson, B., Nolen-Hoeksema, S. & Loftus, G. (2007). Atkinsons und Hilgards Einführung in die Psychologie. Heidelberg: Spektrum Akademischer Verlag.
Städtler, T. (2003). Lexikon der Psychologie. Stuttgart: Alfred Kröner Verlag.
Wildgrube, T. (1992). Psychologie Lexikon. München/Wien: R. Oldenbourg Verlag.



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  1. 2 Responses to “Interferenz”

  2. Die genannten Beispiele zu proaktiver und retroaktiver Interferenz beschreiben eigentlich beide die proaktive.

    By Badam on Jun 28, 2013

  3. @ Badam: Danke für den Hinweis. Ich habe die irreführende Definition und das Beispiel von Smith, Fredrickson, Nolen-Hoeksema & Loftus (2007, S. 398) entfernt. Bei diesem Beispiel fehlte auch die Nähe der beiden Lernprozesse, die sowohl bei proaktiver als auch reaktiver Hemmung gegeben sein muss. Das Beispiel mit der Telefonnummer und das mit dem Parkplatz sind eigentlich Assoziationshemmungen, wenn durch langen Gebrauch fixierte Gedächtnisinhalte nicht so ohne weiteres „überschrieben“ werden können.

    By admin on Jun 28, 2013

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