Kongruenz

1. Definition
„kongruent [lat. >übereinstimmendentsprechend

2. Definition
„Begriff aus der ->Gesprächstherapie, der den Grad der Übereinstimmung zwischen Struktur des ->Selbst und den Erfahrungen beschreibt“ (Tewes & Wildgrube, 1992, S. 188).

3. Definition
Die Kongruenztheorie nach Holland besagt, dass Personen bei ihrer Berufswahl Berufe aussuchen, die mit ihrer Persönlichkeit kongruent sind. Sie übernehmen entsprechende berufliche Rollen, um ihre Fertigkeiten und Fähigkeiten einzusetzen und um ihre Einstellungen und Werte auszudrücken. Holland klassifiziert die Menschen in realistische, intellektuelle, soziale, konventionelle, unternehmerische und künstlerische (vgl. Seifert, 1988, S. 191).

4. Definition
Die Kongruenztheorie ist für die Berufsberatungsrelevanz bedeutend. Berufliche Interessen, Fähigkeiten und Einstellungen von Personen müssen bei der Berufsorientierung beachtet werden. Es sollte eine Person-Umwelt-Kongruenz vorliegen. In unseren Kulturkreis gibt es sechs grundlegende Persönlichkeitstypen: praktisch-technisch, intellektuell-forschend, künstlerisch-sprachlich, sozial, unternehmerisch und konventionell (vgl. Bergmann & Eder, 2001, S. 52).

5. Definition
„Manchmal werden Sie auch intellektuelle Gespräche führen, Vorträge abhalten, etwas erklären oder Anweisungen geben, wobei exakter verbaler Ausdruck wichtig ist. Kongruentes Verhalten in diesem Bereich bedeutet, daß Sie, während Sie etwas erklären, ungehindert ihre Gefühle zeigen können und sich frei zu bewegen vermögen. Sie reagieren dann nicht wie eine Maschine“ (Satir, 1996, S.132).

6. Definition
„Je stärker die Kongruenz, desto größer die Ausstrahlung und die Überzeugungskraft einer Persönlichkeit“ (Besser-Siegmund & Siegmund, 1993, S. 164).

Kongruenz bei Carl Rogers in der personenzentrierten Gesprächsthe­rapie

Unter diesem Begriff versteht Carl Rogers Echtheit, Unverfälschtheit, oder/und Transparenz seitens des Therapeuten. Hiermit macht Rogers klar, dass es dem Klienten in einer Beziehung nur möglich ist zu wachsen, wenn ihm der Therapeut so gegenübertritt, wie er wirklich ist. Das heißt, er ist in dieser Beziehung, in diesem Moment selbst auch Mensch, kann also auch über seine Gefühle und Einstellungen offen reden und stellt sich nicht als je­manden dar, der etwa nur aufgrund seiner Profession in der Hierarchie weiter oben ange­siedelt ist als der Klient. Der Therapeut muss und darf sich also nicht hinter Fassaden, Rollen und Floskeln verstecken, sondern muss sich in die Situation gerade auch emotional einbrin­gen können und eine unmittelbare, echte Beziehung von Person zu Person eingehen. Da­bei darf er sich selbst als Person nicht verleugnen, darf keine Abwehrhaltungen ein­nehmen und vor allem muss er sich als Helfer seines Gegen­übers verstehen, der aus dieser Beziehung ebenfalls gestärkt und mit neuen Lerner­fahrungen hervorgehen kann. Diese Transparenz ermöglicht das Vertrauen des Kli­enten, der sich so sei­nem Ge­genüber öffnen kann, um sich so mit dessen Unterstützung und Hilfe zu erfor­schen.

Inkongruenz hingegen, würde dem Klienten sofort auffallen. Tonfall, Mimik, Gestik, also Signale auf verbaler und nonverbaler Ebene würden dem Klienten sofort auffal­len und er würde sich nicht verstanden fühlen und sich demzufolge verschließen. Dies alles setzt natürlich ein starke Persönlichkeit des Helfenden voraus und auch Rogers weiß, dass dies nicht immer einfach ist. Entscheidend für diese Einstellung – nicht Technik – ist al­so allein die menschliche Substanz des Therapeuten. Er muss sich in dieser Beziehung selbst erleben, wahrnehmen und einbringen können. Es besteht also eine genaue Übereinstimmung oder Kongruenz zwischen dem körperlichen Empfinden, dem Gewahrsein und den Äußerungen gegenüber dem Klien­ten.

Kongruente Kommunikation mit Hunden

Andics et al. (2016) haben gezeigt, dass auch Hunde ähnlich wie Menschen separat verarbeiten, wie und was ihnen gesagt wird. Hunde nehmen nämlich Lob nur dann als solches auf, wenn die Wörter sowie der Tonfall lobend sind. In einer Untersuchung hat man die Gehirnaktivitäten von Hunden gemessen, während die Tiere Tonaufnahmen ihrer Trainerin hörten. Den Hunden wurden verschiedene Versionen vorgespielt: lobende Worte mit lobender Intonation, lobende Worte mit neutraler Intonation und neutrale Worte mit lobender Intonation gehört. Dabei zeigte sich, dass das Gehirn eines Hundes ähnlich wie das eines Menschen Sprache verarbeitet: Die linke Gehirnhälfte sei primär für die Bedeutung von Worten zuständig, die rechte für den Tonfall. Zudem sei bei den Hunden das Belohnungszentrum nur aktiviert worden, wenn die Worte sowie die Intonation in der Stimme der Trainerin lobend waren.  Hunde können daher nicht nur auseinanderhalten, was man sagt und wie man es sagt, sondern sie können beides auch kombinieren, um die Worte korrekt zu interpretieren.

Literatur

Andics, A., Gábor, A., Gácsi, M., Faragó, T., Szabó, D. & Miklósi, Á. (2016). Neural mechanisms for lexical processing in dogs. Science, dos:10.1126/science.aaf3777.
Bergmann, C. & Eder F. (2001). Berufs- und Laufbahnberatung. In D. Rost (Hrsg.), Handwörterbuch Pädagogische Psychologie (S. 49-54). Weinheim: Verlagsgruppe Beltz.
Besser-Siegmund, C. & Siegmund, H. (1993). Coach Yourself. Persönlichkeitskultur für Führungskräfte. Düsseldorf: ECON Verlag.
Ohne Autor. (1997). Die Enzyklopädie. Band 12: KIR-LAGH. Leipzig: Verlag Mannheimer Morgen.
Satir, V. (1996). Kommunikation, Selbstwert, Kongruenz. Paderborn: Jungfermann Verlag.
Seifert, K. (1988). Berufswahl und Laufbahnentwicklung. In D. Frey, C. Graf Hoyos & D. Stahlberg (Hrsg.), Angewandte Psychologie. Ein Lehrbuch (S.188-204). München: Psychologie Verlags Union.
Tewes, U. & Wildgrube, K. (1992). Psychologie-Lexikon. München: R. Oldenbourg Verlag.
http://www.carlrogers.de/ (10-09-21)
Rogers, C. (1981). Der neue Mensch.
Quitmann, H. (1996).  Humanistische Psychologie.
Kirr, J. (1989). Grundkonzepte der Psychotherapie.





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