Barnum-Effekt
Der Barnum-Effekt oder Forer-Effekt bezeichnet die Neigung von Menschen, vage und allgemeingültige Aussagen über die eigene Person als zutreffende Beschreibung zu akzeptieren. Der Begriff wurde von Paul Meehl eingeführt und ist nach Phineas Taylor Barnum benannt, der ein riesiges Kuriositätenkabinett unterhielt, das für jeden Geschmack etwas bieten konnte („a little something for everybody“). Solche Barnum-Aussagen sind z.B. in Zeitungshoroskopen zu finden, wie auch später Michel Gauquelin bestätigte, indem er in einer Zeitschrift ganz persönliche Gratis-Horoskope mit individuellem Persönlichkeitsprofil annoncierte, aber in Wahrheit an alle ein und dasselbe Gutachten verschickte. In dem beigefügten Fragebogen sollten die Horoskopierten nun beantworten, wie gut von diesem Profil ihre Persönlichkeit getroffen sei. Über 90 Prozent waren begeistert von der Analyse, wobei als Grundlage für die astrologische Prophezeihung die Persönlichkeit des französischen Serienmörders Marcel Petiots verwendet wurde.
Was schwarz auf weiß voliegt, wird geglaubt
Die Pädagogische Psychologie ist eine Wissenschaft, die sich überwiegend Common-Sense-Verallgemeinerungen über die menschliche Natur zu eigen macht, wobei solche zum Teil sehr begrenzten und unsystematischen Verallgemeinerungen das alltäglich gebrauchte Handwerkszeug von Laien sind. Solche Verallgemeinerungen auf der Basis des gesunden Menschenverstandes müssen aber sorgfältig empirisch belegt werden, denn sie können im völligen Gegensatz zu dem stehen, was Forscher tatsächlich herausgefunden haben. In einer Studie legte man Studienanfängern die Ergebnisse von sozialwissenschaftlichen Untersuchungen vor, von denen die Hälfte jeweils falsch war. Einer zweiten Gruppe von Probanden wurden die gegenteiligen Aussagen vorgelegt. Aufgabe war es, anzugeben, ob sie das Ergebnis vorhergesehen hätten und es ihnen plausibel erscheint. Es zeigte sich, dass in beiden Gruppen den meisten Aussagen zugestimmt wurde, was beweist, dass ein Ergebnis, das schwarz auf weiß vorliegt, als selbstverständlich angesehen wird, wobei es offensichtlich keine Rolle spielt, welches Ergebnis vorgelegt wurde.
Pseudo-Persönlichkeitstests im Internet arbeiten mit dem Barnum-Effekt
Mit dem Barnum-Effekt operieren auch Anbieter von angeblich wissenschaftlich überprüften Persönlichkeitstests, die im Internet beworben werden. Dabei wurden “die Theorien von Abraham Maslow, Raymond Catell, Alfred Adler, Karl Jung, Erik Erikson und Jean Piaget analysiert und in einem 5-stufigen Analyseverfahren zusammengefasst”, was schon von der Rechtschreibung (Carl Gustav Jung, Raymond Bernard Cattell) her falsch ist, aber auch theoretisch nicht zusammenpasst, da die genannten Wissenschaftler mit völlig inkompatiblen Menschenmodellen arbeiteten. Nichtsdestoweniger heißt es aber dort: “Das Analyseverfahren wurde von Wissenschaftlern und Persönlichkeitsexperten zertifiziert. 2003 wurde zur Validierung des Verfahrens eine Universitätserhebung mit 21.074 Teilnehmern durchgeführt. Zudem erfolgte eine Validierung der 32 Persönlichkeits-Dimensionen zur Bestimmung der Kompatibilität von Paaren. Die Teilnehmer bestätigten eine hohe Übereinstimmung der Ergebnisse des Persönlichkeitstests mit Ihrer eigenen Einschätzung zu sich selbst in allen 8 Hauptbereichen des Tests. Die Validierung erfolgte durch einen Vergleich der Testergebnisse mit den eigenen Angaben der Teilnehmer zu Interessen, Aktivitäten, Werten und Hobbies. Zusätzlich zeigte eine korrelative Analyse der Kompatibiliätsanalyse eine hohe Korrelation der Testergebnisse mit dem langfristigen Erfolg von Beziehungen, insbesondere in den Bereichen Vertrauen, Ehrlichkeit und Kommunikation.”
Natürlich kann man in diesem Fall nicht von einer Validierung sprechen – siehe dazu Gütekriterien für psychologische Tests

