Gender

Das Geschlecht ist ein biologisches Faktum. Ob jemand ein Knabe oder ein Mädchen, ein Mann oder eine Frau ist, lässt sich meist sehr genau aus den äußeren Geschlechtsorganen schließen (Scheide oder Penis), deren Beschaffenheit fast perfekt mit dem chromosomalen Geschlecht (XX oder XY) korreliert. Um das zu unterstreichen, wird im Englischen oft ein Unterschied zwischen »sex« (biologisches Geschlecht) und »gender« (Geschlechtsrolle, kulturell geprägtes Geschlecht) gemacht.

1. Definition
„Gender is the condition of being male, female or neuter. In a human context the distinction between gender and sex reflects usage of these terms. Sex usually refers to the biological aspects of maleness, femaleness, whereas gender implies the psychological, behavioural, social and cultural aspects of being male or female” (VandenBos 2007).

2. Definition
Das Geschlecht wird als soziale Kategorie gesehen und als Gegensatz zur biologischen Sicht. Es wird auf die Kultur der Zweigeschlechtlichkeit verwiesen. Die biologischen Kriterien werden eindeutig zugewiesen, jedoch können die Verhaltensweisen von Frauen und Männer im Gegensatz zu den biologischen Kriterien ganz anders sei. Der Blick wird auf den gesellschaftlichen Prozess des zur Frau- beziehungsweise zum Mann-Werdens gerichtet. (vgl. Glaser, Klika & Prengel 2004, S.175f).

3. Definition
„Geschlechtsidentität (gender identity) beginnt mit dem Wissen und dem Bewusstsein, ob bewusst oder unbewusst, dass man einem Geschlecht (sex) angehört und nicht dem anderen. Geschlechtsrolle (gender role) ist das äußerliche Verhalten, welches man in der Gesellschaft zeigt, die Rolle, die man spielt, insbesondere mit anderen Menschen“ (Stoller, 1968).

4. Definition
Simone de Beauvoir formulierte den Satz „man kommt nicht als Frau zur Welt, man wir es“. Das soll heißen, dass auch wieder Gender im Gegensatz zu Sex unterschieden werden muss und darum der Begriff 1972 von Ann Oakley eingeführt wurde im Gegensatz zu „sex“(vlg. Glaser, Klika&Prengel 2004, S. 350).

5. Definition
„Genderforschung beziehungsweise Geschlechterforschung setzt sich mit dem „sozialen“ Geschlecht auseinander. Grundlage der Definition des „sozialen“ Geschlechts ist die Theorie der sozialen Konstruktion von Geschlecht. (…) Das soziale und biologische Geschlecht müssen nicht zwangsläufig miteinander verbunden sein. (…) Soziologische Genderforschung untersuchte insbesondere die soziale Konstruktion von Geschlecht innerhalb von Sozialisationsprozessen“ (Arnold, Nolda &Nuissl2001, S.129).

Gender mainstreaming

Um die Gleichstellung von Frauen und Männern in einer Organisation zu realisieren, wird der Ansatz der Gleichstellung oder gender mainstreaming angewendet. Jedes Projekt, jede Massnahme muss danach so konzipiert werden, dass sowohl Frauen wie auch Männer gleichen Nutzen ziehen können und deren Gleichstellung gefördert wird. In Verbindung mit spezifischen Projekten zur Förderung von jungen Frauen ist gender mainstreaming eine Strategie, um Geschlechtergleichheit zu erreichen. Umsetzung von  gender mainstreaming:

  • Eine Organisation von der Wichtigkeit des Themas überzeugen, indem man mehrere Personen der Leitung  dafür sensibilisiert, Workshops zum Thema organisiert, Informationsmaterial (Bücher, Broschüren) zusammenstellt.
  • Die Situation anhand von der Kriterien Vertretung, Ressourcen, Realitäten und  Rechte mit Hilfe von Checklisten untersuchen.
  • Realisierbare Ziele setzen.
  • Konkrete Massnahmen treffen, diese zeitlich planen und kommunizieren.
  • Eine Person bestimmen, die für die Durchführung der Massnahmen verantwortlich ist.

Rubin et al. (1974) interviewten Eltern am Tag nach der Geburt ihres Kindes. Väter und Mütter schätzten ihr Kind wesentlich kleiner ein, wenn es ein Mädchen war, obwohl sich die Mädchen und Jungen weder in ihrer Größe noch in ihrem Gewicht unterschieden. Eltern verfügen über ein ausgeprägtes Geschlechtsstereotyp, ein kulturell geprägtes Meinungssystem über Eigenarten der beiden Geschlechter, das von früh an ihre Erwartungen prägt und dadurch ihre Wahrnehmung beeinflusst.

Gender marketing

Wissenschaftliche Studien haben gezeigt, dass sich Männer und Frauen auf unterschiedliche Weise von Werbung angesprochen fühlen und auch unterschiedliche Konsumwünsche haben. Um diese Tatsachen zu berücksichtigen, wird im gender marketing versucht, die unterschiedlichen Bedürfnisse, Interessen und Verhaltensweisen von Männern und Frauen in der Ausrichtung der Marketingaktivitäten eines Unternehmens explizit zu berücksichtigen.

Literatur
Arnold, R., Nolda, S. & Nuissl, E. (2001). Wörterbuch Erwachsenenpädagogik. Bad Heilbrunn: Julius Klinkhardt.
Checkliste der SAJV und andere Dokumente zum Gender mainstreaming http://www.sajv.ch/files/pdf/gleichstellung/sajv_checkliste_gendersensibles_projektma nagement.pdf
European Commission, Employment, Social Affairs and eual opportunities http://ec.europa.eu/social/main.jsp?catId=421&langId=en
Glaser, E., Klika, D. & Prengel A. (2004). Handbuch Gender und Erziehungswissenschaft. Bad Heilbrunn: Julius Kinkhardt.
Stoller, R. (1968). Sex and Gender. On the development of masculinity and femininity. New York: Science House.
Online im Internet: WWW: http://de.wikipedia.org/wiki/Robert_Stoller (08-10-24)
UNO, Office of the special adviser on gender issues and advancement of women http://www.un.org/womenwatch/osagi/gendermainstreaming.htm
VandenBos, G.R. (2007). APA dictionary of psychology. Washington DC: American Psychological Association.



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