Zeigarnik-Effekt

Der vonder russischen Psychologin Bluma Zeigarnik beschriebene Zeigarnik-Effekt beschreibt, dass unerledigte Handlungen besser in der Erinnerung des Menschen gespeichert werden als erledigte. Eine Grundlage bildet die Annahme Kurt Lewins, dass Intentionen gespannte Systeme darstellen, wobei die Spannung so lange erhalten bleibt, bis die zugehörige Intention erledigt ist.

„Er besagt, dass unvollendete Aufgaben im Gedächtnis besser behalten werden als vollendete. Der Legende nach stand am Anfang die Beobachtung, dass der Kellner eines Berliner Lokales komplizierte Bestellungen ohne schriftliche Hilfsmittel erledigen konnte, sich nach ihrer Erledigung aber an keine Einzelheiten mehr erinnerte“ (Franke & Kühlmann, 1990, S. 180).

„Unerledigte Aufgaben und Tätigkeiten haben in der Nachphase ihre Nachwirkung. Unerledigte Handlungen bleiben besser und länger im Gedächtnis haften als erledigte, werden somit leichter, wenn nicht gar spontan erinnert“ (Gottschaldt, Sander, Lersch & Thomae, 1965, S. 666).

„Bei einer unerledigten H. bleibt ein Bedürfnis, die begonnene H. zu Ende zu führen, das mit Abschluss der H. seine Befriedigung findet. Die Annahme, dass ein Quasibedürfnis bis zur Vollendung der H. und der Entspannung des Systems nachwirkt (Lewin 1926), prüft Zeigarnik (1927) an der Behandlung von unerledigter H. im Verhältnis zum Behalten von erledigten H.“ (Rombach, 1972, S. 186).

„Zeigarnik – Effekt, nach der Lewin-Schülerin B. Zeigarnik, die 1927 eine Untersuchung „Über das Behalten von erledigten und unerledigten Handlungen“ veröffentlichte, benanntes Phänomen. Danach werden unerledigte Handlungen besser behalten als erledigte. Als Ursache hierfür werden bedürfnisartige Spannungen, die im „dynamischen Gesamtfeld“ je nach Situation – z.B.: in der sich Vp befindet, wie, warum die Handlung unerledigt blieb – hervortreten“ (Arnold, Eyenck & Meili, 1972, S .795).

„Zeigarnik – Effekt (seltener: Ovsiankina – Effekt), von B. Zeigarnik (1927) u. auch von Ovsiankina (1928) analysiertes u. beschriebenes Phänomen u. Kzpt.: Unterbrochenen Handlungen ist eine Tendenz zur Wiederaufnahme und zum Abschließen zu Eigen“ (Städtler, 2003, S. 1246).

Literatur

Arnold, W., Eyenck, J. & Meili, R. (1972). Zeigarnik – Effekt. Lexikon der Psychologie. Freiburg im Breisgau: Verlag Herder KG.

Franke, J. & Kühlmann, T. M. (1990). Zeigarnik – Effekt. Psychologie für Wirtschaftswissenschaftler. Landskron/Lech: Verlag moderner Industrie AG & Co.

Gottschaldt, K., Lersch, Ph., Sander, F. & Thomae, J. (1965). Zeigarnik – Effekt. Handbuch der Psychologie in 12 Bänden. Allgemeine Psychologie. II Motivation. Göttingen: Verlag für Psychologie.

Rombach, H. (1972). Zeigarnik – Effekt. Lexikon der Psychologie Band 2. Freiburg im Breisgau: Verlag Herder KG.

Städtler, T. (2003). Zeigarnik – Effekt. Lexikon der Psychologie. Stuttgart: Alfred Körner Verlag.

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