transzendental

„Von Kant verwendete Bezeichnung für erkenntniskritisch (nicht mit transzendent zu verwechseln!). Die transzendentale Betrachtungsweise  ist nach Kant diejenige, welche sich nicht sowohl mit Gegenständen, sondern mit unserer Erkenntnisart von Gegenständen, sofern diese a priori möglich sein sollen, beschäftigt. In diesem Sinne spricht Kant von empirischer Realität und zugleich transzendentaler Realität von Raum und Zeit, womit er meint, dass Raum und Zeit empirisch betrachtet real, unter transzendentalem Blickwinkel gesehen, jedoch ideal sind. Kants erkenntnistheoretischer Standpunkt wird daher auch transzendentaler Idealismus, Transzendentalismus oder Transzendentalphilosophie genannt“ (Austeda, 1989, S. 371).

„von lat. transcendere, überschreiten: in der scholastischen Philosophie Bezeichnung für Bestimmungen des Seins, die jede kategoriale Bestimmung übersteigen und dem Seiendem als solchem zukommen (Transzendentalien). Bei Kant erfährt der Begriff eine Umdeutung. Er bestimmt den Begriff des Transtendentalen auf folgende Weise: Ich nenne alle Erkenntnis transzendental, die sich nicht so wohl mit Gegenständen, sondern mit unserer Erkenntnisart von Gegenständen, so fern diese a priori möglich ist, überhaupt beschäftigt. T. bedeutet nicht etwas, was die Grenzen möglicher Erfahrung übersteigt (transzendent), sondern was vor jeder Erfahrung als apriorische (a priori), im Subjekt bzw. Bewusstsein liegenden Bedingungen der Möglichkeit der Erfahrung und der Gegenstandserkenntnis gilt“ (Ulfig, 1993, S. 431).

Im Wörterbuch der philosophischen Begriffe ist auch von Transzendentalphilosophie die Rede. Sie ist das System aller Prinzipien der reinen Vernunft (vgl. Hoffmeister, 1993, S. 618).

Transzendental ist ein von Kant geprägter Terminus zur Bezeichnung von Reflexion über die Bedingungen, die den Gegenstandbezug der Erfahrungserkenntnis sichern, selbst aber nicht der Erfahrungserkenntnis zugänglich sind. Der Ausdruck spielt bereits in der scholastischen Philosophie eine Rolle, er erhält seine spezifisch terminologische Bedeutung jedoch erst im Rahmen der Kantischen Erkenntnistheorie (vgl. Mittelstraß, 1996, S. 332).

„1. in der scholastischen u. neuscholastischen Philosophie: die Grenzen der Gattungen u. Arten u. damit der univoken Bedeutung zur Analogie hin überschreitend; 2. bei Kant bezeichnet t. im Gegensatz zu transzendent nicht ein jenseits der Erkennbarkeit Liegendes, sondern dasjenige, was im reflektierenden Rückstieg in das Bewusstsein an Konstitutionsprinzipien desselben u. ineins damit als Bedingung der Möglichkeit von Gegenständen, Erfahrungen, Erkenntnis überhaupt aufgedeckt wird. So klärt eine t.e Erkenntnis nicht etwa über diese oder jene einzelne empirisch- gegenständliche Erkenntnis auf, sonder darüber, wie uns Gegenstandserkenntnis überhaupt möglich ist: insofern nämlich gewisse uns eigene Vorstellungsweisen a priori  die Gegenständlichkeit aller Gegenstände ausmachen“ (Halder & Müller, 1988, S. 319).

Literatur

Austeda, F. (1989). Transzendental. Lexikon der Philosophie. Wien: Verlag Brüder Hollinek.

Halder, A. & Müller, M. (1988). Transzendental. Philosophisches Wörterbuch. Freiburg: Verlag Herder.

Hoffmeister, J. (1993). Transzendental. Wörterbuch der philosophischen Begriffe. Hamburg: Verlag von Felix Meiner.

Mittelstraß, J. (1996). Transzendental. Enzyklopädie Philosophie und Wissenschaftstheorie, Band 4. Stuttgart: Verlag J. B. Metzler.

Ulfig, A. (1993). Transzendental. Lexikon der philosophischen Begriffe. Eltville am Rhein: Bechtermünz Verlag GmbH.





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