soziale Lerntheorie

Der Lernprozess beim Lernen am Modell in der sozial-kognitiven Lerntheorie nach Bandura läuft in vier Prozessen ab. Der Aufmerksamkeitsprozess besagt, dass Menschen das Verhalten anderer Personen beobachten, während es beim Behaltensprozess darum geht, das Beobachtete im Gedächtnis zu speichern. Der dritte Schritt – der motorische Reproduktionsprozess – behandelt nun die Umwandlung des Gesehenen und Gemerkten in angemessene Handlungen. Der motivationale Prozess behandelt die Thematik, dass nicht alles, was ein Mensch lernt, auch tatsächlich in die Tat umgesetzt wird. Eine Verhaltensweise kommt eher dann in das Repertoire des Beobachters, je mehr damit gerechnet wird, dass sich damit ein positives Ergebnis anstatt bestrafende Wirkung ergibt (vgl. Bandura, 1979, S. 31ff).

Im Gegensatz zu den klassischen Konditionierungstheorien versteht die sozial-kognitive Theorie das Lernen als einen aktiven, kognitiv gesteuerten Verarbeitungsprozess, bei dem kognitive, emotionale und motivationale Prozesse sowie soziale Bedingungen eine Rolle spielen und zusammenwirken. Während die Behavioristen erst dann auf Lernprozesse schließen, wenn ein neues oder verändertes Verhalten beobachtbar ist, verweist Bandura darauf, dass auch ohne eine beobachtbare Ausführung von Verhalten Lernprozesse stattgefunden haben können. Der Mensch ist in diesem Modell ein leistungsorientiertes Wesen, das die Fähigkeit zur Selbststeuerung besitzt, bei dem sich Verhalten, Persönlichkeit und Umwelt gegenseitig bedingen.

Nach Rotter hat die soziale Lerntheorie das Ziel, das Verhalten von Personen in komplexen sozialen Situationen zu erklären. Ziel ist die Vorhersage des Auftretens bereits erlernter Verhaltensweisen in unterschiedlichen sozialen Situationen (vgl. www.psychology48.com/deu/d/soziale-lerntheorie/soziale-lerntheorie.htm; 11-11-19).

Die soziale Lerntheorie kann sich mit zwei Aspekten der Sozialisation befassen. Einerseits mit dem Prozess selbst, der für sehr viele Personen unterschiedlicher Kulturen sehr ähnlich ein kann, andererseits mit dem Inhalt des sozialen Lernens. Beim Inhalt lassen sich große Unterschiede zwischen den Kulturen erkennen. Eine Verhaltensweise, die in einer Kultur akzeptiert ist, kann in einer anderen Kultur Empörung hervorrufen. Selbst in einer gemeinsamen Kultur kann sich eine unterschiedliche Betrachtungsweise ergeben. Verhalten kann von einem Individuum der gleichen Gesellschaft als anerkannt gelten, während dies umgekehrt nicht der Fall ist. Beispielsweise darf ein Vorgesetzter seinem Mitarbeiter in seinem Büro einen Drink anbieten, umgekehrt ist dies allerdings nicht erwünscht (vgl. Lefrancois, 1972, S. 176).

Die kognitive Lerntheorie befasst sich mit der inneren Repräsentation der Umwelt. Sie kann als Informationsaufnahme und –verarbeitung verstanden werden. Es handelt sich hier um einen Prozess, an dem Menschen aktiv beteiligt sind. Das Ergebnis dieser Art von Lernen sind Strukturen (vgl. Edelmann, 1993, S. 9).

Nach Bandura können Menschen ihr Verhalten oder ihre Einstellung vom bloßen Beobachten an einem Modell erlernen. Zu den Modellen zählen neben dem Menschen selbst auch Bücher, Fernsehen und ähnliches (vgl. Kühn, 2007, S. 8)

Literatur

Bandura, A. (1979). Sozial-kognitive Lerntheorie. Stuttgart: Verlagsgemeinschaft Ernst Klett.

Edelmann, W. (1993). Lernpsychologie. Weinheim: Psychologie Verlags Union.

Kühn, A. (2007). Albert Bandura und seine soziale Lerntheorie. Die Abkehr vom orthodoxen Behavioursimus. München: Grin Verlag.

Lefrancois, G.R. (1972). Psychologie des Lernens. Report von Kongor dem Androneaner. Berlin: Springer-Verlag.

Psychology48.com. (2011).  Das Psychologie – Lexikon. Soziale Lerntheorie. http://www.psychology48.com/deu/d/soziale-lerntheorie/soziale-lerntheorie.htm (11-11-19).




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