Leistungsmotivation

Hat eine Person bestimmte Erwartungen an ihre Lernleistung und misst sie diesen einen Wert bei, so wird von Leistungsmotivation gesprochen. Dementsprechend ist die Lernleistung von dem erwarteten Wert bzw. dem Nutzen der Handlung abhängig. Im Gegensatz zu intrinsischen Motivation stehen die zu erlernenden Inhalte im Hintergrund, denn im Vordergrund steht das Ziel, das damit erreicht werden soll, ganz im Sinne der extrinsischen Motivation. Es existiert folglich ein Gütemaßstab, an dem sich der Lernende messen kann. Die Lernmotivation entsteht dann einerseits durch die Hoffnung auf Erfolg (also Erreichen des Ziels) oder die Furcht davor, das Ziel nicht zu erreichen und somit zu scheitern. Letztlich handelt es sich der Leistungsmotivation um ein Leistungsbedürfnis, sich mit einem Gütemaßstab auseinander zu setzen. Dieser Gütemaßstab wird bestimmt durch das Setzen eigener Maßstäbe oder in der Auseinandersetzung mit anderen Menschen. Erfolgsorientierung und
Leistungsbereitschaft sind dabei die beiden zentralen Faktoren für Leistungsmotivation, umfasst also die inneren Beweggründe des menschlichen Handelns, ein persönlich oder sozial hoch bewertetes Ziel durch selbstgesteuertes Handeln und aus eigener Kraft zu erreichen. Für die Forschung sind dabei Themen  wie Wahlentscheidungen zwischen verschiedenen Schwierigkeitsgraden, das Anspruchsniveau verschiedener Menschen, ihre Ausdauer in Leistungssituationen, Leistungseffizienz und die Wirkung von Anstrengung auf die Leistung von Bedeutung.

Ein wesentlicher Bestandteil der Leistungsmotivation ist dabei der Zusammenhang zwischen Handlungsergebnis und dem eigenem Ich, denn erst wenn man die Ursachen für Erfolg und Misserfolg in der eigenen Person verorten kann, kann von Leistungsmotivation gesprochen werden. Zentral sind dabei die

  • Freude am Effekt
    Ein Kleinkind führt, zunächst zufällig, dann mehr und mehr absichtlich, Effekte herbei und erlebt das als lustvoll. Dieses Handeln bedarf keiner sozialen Verstärkung, sondern wirkt selbst lustbetont.
  • Eigenaktivität
    Aus der Freude am Effekt folgt bald der Wunsch etwas selber zu tun, denn ein Kind erkennt sich selbst als Urheber des Handlungseffekts und empfindet über diese selbsterzeugten Effekte Freude und Stolz.
  • Tüchtigkeits- und Schwierigkeitsklassen
    Freude am Effekt und am Selbermachen sind nicht von vornherein leistungsorientiert, daher ist es wichtig, zwischen schwierigen und leichteren Aufgaben sowie zwischen besser und schlechter zu unterscheiden. Für das Zustandekommen einer Leistung ist  wichtig, die Aufgabenschwierigkeit stets von der Tüchtigkeit zu unterscheiden und beide Ursachen miteinander zu kombinieren.

1. Definition
„Leistungsmotivation ist die situativ angeregte Tendenz, leistungsbezogenes Verhalten zu vollziehen oder zu unterlassen“ (Rombach, 1971, S. 87).

2. Definition
Im Wörterbuch für Erziehung wird die Aussage von Heckhauser angeführt und zwar besagt diese, dass Leistungsmotivation kurz als Selbstkräftigungssystem bezeichnet werden kann. Die gesammelten Erfahrungen der Schüler lassen beeinflussen ihre Leistungsmotivation dahingehend, ob sie erfolgs- oder misserfolgsorientiert sind (vgl. Köck & Ott 1994, S. 430).

3. Definition
Die Leistungsmotivation hängt davon ab, ob jemand ein Erfolgssucher und Misserfolgsvermeider ist. Dies hängt wiederum von den Eigenschaften Stolz und Scham über die eigene (Un-)Tüchtigkeit ab (vgl. Schröder 1992, S. 1073).

4. Definition
„Leistungsmotivation: ein hypothetischer Erklärungsbegriff für die individuell verschiedene, überdauernde Richtung und Stärke des Leistungsverhaltens. Bezeichnung für die Gesamtheit der habituellen und aktuellen Motive des Menschen, die ihn zur Ausführung solcher Handlungen veranlassen die ein ges. Bewertung unterliegen und folglich mehr oder minder gut gelingen können. Die Leistungsmotivation beeinflusst Ziele und Inhalte der Tätigkeit des Menschen sowie die Intensität seines Kräfteeinsatzes und hat maßgeblich Bedeutung für sein Leistungsverhalten in Belastungssituationen. Die Leistungsmotivation ist eine wichtige Voraussetzung für Erfolge in der beruflichen Tätigkeit und beim Lernen“ (Clauß, 1976, S. 308).

5. Definition
„Als leistungsmotiviert bezeichnet man ein Verhalten dann wenn es auf die Auseinandersetzung mit Gütemaßstäben gerichtet ist, wenn also eine Person versucht, einem subjektiv verbindlichen Mengen- oder Gütegrad zu erreichen oder zu überreffen. Leistungsmotivation wird dabei als hypothetisches Konstrukt gedacht, dass bestimmte Regelhaftigkeiten eines solchen Verhaltens erklären soll. Im Besonderen gilt es, inter- und intraindividuelle Unterschiede der Richtung, der Intensität und Ausdauer leistungsthematischen Handelns verständlich und vorhersagbar zu machen“ (Schiefele & Krapp, 1981, S. 227).

Literatur
Rombach, H. (1971). Lexikon der Pädagogik. Freiburg im Breisgau: Herder KG
Clauß, G. (1976). Wörterbuch der Psychologie. Köln: Pahl-Rugenstein Verlag.
Köck, P. & Ott, H. (1994). Wörterbuch für Erziehung und Unterricht. Donauwörth: Verlag Ludwig Auer.
Schröder, H. (1992). Grundwortschatz Erziehungswissenschaft. Ein Wörterbuch der Fachbegriffe von „Abbilddidaktik“ bis „Zielorientierung“. München: Ehrenwirth Verlag.
Schiefele, H. & Krapp, A. (1981). Handlexikon zur Pädagogischen Psychologie. München: Ehrenwirth Verlag.




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