Zwei-Faktoren-Theorie der Intelligenz

Spearman (2004) postulierte in der Zwei-Faktoren- Theorie der Intelligenz, dass jedes Maß für Intelligenz auf zwei Faktoren beruht. Ein erster eher allgemeiner Faktor „g“ repräsentiert eine Art „general intelligence“. Diesem g-Faktor wird eine Beteiligung an allen Intelligenzleistungen zugesprochen. Er könnte für so etwas wie eine zentrale mentale Energie stehen. Diese „general intelligence“ wird im Modell von Spearman ergänzt durch eine „specific intelligence“. Hierbei handelt es sich um eine unbestimmte Zahl spezifischer oder s-Faktoren. Sie repräsentieren die jeweilige Besonderheit spezieller Leistungen. In faktorenanalytischen Begriffen ausgedrückt, müssten alle Testaufgaben oder Intelligenztests miteinander korrelieren und diese Korrelationen müssten alle mit Hilfe eines Faktors erklärbar sein. Das unterschiedliche Ausmaß der Korrelationen charakterisiert dann die unterschiedlichen Beziehungen des Tests zum g-Faktor und würde auf die unterschiedlichen s-Faktoren zurückgeführt, die natürlich untereinander nicht korrelieren. Aufgrund dieser Vorstellung müsste es möglich sein verschiedene Intelligenztests, entsprechend ihrer höheren bzw. niedrigeren g-Anteile oder g-Ladungen, in eine hierarchische Ordnung zu bringen. Diese einfache und äußerst plausible Theorie bildete die Grundlage für die Konstruktion vieler Testverfahren, und liegt immer dann einer Testentwicklung zugrunde, wenn der Test aus einer Reihe unterschiedlicher Aufgaben oder Aufgabengruppen besteht, die getrennt bewertet, aber zusätzlich auch noch zu einem Gesamt-IQ zusammengefasst werden. Dieser Gesamt-IQ ist der Ausdruck für das vermutete Vorhandensein eines gemeinsamen g-Faktors. Als ein bekanntes Beispiel für ein solches Verfahren kann der Hamburg-Wechsler Intelligenztest für Kinder (HAWIK-R) angeführt werden. Allerdings gibt es innerhalb der s-Faktoren meist noch Überlappungsbereiche, sodass nach Abzug der auf das Konto des gemeinsamen g-Faktors gehenden Varianzen  immer noch weitere gemeinsame Varianzanteile übrig blieben, die auf weitere gemeinsame Faktoren hinwiesen. Diese bezeichnete man dann als Gruppenfaktoren und konstruierten daraus ein hierarchisches Intelligenzmodell. Auf der untersten Ebene befinden sich in diesem System die „specific factors“ (s-Faktoren), die nur einen Test oder eine einzige Aufgabengruppe kennzeichnen. Übergeordnete Zusammenhänge zwischen einer kleineren Gruppe von Tests werden „Minor group factors“ erklärt, deren Überlappungsbereiche wiederum auf „major group factors“ zurückgeführt werden. Die Verbindung aller Faktoren auf der Ebene höchster Allgemeinheit stellt weiterhin der „general factor“ (g-Faktor) dar.

Cattell, ein Schüler Spearmans, entwickelte ein weiteres Gruppenfaktorenmodell, das als eine Synthese aus der Zwei-Faktoren-Theorie und dem Modell mehrerer gemeinsamer Primärfaktoren angesehen werden kann. Er unterscheidet zwei g-Faktoren:

  • den General Fluid Ability Faktor (g f) oder „fluid intelligence“ und
  • den General Crystallized Ability Faktor (g c) oder „crystallized intelligence“

Literatur

Breitenbach, Erwin (o.J.). Theorien der Intelligenz.
WWW: http://www.uni-wuerzburg.de/sopaed1/breitenbach/intelligenz/intelliglie.htm (01-12-03)
Spearman, Charles (1904). „General intelligence,“ objectively determined and measured. American Journal of Psychology, 15, 201-293.
Stangl, Werner (1998). test: klassische intelligenzmodelle.
WWW: http://www.stangl-taller.at/TESTEXPERIMENT/testintelligenzmodelle.html (12-01-03)





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