Reaktionsbildung

Als Reaktionsbildung bezeichnet man in der Psychoanalyse jenen Abwehrmechanismus, bei dem das Ich inakzeptable Triebregungen unbewusst in ihr Gegenteil umwandelt. Manchmal bringen Menschen dabei Gefühle zum Ausdruck, die das Gegenteil der eigenen Angst erregenden unbewussten Gefühle sind.

Nach Freud werden bei der Raktionsbildung Triebe und Wünsche teilweise unbewusst für inakzeptabel gehalten und durch etwas ersetzt, das der ursprünglich beabsichtigten Reaktion diametral entgegengesetzt ist, jedoch ein sozial erwünschtes Verhaltensmuster darstellt. Dieses Verhalten wird wie alle Abwehrmechanismen ausgebildet, um Schuldgefühle und Angst, aber auch andere unlustvolle Erlebenszustände (Trauer/Verlassenheit, Wut, Scham, Schuld, Ekel) zu bewältigen.

So kann übertriebene Reinlichkeit eine Reaktionsbildung sein, bei der die täglich viele Stunden beanspruchende Beseitigung von Schmutz und Unrat eine Möglichkeit darstellt, seine wirklich vorhandene Schmutzlust zu befriedigen. Analog dazu ist es auch möglich, dass ein religiöser oder politischer ‚Sittenhüter‘, der überall gegen sexuelle Unsittlichkeit ankämpft, in diesem Tun eine Möglichkeit sieht, seine überstarken, aber verdrängten sexuellen Bedürfnisse ersatzweise zu befriedigen.

Quellen
Fellner, Richard L. (2004). Die Psychoanalyse Sigmund Freuds.
WWW: http://www.psychotherapiepraxis.at/artikel/psychoanalyse/psychoanalyse.phtml (11-03-21)
http://de.wikipedia.org/wiki/Reaktionsbildung (11-11-21)




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