Traum

Die Wachen haben eine gemeinsame Welt,
im Schlaf wendet sich jeder seiner eigenen zu.
Heraklit

Wer nach außen schaut, träumt.
Wer nach innen schaut, erwacht.
Carl Gustav Jung

Ein Traum bezeichnet in der Psychologie eine Abfolge von Bildern, Emotionen, Gedanken und Ereignissen, die sich im Geist eines Schläfers oder einer Schläferin abspielt. Bemerkenswert an Träumen sind die halluzinationsartigen Bilder, die Wandelbarkeit und Inkongruenz des Traumgeschehens sowie die beinahe wahnhafte Bereitschaft des Träumenden, das Traumgeschehen und den inhaltlich oft nicht nachvollziehbaren Zusammenhang des Erlebten zu akzeptieren. Dass Träume oft wirr, gefühlstief und bizarr erscheinen, hat damit zu tun, dass das Gehirn vermutlich aus Gründen der Erholungaus das kritische Bewusstsein ausschaltet, d. h., es werden Kontrollinstanzen, die auf Logik achten, im Schlaf abgestellt. Dafür werden Gehirnareale, die Gefühle produzieren, besonders aktiv. Während der Traumphasen wird das Hormon Vasotocin  in der Zirbeldrüse gebildet, das neben dem Schlafhormon Melatonin unverzichtbar für das Träumen ist.

Zwar ist bis heute wissenschaftlich nicht genau geklärt, welchen Sinn und Zweck das Träumen überhaupt hat, denn Wissenschaftler vertreten hier teilweise sehr konträre Standpunkte, wobei sich die Argumentationspalette dabei von „Es ist vollkommen sinnlos“ über „Wir brauchen den Traum, um unsere täglichen Erlebnisse zu verarbeiten“ bis hin zu „Wir träumen, um zu vergessen und unser Gedächtnis gewissermaßen auszumisten als eine Art Selbstreinigungsmechanismus des Gehirns“ spannt.

Einige Fakten zum Traum:

  • Schlaf und Traum sind  für die Gehirnreifung erforderlich, denn Neugeborene haben besonders viele Traumphasen.
  • Träume bestehen zu mehr als der Hälfte aus Bildern, zu einem Viertel aus akustischen Eindrücken, zu zwanzig Prozent aus Körperempfindungen und zu etwa 0,5 Prozent aus Gerüchen und Geschmacksempfindungen.
  • Männer träumen doppelt so oft von Männern als von Frauen, Frauen dagegen von beiden Geschlechtern etwa gleich häufig.
  • Frauen träumen häufiger von Ereignissen in der geshlossenen Räumen, Männer hingegen eher von Situationen im Freien.
  • Kinder träumen häufiger vom Fliegen und von Tieren als Erwachsene, haben aber auch häufiger Alpträume.
  • Blinde träumen genauso intensiv wie Sehende. Wer aber vor dem 5. Lebensjahr erblindet, träumt nicht in Bildern.
  • Geräusche, Gerüche, Lichteffekte, Temperaturänderungen wie etwa vorbei fahrende Autos, das Läuten eines Weckers oder der Duft von Kaffee können Einfluss auf Traumhandlungen nehmen.
  • Was kaum je in Träumen vorkommt: Rechnen, Schreiben oder Lesen.

Der Traum bei Föten und Neugeborenen

Bei Föten ähneln die Augenbewegungen, die Herzaktivität und das Bewegungsmuster ab etwa der 32. Schwangerschaftswoche denen von Kindern und Erwachsenen, außerdem haben Föten in den Wochen vor der Geburt immer längere Phasen, die entweder an Tiefschlaf oder an eine Art Wachzustand erinnern, wobei im dritten Trimester der Schwangerschaft Kinder zumindest äußerlich alle sichtbaren Zeichen des Traumschlafs zeigen, etwa Erektionen. Die Geburt ist in Bezug auf Schlaf dann nicht mehr besonders bedeutsam, denn aus neurologischer Sicht passiert bei der Geburt nichts von Interesse. Wenn man annimmt, dass Neugeborene träumen, gibt es keinen Grund, das nicht auch für einen Fötus in den Wochen vor der Geburt anzunehmen, wobei man vermutet, dass sie von ihren eigenen Sinneseindrücken träumen, etwa von Eindrücken wie hell oder dunkel, warm oder kalt. Im Mutterleib überwiegen bekanntlich dumpfe Geräusche, wie die Stimme der Mutter, Berührungen der Gebärmutterwand und der Nabelschnur, Emotionen, Körperempfindungen, Geschmack, d. h., wenn sie träumen, dann träumen sie vermutlich von diesen ersten Sinneseindrücken. Tief- und Traumschlafphasen werden dabei vom Hirnstamm kontrolliert, wobei es REM-OFF und REM-ON-Zellen gibt, die die Hirnrinde im REM-Schlaf auf eine Weise aktivieren, die Träume auslöst, gleichzeitig REM-ON-Zellen die Bewegungssignale an die Muskulatur blockieren, sodass Träume bekanntlich nicht ausagiert werden. Diese neuroanatomischen Verbindungen müssen vorhanden sein, damit die REM-ON-Zellen im Cortex eine Traumaktivität auslösen können, wobei vermutlich die dafür notwendigen Nervenbahnen und Gehirnareale bereits vor der Geburt aktiv sind. Die Verbindungen zwischen Thalamus und Cortex etwa wachsen ab der 24. Woche in den somatosensorischen, auditorischen, visuellen und frontalen Cortex ein, wobei spätestens ab der 30. Woche die Schmerzbahnen zum Cortex aktiv werden, sodass bei der Geburt etwa der visuelle Cortex längst genügend aktive Synapsen hat, um auf Sehreize zu reagieren. Daher spricht aus anatomischer Sicht nichts dagegen, dass Föten irgendwann nach der 32. Woche zu träumen beginnen. Allerdings kann man daraus nicht ableiten, dass Föten im REM-Schlaf in der gleichen Weise träumen wie Menschen. Möglicherweise erzeugt die REM-Aktivität aber im Fötus ein Protobewusstsein inklusive eines Protoselbst, das sich durch einen vom Gehirn erzeugten Raum bewegt und dabei auch starke Emotionen erfährt.


Brigitte Holzinger vom Institut für Traumforschung formuliert durchaus zutreffend, dass jeder Traum eine kleine Psychotherapie darstellt, die man jede Nacht macht, egal ob man sich die Inhalte merkt oder nicht.


Arbeitsblätter über Schlaf und Traum.


Literatur

Stangl, W. (2018). Funktion des Gehirns. [werner stangl]s arbeitsblätter.
WWW: http://arbeitsblaetter.stangl-taller.at/GEHIRN/GehirnFunktion.shtml (2018-05-23)
https://www.spektrum.de/news/was-traeumen-neugeborene-und-foeten/1566458 (2018-05-23)
http://derstandard.at/1350259384117/Traeume-Kino-im-Kopf  (12-10-26)



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