Widerstand

Als Widerstand bezeichnet man in der Psychoanalyse jenen Zustand, wenn mit Angst verbundene Gedächtnisinhalte vom Bewusstsein fern gehalten werden. Es handelt sich also nach Auffassung der Psychoanalyse um einen Zustand, der sich der Bewusstwerdung verdrängter und damit unbewusster psychischer Inhalte widersetzt.

Widerstand tritt insbesondere in der Therapie wiederholt auf, wodurch der therapeutischen Prozess unterbrochen werden kann, der jedoch gleichzeitig Ausgangspunkt für einen weiteren Therapieprozess bilden kann.


Widerstand im Gehirn sichtbar

Macht einem jemand Vorschriften und man fühlt sich dadurch in seiner Entscheidungsfreiheit eingeengt, reagieren manche Menschen mit Trotz und Widerstand. In einer Studie von Rudorf et al. (2018) trafen Probanden Entscheidungen, bei denen sie echtes Geld zwischen sich und einer anderen Person aufteilen konnten. Diese andere Person ließ dabei einer Testperson entweder die freie Wahl zwischen verschiedenen Aufteilungen oder aber machte ihr die Vorschrift, die unfairste Aufteilung nicht wählen zu dürfen. Während dieser Entscheidungen zeichnete ein Gehirnscanner die Gehirnaktivität der Testperson auf, um jene Prozesse messbar zu machen, die die Entscheidungen prägen, aber den Menschen selbst gar nicht bewusst sind. Die Testpersonen wurden zudem befragt, welche Gedanken und Gefühle sie während der Entscheidungen hatten. Wurde die Entscheidungsfreiheit der Probanden eingeschränkt, so dass sie die unfairste Aufteilung nicht wählen durften, reagierten viele von ihnen trotzig und wählten eine weniger großzügige Aufteilung, als wenn sie frei entscheiden konnten. Andere hingegen ließen sich durch die Vorschrift nicht beirren und waren trotzdem großzügig. Im Gehirnscan konnte man aus der Kommunikation zwischen Gehirnbereichen vorhersagen, wie stark sich eine Person gegen eine Einschränkung wehrte. Die Unterschiede im Trotzverhalten wurden insbesondere im parietalen Cortex und im Frontalcortex sichtbar, denn je stärker diese Areale während der Entscheidung kommunizierten, desto größer war das Trotzverhalten. Die Kommunikationsstärke der involvierten Gehirnbereiche spiegelte auch wider, wie sehr eine Testperson die Vorschrift als Zeichen des Misstrauens empfand und wie sehr diese Empfindung ihre Entscheidung beeinflusste.

Literatur

Rudorf, S., Schmelz, K., Baumgartner, T., Wiest, R., Fischbacher, U. & Knoch, D. (2018, in press). Neural mechanisms underlying individual differences in control-averse behavior. The Journal of Neuroscience, doi:10.1523/JNEUROSCI.0047-18.2018. http://www.unibe.ch/aktuell/medien/media_relations/medienmitteilungen/2018/medienmitteilungen_2018/der_drang_nach_entscheidungsfreiheit_ist_im_gehirn_messbar/index_ger.html (18-05-15)


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