Persönlichkeit

Als Persönlichkeit bezeichnet man in der Psychologie das für ein Individuum charakteristische Muster des Denkens, Fühlens und Handelns.

Es gibt laut derzeitigem Kenntnisstand der Gehirnstrukturen keine Kontrollinstanz, also ein Zentrum, in dem die Persönlichkeit oder das Ich sitzt, sondern die diesbezüglichen Funktionen sind über das ganze Gehirn verteilt. Dabei arbeiten mehr als einhundert komplex verschaltete Hirnareale ständig parallel, wobei zwischen manchen Hirnregionen bis zu sechzig Prozent der theoretisch möglichen Verbindungen realisiert sind, was eine unglaubliche Zahl an Querverknüpfungen bedeutet. Daher lassen sich bei komplexen Prozessen wie der Wahrnehmung keine eindeutigen Zentren finden, denn sieht ein Menschen etwa eine Katze, gibt es kein Zentrum im Hirn, in dem diese eindeutig identifiziert wird, sondern sie entsteht aus den verschiedenen, räumlich oft weit getrennnten Arealen, die einzelne Eindrücke verarbeiten, ein Muster neuronaler Aktivität, das dann als Katze interpretiert werden kann. Daher ergibt sich für die Gehirnfoschung das Problem, dass bei mehreren parallel zu verarbeitenden Eindrücken eine analytische Trennung äußerst problematisch wird, denn welche Prozesse zu einer bestimmten Wahrnehmung gehören, ist technisch praktisch nicht zu filtern. Das bezeichnet man als das Bindungsproblem, denn wie kann man mehrere Wahrnehmungen in den Schaltzuständen des Gehirns einigermaßen sicher auseinender halten. Die Lösung scheint in der zeitlichen Darstellung zu liegen, da Areale, die zusammengehörende Informationen bearbeiten, ihre elektrischen Impulse synchronisieren, denn alle Aktivitäten im Hirn haben eine zeitliche Struktur, die Netzwerke oszilieren mit ein bis 120 Hertz und können auch über größere über Entfernungen hinweg synchronisiert werden. Siehe dazu Donald Olding Hebbs Hypothese zum Bindungsproblem der Neurowissenschaften: Wie „weiß“ das Gehirn, dass gewisse repräsentierte Eigenschaften zu ein und dem selben Objekt gehören, d.h., wie werden Form, Farbe, Geruch usw., die ja in verschiedenen Hirnarealen bearbeitet werden, zusammengeführt? Die jüngste Hypothese lautet: Die Bindung von Neuronen-Verbänden wird dadurch erreicht, dass diese einfach gleichzeitig aktiv sind. Mit anderen Worten, ihre Erregungsmuster sollten synchron ablaufen. Solche Synchronisationen in den Gehirnen von Katzen und Affen konnten bereits nachgewiesen werden.

Das menschliche Gehirn ist also keine reine Reiz-Reaktionsmaschine, sondern es agiert als dezentrales, selbstorganisiertes System, das sich in der Zeit entfaltet, wobei das Hirn zeitlich sehr präzise organisiert ist. Persönlichkeit, Denken und andere kognitive Prozesse sind also zu jedem Zeitpunkt nur in den flüchtigen Zuständen zwischen den Neuronen realisiert.

Daher vermutet man etwa auch, dass es sich bei schizophrenen Erkrankungen um eine Störung der zeitlichen Synchronisation zwischen Gehirnarealen handelt.

Siehe dazu im Detail Arbeitsteilung des Gehirns: Erinnerungen sind überall.

Literatur
Singer, W (2002). Der Beobachter im Gehirn. Suhrkamp.




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