Routine

Was Du zwei Jahre lang gemacht hast,
betrachte es sorgfältig!
Wenn Du etwas fünf Jahre lang gemacht hast,
betrachte es misstrauisch!
Wenn Du etwas zehn Jahre lang gemacht hast,
mache es anders.
Mahatma Gandhi

 

Als Routine bezeichnet man in der Pädagogik und in der Psychologie eine Handlungsabfolge, die durch vielfältige Wiederholung zur Gewohnheit geworden ist. Wenn ein Mensch öfter mit vergleichbaren Situationen konfrontiert wird, können diese nach der Internalisierung oder Habitualisierung der zur Problemlösung notwendigen Handlungsabfolgen schneller und erfolgreicher bewältigt werden, wobei hinzukommt, dass Menschen durch Routinen eine größere Handlungssicherheit erreichen.

Jede Routine ist dabei im Gedächtnis verankert, aber auch im Lebensumfeld wie etwa in der eigenen Wohnung oder im Freundeskreis, die in diesen Situationen automatisch zur Verfügung steht. Ohne Routinen könnten Menschen ihren Alltag gar nicht bewältigen, wobei das Bewusstsein die täglichen Aufgaben gewissermaßen an kleine Agenten delegiert, die diese zielsicher und unbemerkt im Schatten des bewussten Denkens erledigen.

Wer aus persönlichen Routinen ausbrechen will oder muss, weil er z. B. durch ein besonderes Ereignis wie einen Verlust oder eine Notwendigkeit aus ihnen herausgerissen wird, sollte bedenken, dass Gewohnheiten nicht nur den Alltag beherrschen sondern auch einen nicht unwesentlichen Teil der Persönlichkeit darstellen. Wer aus Routinen ausbrechen will, trifft daher in seinem Innern auf Widerstand, wobei letztlich aber jede Veränderung zu neuen Routinen führt.

Routinen haben sich in einem jahre- oder jahrzehntelangen Lernprozess ins Gehirn eingebrannt, sodass sich etwas Neues anzugewöhnen letztlich nichts anderes bedeutet, als dieses neue Verhalten auch zu üben. Der erste Griff zur Zigarette ist noch eine bewusste, aktive Entscheidung, über die man vielleicht sofar nachdenkt, doch wer aber immer wieder in bestimmten Situationen raucht, etwa beim Kaffeetrinken, beim Glas Wein, nach dem Essen oder etwa nach einem stressigen Termin, signalisiert seinem Gehirn: „So machen wir das jetzt immer beim Kaffeetrinken, beim Weintrinken, nach dem Essen oder nach jedem Termin!“ Im Gehirn formen und festigen sich dann neue neuronale Netzwerke, die diese Verhaltensweise automatisch ablaufen lassen, wobei die auslösenden Reize wie Kaffee, Wein, der leere Teller nach dem Essen oder der absolvierte belastende Termin zu einer Art Auslöser werden, der im Kopf eine Kettenreaktion in Gang setzt, was in der Folge zu Griff nach der Zigarettenschachtel, nach dem Feuerzeug und schließlich zum Anzünden der Zigarette führt. Viele Süchte sind in Routinen eingebaut.

Vor allem ist das menschliche Gehirn darauf bedacht, möglichst wenig Energie zu verbrauchen, sodass es sich in problematischen Situationen häufig für gewohnte Lösungen oder Verhaltensformen entscheidet, da diese effizient und routiniert abgewickelt werden können. Diese Eigenschaft kann man sich übrigens dadurch zunutze machen, indem man etwa Sport, eine gesunde Ernährung oder einen guten Vorsatz zur Routine werden lässt, was zwar vor allem zu Beginn etwas an Zeit und Durchhaltevermögen bedarf, sich aber langfristig gesehen als förderlich erweisen kann.

Siehe dazu auch das Stichwort Gewohnheit und das Arbeitsblatt Gewohnheit.



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