Default Mode Network – DMN

Es gibt im Gehirn zwei neuronale Netzwerke, die eng aneinander gekoppelt sind und einzelne Gehirnregionen miteinander verbinden, wenn Menschen wach, aber in einem Ruhezustand sind. d.h., sie sind für verschiedene Aufmerksamkeitsprozesse zuständig. Das »Default Mode Network« (Ruhezustandsnetzwerk) unterstützt dabei die nach innen gerichtete Aufmerksamkeit wie Selbstreflexion und das »AntiCorrelated Network« hat die Verarbeitung von Außenreizen zur Aufgabe. Wenn das menschliche Gehirn in diesen vermeintlichen Ruhezustand fällt, beschäftigt es sich vorwiegend mit sich selbst. Wenn also das Gehirn Zeit und Kapazitäten hat, reflektiert es über sich selbst, es tauchen Erinnerungen auf oder Bewertungen erlebter Situationen werden erneut reflektiert, Haltungen und Standpunkte werden überprüft und festgelegt. Man vermutet, dass dieses “Gedanken-Schweifen lassen” wichtig für die Identitätsbildung und die Antwort auf Fragen wie “Wer bin ich?” “Was bin ich?” “Wie stehe ich zu einer Sache?” ist, d. h., durch diese Beschäftigung mit sich selbst gelingt es dem Gehirn, ein kontinuierliches Ich aufrecht zu erhalten, obwohl man sich eigentlich ständig verändert.

Auch wenn Menschen also an nichts denken und ihren Gedanken freien Lauf lassen oder tagträumen oder beim vermeintlichen Nichtstun bzw. Faulenzen – heutzutage sagt man dazu Chillen – , ist das Gehirn dennoch höchst aktiv, wobei dann oft nur halb formulierte Gedanken aufblitzen und wieder verschwinden. In dieser Zeit ist das menschliche Gehirn vor allem deshalb aktiv, weil es umsortiert, umkodiert, speichert, neu verbindet, um sich für die nächsten Aufgaben vorzubereiten. Bei genauer Betrachtung des Gehirns im Ruhezustand zeigt sich, dass es aber nicht überall gleich aktiv ist, sondern an bestimmten Stellen besonders, eben im „Ruhestandardnetzwerk“, einem ganzen System von Gehirnarealen. Wenn Menschen nichts tun, sind unter anderem der mediale temporo-parietale Cortex, der posteriore cinguläre Cortex sowie der mediale präfrontale Cortex aktiv.

Die Funktion dieses Netzwerkes spielt vermutlich bei vielen Störungen und Erkrankungen wie Autismus, Depression oder Alzheimer eine Rolle, auch wenn die Wissenschaft von einem vollen Verständnis des Ruhezustandsystems noch weit entfernt sind. Beide Netzwerke arbeiten eng, aber zeitversetzt zusammen, denn ist das eine besonders aktiv, sendet das andere weniger Signale und umgekehrt, wobei dieser abwechselnde Rhythmus zwischen Aktivitätszunahme und Aktivitätsabnahme etwa 20 bis 25 Sekunden beträgt. Die Aktivitäten dieser beiden Netzwerke verändern z.B. während der verschiedenen Schlafphasen ihr Zusammenspiel, denn das Ruhezustandsnetzwerk verliert je nach Schlafstadium einen Teil seiner Verknüpfungen.

Siehe dazu http://arbeitsblaetter.stangl-taller.at/SCHLAF/Schlafentzug.shtml (11-12-15)

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