Hypersexualiät

Als Hypersexualität wird in der klinischen Psychologie ein gesteigertes sexuelles Verlangen bzw. sexuell motiviertes Handeln bezeichnet, das unterschiedliche Ursachen haben kann. Früher wurde Hypersexualität häufig auch als Satyriasis, Donjuanismus des Mannes oder Nymphomanie der Frau bezeichnet, doch wird dieser heute abgelehnt, da eine Quantifizierung von sexuellen Motivationen oder Handlungsweisen als Grundlage für eine Normierung des Verhaltens im Bereich der Sexualität nicht herangezogen werden sollte.

Hypersexualiät, heute manchmal auch als Sexsucht bezeichnet, ist eine ernstzunehmende psychische Störung, bei der die Betroffenen die Kontrolle über ihre Sexualität verlieren. Es gibt drei typische Symptome: Die Personen befriedigen sich häufig selbst, konsumieren bis zu mehrere Stunden am Tag Pornografie und wechseln häufig ihre Partner. Die Hypersexualität hat insofern Merkmale einer klassischen Sucht, da die Betroffenen ihr Sexualverhalten nicht mehr steuern können, darüber ihre übrigen Interessen vernachlässigen, und ihr Alltag bzw. deer Bereich des Sozialen, insbesondere eine Partnerschaft leiden unter diesem Zwang. Betroffen sind zum überwiegenden Teil Männer, wobei Schätzungen zwischen achtzig und 95 Prozent liegen. Sexsucht tritt unabhängig von der sexuellen Orientierung auf, berührt sowohl die Heterosexualität als auch die Homosexualität, wobei  beinahe alle Spielarten der Sexualität davon betroffen sind. Kennzeichnend ist das süchtige Erleben bzw. die eingeschränkte oder fehlende Selbstkontrolle. Oft handelt es sich dabei um sexuelle Aktivitäten, die von einer tieferen emotionalen Beziehung zu einem Partner losgelöst sind und denen meist heimlich nachgegangen wird. Sexualitätsformen wie sie virtuell durch Pornographie (z.B. Sexseiten im Internet) und käuflich mit Sexarbeit (z.B. in Bars, Clubs oder Prostitution) ermöglicht werden oder weitgehend anonyme Sexualitätsformen wie Treffen in Parks oder „Swinger Clubs“ oder „one-night-stands“ sind dafür besonders geeignet. Außergewöhnliche sexuelle Praktiken wie so genannte sexuelle Perversionen (Sadomasochismus, Exhibitionismus etc) können dazugehören. Aber auch mehrere, gleichzeitige Partnerschaften können ein süchtiges Potential entfalten.

Das Syndrom ist definitorisch auf Grund der großen Bandbreite der Möglichkeiten schwer zu erfassen,  denn entweder sieht man die Häufigkeit als entscheidendes Kriterium an – z.B. als hypersexuell gilt, wer über einen Zeitraum von sechs Monaten hinweg zumindest täglich Geschlechtsverkehr hat oder sich selbst befriedigt -, oder man definiert das Syndrom über den Kontrollverlust – haben die Betroffenen das Gefühl, ihr Sexualverhalten steuern zu können oder können sie trotz negativer Konsequenzen nicht davon lassen, sodass es zu Problemen in der Partnerschaft kommt. Typisch für den Suchtcharakter ist auch die Funktion, die Sex für die Betroffenen hat, denn oft dient er als Belohnung, soll schlechte Stimmung vertreiben oder Misserfolg im Beruf kompensieren. Sex ist in diesem Fall ein Fluchtmittel. Häufig kennen die Personen keine andere Möglichkeit, mit Problemen anders umzugehen. Darüber hinaus haben sie meist Schwierigkeiten mit Intimität und Nähe, d.h., Betroffene haben eine unpersönliche Sicht auf Sex und kennen keine intime Sexualität.

Wie bei den meisten Süchten beruht auch die exzessive Sexualität auf nach und nach erlernten Verhaltensweisen, wobei das Internet auf Grund der leichten Zugangsmöglichkeit zu sexuellen Stimulanzien einen nicht unwesentlicher Faktor darstellt. Daneben spielen biopsychologische Faktoren eine Rolle, denn manche Menschen haben einen stärker ausgeprägten Sexualtrieb, sodass die Suchtgefährdung größer ist. Man vermutet, dass etwa 30 Prozent des gesamten Datenverkehrs im Internet der Erotik geschuldet ist. Nach aktuellen Untersuchungen (2012) sehen etwa 70 Prozent aller Männer und 30 Prozent aller Frauen Pornofilme an. Männer nutzen Online-Dienste vor allem deshalb, da das Internet eine optimale Form der Befriedigung erlaubt, ohne Rücksicht auf die Partnerinnen nehmen zu müssen. Die Videos im Internet vermitteln Männern den Eindruck, dass der Wunsch auf Gegenseitigkeit beruht, geben also den Anschein der Synchronizität. Die geringere Anzahl an weiblichen Nutzern von Internetsexualität lässt sich vermutlich darauf zurückführen, dass Frauen eher in Chats aktiv sind.

Als Behandlung bietet sich vor allem die Verhaltenstherapie an, in der die Betroffenen lernen sollen, ihre Impulse besser zu regulieren und sich in bestimmten Situationen anders zu verhalten, etwa Probleme nicht mehr durch sexuelle Stimulation zu verdrängen versuchen. Zudem ist ein Intimitätstraining möglich, in dem die Teilnehmer lernen, Nähe zuzulassen. Im Gegensatz zu anderen Suchterkrankungen besteht das Ziel einer Sexsucht-Therapie nicht darin, die Patienten zur Abstinenz zu erziehen, sondern es geht um einen kontrollierten Umgang mit der eigenen Sexualität.

Quelleb
http://www.apotheken-umschau.de (11-11-28)
http://de.wikipedia.org/wiki/Hypersexualit%C3%A4t (11-07-03)
http://www.ehrfurcht.de/sexlex.php/hypersexualitaet.html (11-10-21)



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