Ultrakurzzeitgedächtnis

Das Ultrakurzzeitgedächtnis oder sensorische Register speichert Sinnesreize ca. 0,5 – 2 Sekunden weitgehend unkodiert  und übergibt diese einem Filter, der wobei die meisten dieser Sinnesreize ignoriert werden und nur wenige  bis ins Kurzzeitgedächtnis gelangen. Das sind meist Informationen denen wir Aufmerksamkeit schenken oder die für den Organismus lebenswichtig sind. Durch diese Filter werden die Sinnesreize

  • nach bestimmten Merkmalen selektiert
  • eine erste Mustererkennung im Sinne „präattentiver Prozesse“ vorgenommen und
  • eine Informationsbündelung durchgeführt im Sinne eins „chunking“ .

In dieser Weise vorverarbeitet, gelangen die Informationen in den Kurzzeitspeicher.

Kurioses: So fand sich in einem Newsletter folgendes Missverständnis hinsichtlich des Ultrakurzzeitgedächtnisses, aus dem eine grundsätzlich nicht falsche Regel für das Lernen von Vokabeln abgeleitet wird:

Maximal sechs bis acht Vokabeln auf einmal lernen!
Das menschliche Ultrakurzzeitgedächtnis ist nur in der Lage, etwa sechs bis acht Vokabeln in einem Durchgang zu lernen. Lernt Ihr Kind mehr als diese Menge, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass ein Teil der Vokabeln auf der Strecke bleibt. Das bedeutet, dass auf dem Computer oder Smartphone täglich nicht mehr als acht neue Vokabeln eingepflegt bzw. aktiviert werden sollten. Natürlich muss Ihr Kind pro Woche mehr als acht Vokabeln lernen, doch für das Lernen mit Computer, Tablet-PC und Smartphone ist es günstiger, die Vokabeln in solche kleinen Päckchen auf die einzelnen Tage zu verteilen.

Bei dieser Regel handelt es sich natürlich um den Arbeitsspeicher, also das Kurzzeitgedächtnis, dessen Kapazität etwa sieben Objekte beträgt, wobei der Wert von einem Individuum zum anderen nicht mehr als um etwa plus oder minus zwei schwankt. Das bedeutet, dass wir eine willkürliche Folge von Ziffern der Länge 5 noch im Kurzzeitgedächtnis behalten können, beispielsweise 2 7 6 4 9, von einer Folge der Länge 15, beispielsweise 2 7 6 5 8 3 7 5 8 4 3 6 6 7 5, jedoch nur Bruchstücke. Diese Kapazitätsgrenze hatte Miller (1956) hat in seinen Forschungen festgestellt, wobei die Informationsmenge dieser Elemente allerdings von der Vorverarbeitung abhängt, also der Bildung von Chunks bzw. Bündeln.

Literatur

Miller, George A. (1956). The Magical Number 7, Plus or Minus Two: Some Limits on Our Capacity for Processing Information. Psychological Review, 63, 81-97.
Stangl, W. (1998). Speicherabhängige Gedächtnisformen. [werner stangl]s arbeitsblätter.
WWW: http://arbeitsblaetter.stangl-taller.at/GEDAECHTNIS/ModelleSpeicher.shtml (98-11-17)


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