Intelligenz

Intelligenz ist Selbstorganisation,
in der Information verarbeitet wird.
Toshiyuki Nakagaki

In der Psychologie hat man sich bis heute nicht auf eine allgemein akzeptierte Definition geeinigt, vielmehr gibt es viele unterschiedliche Intelligenzen: mathematische, sprachliche, technische, musische, sogar soziale und emotionale Intelligenz. Intelligenz lässt sich auch nicht messen wie Körpergröße oder Gewicht, sondern man muss sie zum Beispiel durch die Menge der gelösten Aufgaben eines Tests erschließen, und zwar im Vergleich zur Leistung einer vergleichbaren Personengruppe gleichen Alters. Die Art der Testaufgaben hängt von der jeweils zugrunde gelegten Intelligenztheorie, wobei die meisten Intelligenztests Untertests enthalten, die verschiedene Teilfähigkeiten prüfen wie rechnerisches Denken, logisches Schließen, das Sprachverständnis, das räumliche Vorstellungsvermögen, die Gedächtnisleistung, die Verarbeitungsgeschwindigkeit und auch allgemeines Wissen. Viele intellektuelle Fähigkeiten wie etwa das Allgemeinwissen, die man manchmal auch als Intelligenz betrachtet, sind aber Fähigkeiten, die zwar wie Intelligenz aussehen, doch meist das Resultat von Bildung und Lernen sind. Der Psychologe Raymond Cattell unterschied die feste und flüssige Intelligenz: die flüssige Intelligenz (logisches Folgern, Verarbeitungsgeschwindigkeit, Kurzzeitgedächtnis) betrifft die pure Leistungsfähigkeit des „Denkapparats“, ohne jedes Lernen. Die feste Intelligenz (oder kristallisierte) hingegen ist das, was der Mensch im Laufe des Lebens daraus macht.

In der neueren psychologischen Forschung steht in der Betrachtung der Intelligenz der Informationsverarbeitungs-Ansatz im Vordergrund, wobei bedeutendster Vertreter Robert Sternberg ist. Man betrachtet Intelligenz nicht als eine fest stehende Eigenschaft, sondern als Prozess, also die Art und Weise, wie Informationen verarbeitet werden, macht den Unterschied aus. Intelligente Prozesse laufen insgesamt mit weniger Aufwand ab, beanspruchen dafür am Anfang mehr Zeit für das Einspeichern: das genaue Verstehen und Analysieren des zu lösenden Problems.

In Metaanalysen zeigt sich übrigens die Intelligenz als jenes Persönlichkeitsmerkmal eines Menschen, mit dem sich berufliche Leistung über viele Berufsfelder hinweg am besten prognostizieren lässt, denn mit zunehmender Intelligenz können sich Menschen schneller auf neue Sachverhalte einstellen, komplexe Probleme richtig erfassen und rational durchdenken. Daher kommen sie mit größerer Wahrscheinlichkeit zu besseren Lösungen, behalten mehr Details in ihrem Gedächtnis und lernen schneller sowie umfassender. All dies ist in sehr vielen beruflichen Positionen oder bestimmten Phasen des beruflichen Lebens von Vorteil, beispielsweise, wenn etwa neue MitarbeiterInnen in relativ kurzer Zeit viel lernen müssen (Auszubildende, Trainees, Branchenfremde etc.), wenn man MitarbeiterInnen mit breitem Lernpotential identifizieren möchte oder wenn komplexe Aufgaben rational analysiert werden müssen (Experten, mittlere Führungspositionen bis hin zum Spitzenmanagement) (Kanning, 2013).

Die Hypothese der neutralen Effizienz besagt, dass ein intelligenter Mensch sein Gehirn weniger anstrengen muss als ein weniger intelligenter, um eine Aufgabe zu lösen, die beiden gleichermaßen vertraut ist. Das gilt allerdings nur bei mittelschweren Aufgaben, bei denen die sehr intelligenten Menschen weniger Gehirnressourcen einsetzen, während bei sehr leichten und sehr schwerden beide Personengruppen gleiche Gehirnaktivität eigen.

Einen guten Überblick über das Konstrukt der Testintelligenz: [stangl] test & experiment: beispiele: intelligenzmodelle

Cuiusvis hominis est errare, nullius nisi insipientis in errore perseverare.
Marcus Tullius Cicero

Begriffsbestimmungen

„Intelligenz (lat. einsehen, verstehen)

„Einsichtsfähigkeit“, die besondere individuelle Leistungsdisposition auf dem Gebiete des Verstandeslebens, z.B. In Hinsicht auf die Erfassung von Bedeutungen und Beziehungen“(…) „Art und Grad der Intelligenz sind abhängig von der Fassungskraft (Tiefe, Werte, Abstraktionskraft) dem Intelligenz-Temperament (Sprechbarkeit, Eigenständigkeit, Tempo und Nachhaltigkeit des Denkens) und schließlich von der Gesamtheit der Antriebs -und Willensanlagen des Menschen.“ (Wörterbuch der Pädagogik 1967, S. 259)…

„Intelligenz(lat. Intelligentia, geistige Fertigkeit, Klugheit)

Nach D. Wechsler die zusammengesetzte oder globale Fähigkeit des Individuums zweckvoll zu handeln, vernünftig zu denken und sich mit seiner Umgebung wirkungsvoll auseinanderzusetzen.“

„“In engerer Bedeutung der Denkfähigkeit, die sich im Herstellen, Erfassen und Deuten von Sinnzusammenhängen ( A. Wenzel) und in der Sicherheit gegenüber neuartigen Situationen ( W. Stern ) ausweist.“ ( Lexikon der Schulpädagogik 1974, S. 254)

„Intelligenz (lat. Intelligentia, Einsicht, Verständnis).“

Relativ stabiles Persönlichkeitsmerkmal, dessen Ausmaß und Ausprägung sich daran erkennen lässt, wie ein Individuum die in einer Kultur wichtig erachteten Leistungen und neuartigen Anforderungen beantwortet.“ (Lexikon zur Pädagogischen Psychologie und Schulpädagogik 1980, S. 103)…

„Intelligenz(…)Fähigkeit anschaulich oder abstrakt in sprachlichen, numerischen und raum-zeitlichen Beziehungen zu denken; sie ermöglichen erfolgreiche Bewältigung vieler komplexer und mit Hilfe jeweils besonderer Fähigkeitsgruppen auch spezifische Situationen und Aufgaben“ (Lexikon der Pädagogik 1970, S. 301)…

„Intelligenz(lat. intelligere = einsehen, verstehen)“

“Intelligenz ist die Fähigkeit, Probleme zu lösen, sich an neue Situationen anzupassen, abstrakte Vorstellungen, Ideen und Begriffe zu entwickeln und von Erfahrung zu profitieren.“

„Intelligenz meint jedoch nicht nur intellektuelle Leistungsfähigkeit, sondern auch eine Reihe von psychischen Verhaltensweisen wie Neugier, Konzentrationsfähigkeit, usw.“ (http://www.bleibergquellenkolleg.de/projekt/kol/pfeiffer.html)…

„Intelligenz (lat.: Intelligentia = „Einsicht, Erkenntnisvermögen“, intellegere = „verstehen“) bezeichnet im weitesten Sinne die Fähigkeit zum Erkennen von Zusammenhängen und zum Finden von optimalen Problemlösungen.“ (…)“Intelligenz ist, vereinfacht ausgedrückt, die Fähigkeit, Probleme und Aufgaben effektiv und schnell zu lösen und sich in ungewohnten Situationen zurecht zu finden.“ (…) “Andere Forscher wiederum befürworten eine ganze Palette voneinander relativ unabhängiger Intelligenzen wie verbales Verständnis, räumliches Vorstellungsvermögen, Gedächtnis und Zahlenverständnis. Der amerikanische Psychologe Howard Gardner bezieht in seiner Theorie der „Multiplen Intelligenzen“ (MI) sogar Bewegungsintelligenz (Tänzer), musikalische Intelligenz (Musiker, Komponisten) oder naturalistische Intelligenz (Naturforscher) mit ein.“

„In der Psychologie ist Intelligenz ein Sammelbegriff für die kognitiven Fähigkeiten des Menschen, also die Fähigkeit, zu verstehen, zu abstrahieren und Probleme zu lösen, Wissen anzuwenden und Sprache zu verwenden.“ (…)

„Im alltäglichen Sprachgebrauch werden häufig Begriffe wie Denkvermögen, Auffassungsgabe, Rationalität, Logik, Urteilsvermögen und Kreativität verwendet, um die geistigen Fähigkeiten des Menschen zu kennzeichnen“ (http://de.wikipedia.org/wiki/Intelligenz).

Intelligenz = (…) “psychische Anpassung an neue Umstände und Bedingungen“ (Claparede, Psychologie der Intelligenz 1992, S. 12).

Intelligenz = (…) “erst bei den Prozessen, die ein plötzliches Verstehen implizieren ( Aha-Erlebnisse )“ (Bühler, Psychologie der Intelligenz 1992, S. 13).

Intelligenz = (…) “die Fähigkeit Relationen und Korrelationen herzustellen“ (Spearman, Vererbung Intelligenz und Erziehung 1975, S. 71).

Intelligenz = (…) “die Fähigkeit zu verbinden und zu trennen“ (Thomas von Aquin, Vererbung Intelligenz und Erziehung 1975, S. 71).

Herausragend ist für mich, dass Atkins als Einziger darauf eingeht, dass Intelligenz auch etwas damit zutun hat, von dem Wissen das man sich in der Vergangenheit aneignen konnte, in Bezug auf eine neue Problemlösung, profitieren zu können (vgl. http://www.bleibergquellenkolleg.de/projekt/kol/pfeiffer.html)

Im Vergleich zu den anderen Lexika und Lehrbüchern wird nur im „Wikipedia“ darauf hingewiesen, dass es verschiedene Intelligenzen gibt, unter anderen die musikalische –und/oder naturalistische Intelligenz (vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Intelligenz).

Weiters finde ich wichtig, dass darauf hingewiesen wird, dass Intelligenz mit den unterschiedlichen Anforderungen der Kulturen zusammenhängt (vgl. Lexikon zur Pädagogischen Psychologie und Schulpädagogik 1980, S. 103).


Aus eine Frage-Antwort-Portal

Frage: „Wie erweitere ich meinen IQ?“
Antwort: „Den IQ kann man nicht „erweitern“, denn er ist ja genau als jene maximale Grenze der intellektuellen Leistungsfähigkeit definiert, die ein Mensch trotz aller Übrung nicht überschreiten kann.“


Literatur zum Thema Intelligenz

Amelang, M. & Bartussek, D. (2001). Differentielle Psychologie und Persönlichkeitsforschung. Stuttgart: Kohlhammer.
Asendorpf, J. (2004). Psychologie der Persönlichkeit. Heidelberg: Springer.
Brunner, R. , Zeltner, W. (1980). Lexikon zu Pädagogischen Psychologie und Schulpädagogik (S. 103). München: Ernst Reinhardt, GmbH & Co.
Eysenck, H.J. (1975). Vererbung Intelligenz und Erziehung. Zur Kritik der pädagogischen „Milieutheorie“. (S. 71). Stuttgart-Degerloch: Seewald.>
Gardner, H. (1993). Multiple Intelligences. New York: BasicBooks.
Gardner, H. (1999b). Are there additional intelligences? The case for naturalist, spiritual, and existential intelligences. In J. Kane (Ed.), Education, information and transformation (pp. 111-131). Englewood Cliffs, NJ: Prentice Hall.
Goleman, D. (2000). Der Erfolgsquotient. München: dtv.
Goleman, D. P. (1995). Emotional Intelligence: Why It Can Matter More Than IQ for Character, Health and Lifelong Achievement. New York: Bantam Books.
Hehlmann, W. (1967). Wörterbuch der Pädagogik. (S. 259). Stuttgart: Alfred Kroner.
Kanning, Uwe P. (2013). Intelligenztests: Viel besser als ihr Ruf.
http://www.haufe.de/personal/hr-management/intelligenztests-viel-besser-als-ihr-ruf_80_192422.html (13-12-30)
Neubauer, A. & Stern, E. (2007). Lernen macht intelligent. Warum Begabung gefördert werden muss. München: DVA.
Nisbett, R. E., Aronson, J., Blair, C., Dickens, W., Flynn, J., Halpern, D. F., & Turkheimer, E. (2012). Intelligence: New Findings and Theoretical Developments. American Psychologist. Advance online publication. doi: 10.1037/a0026699
Lohaus, A., Vierhaus, M. & Maass, A. (2010). Entwicklungspsychologie des Kindes- und Jugendalters. Berlin: Springer.
Myers, D.G. (2008). Psychologie. Berlin: Springer.
Odenbach, K. (1974). Lexikon der Schulpädagogik. Begriffe von A-Z. (S. 254). Braunschweig: Georg Westermann.
Piaget, J. (1992). Psychologie der Intelligenz. (S. 12-13). Stuttgart: J. G. Cotta`sche Buchhandlung Nachfolger GmbH.
Rombach, H. (1970). Lexikon der Pädagogik. Neue Ausgabe. (S. 301). München-Wien: Herder KG Freiburg, im Breisgau.
Online im Internet: WWW: http://www.bleibergquellenkolleg.de/projekt/kol/pfeiffer.html (05-11-01)
Online im Internet: WWW: http://de.wikipedia.org/wiki/Intelligenz ( 05-11-01).
Rost, D. H. (2009). Intelligenz: Mythen und Fakten. Weinheim: Beltz.
Schneider, W. & Hasselhorn M. (2008). Handbuch der Pädagogischen Psychologie.  Göttingen: Hogrefe.
Spitzer, M. (2010). Medizin für die Bildung: Ein Weg aus der Krise. Spektrum: Heidelberg.
Waterhouse, Lynn. (2006). Multiple Intelligences, the Mozart Effect, and Emotional Intelligence: A critical review. Educational Psychologist, 41, 207–225.
Wild, E. & Möller, J. (2009). Pädagogische Psychologie. Heidelberg: Springer.
Woolfolk, A. (2008). Pädagogische Psychologie. München: Pearson Studium.
Zimbardo, P. G. & Gerrig, R. J. (1999). Psychologie. Berlin: Springer.


Übersetzung des Zitats:  Jeder Mensch kann irren, aber Dummköpfe verharren im Irrtum.





Falls Sie in diesem Beitrag nicht fündig geworden sind, können Sie mit der folgenden Suche weiter recherchieren:


Das Lexikon in Ihren Netzwerken empfehlen:

  1. 3 Responses to “Intelligenz”

  2. Komisch, ich hab mich gerade von heute morgen 5:00 Uhr mit einem Kollegen bis jetzt über das Thema Intelligenz unterhalten. Mein Kollege ist der Überzeugung, dass nur der intelligent ist, der am schnellsten die Lösung für ein Problem hat. Ich meinte nur, dass ich das nicht so sehe. Ich denke, dass jeder Mensch das Potenzial hat, intelligent zu sein, oder ist! Ich sehe das so, dass es mehrere Lösungen für jede Aufgabe oder jedes Problem gibt. Nehmen wir an, dass wir eine Strecke haben, und auf unserer Strecke kommt uns ein Hindernis entgegen (Problem). Der erst Proband geht um das Hindernis herum, der andere klettert oben drüber und der dritte krabbelt unten drunter durch. Alle kommen gleich schnell am Ziel an; wer ist nun der intelligentere von den Dreien? Eine Aufgabe, mehrere Lösungen. Jeder Proband hat seine Erfahrungen gemacht und sie bestmöglichst angewandt, um das Problem bestmöglichst zu lösen. Wenn man will, kann man alles erreichen, was machbar ist, denke ich!

    [corr; W.S.]

    By Stefan burkhardt on Sep 29, 2012

  3. Die Definition von Atkins fand ich verschiedentlich zitiert, aber immer nur mit „Atkins, 1971“. Ich wäre _sehr, sehr_ dankbar für eine vollständige Quellenangabe. (Oder heißt der Mann Watkins? Oder John W. Atkinson, der im Bereich Verhaltens- und Motivationspsychologie forschte und 1975 das Risiko-Wahl-Modell vorstellte?)

    By Hartmut Bick on Nov 2, 2013

  4. Die genau Quellenangabe „Atkins, 1971“ ist leider nicht mehr rekonstruierbar – ich habe die Quellenangabe entfern, da diese Zusammenstellung ohnehin nur illustrativen Charakter hat, um die Vielfalt möglicher Erklärungen zu demonstrieren.

    By W. S. on Nov 9, 2013

You must be logged in to post a comment.

Diese Seiten sind Bestandteil der Domain www.stangl.eu

© Werner Stangl Linz 2017