Blackout

Als Blackout oder auch Filmriss bezeichnet man umgangssprachlich einen vorübergehenden Gedächtnisverlust, der teilweise auch  mit Bewusstlosigkeit verbunden sein kann. Man unterscheidet zwei verschiedene Arten des Blackouts: Beim En bloc-Blackout ist ab einem ganz bestimmten Zeitpunkt jede Erinnerung an Ereignisse und Personen vollständig verschwunden, während bei einem fragmentarischen Blackout die Erinnerungen noch vorhanden aber lückenhaft sind. Üblicherweise treten fragmentarische Blackouts häufiger auf, wobei bei dieser Art des Blackouts den Betroffenen meist gar nicht bewusst ist, dass sie Ereignisse vergessen haben, sondern erst dann, wenn sie auf diese Lücken hingewiesen werden, kehren ihre Erinnerungen teilweise zurück. Ein Blackout kann bei jedem Menschen entstehen, wenn sie sehr unter Druck stehen bzw. unter Druck gesetzt werden, nicht versagen zu dürfen.

Ursache von Blackouts ist hauptsächlich eine Blockade der Rezeptoren im Hippocampus, wodurch die Langzeitpotenzierung verhindert wird, also jener Prozess, der die Verbindungen zwischen den Nervenzellen verstärkt, die eine Voraussetzung für das Einprägen und die Gedächtnisbildung darstellen. Menschen sind unterschiedlich anfällig für Blackouts, wobei sich in einer Zwillingsuntersuchung zeigte, dass die Wahrscheinlichkeit für ein Blackout zu etwas mehr als 50 Prozent genetisch mitbestimmt wird.

Vorbeugen können kann man einem Blackout, indem man täglich für Phasen der Entspannung sorgt und daran arbeitet, Ereignisse wie etwa ein mögliches Versagen nicht gleich als lebensbedrohlich zu bewerten. Manchmal wird ein Blackout von manchen Menschen aber auch als Alibi benutzt, um für ein Verhalten keine Verantwortung übernehmen zu müssen.

Blackout in Prüfungssituationen

Die Befürchtung, dass bei einer Prüfung ein Blackout auftreten kann, und dann „alles weg ist, was vorher noch im Kopf war“, ist sehr weit verbreitet. Das Auftreten eines solchen Prüfungsblackouts ist in der Regel mit einer heftigen Erregung verbunden, die von Gefühlen der Unsicherheit, Ohnmacht und Hilflosigkeit begleitet werden. Physiologisch bestrachtet kommt es dann tatsächlich zu einer funktionellen Störung des Gedächtnisses, d. h., der Zugang zu den den Gedächtnisspuren ist durch die starken Emotionen blockiert. Helfen kann dabei, sich eine Atempause zu verschaffen und sich etwa mit einigen Atemübungen zu beruhigen. Manchmal ist es auch möglich, die Prüferin oder den Prüfer darüber zu informieren und sie/ihn um eine kleine Pause zu bitten. Manchmal hilft bei mündlichen Prüfungen um die Wiederholung der letzten Frage zu bitten bzw. um eine neue Frage. Wichtig ist aber vor allem Blackout als etwas zu akzeptieren, was eben passieren kann und was nicht unbedingt zur Katastrophe führen muss. Man sollte sich daher schon während einer Prüfungsvorbereitung Entspannungs- und Atemübungen überlegen, die im Ernstfall helfen.

Blackout bei einem Vortrag

Auch wenn man sich noch so gut auf einen Vortrag vorbereitet hat, kann es immer passieren, dass man den Faden verliert. Mit den folgenden Taktiken kann man ein Blackout „überspielen“:

  • Legen Sie eine Sprechpause ein. Dazu halten Sie am Ende eines Satzes einfach inne. Ihr Publikum wird es für eine geschickte Maßnahme halten, nicht für eine Zwangspause.
  • Wiederholen Sie den letzten Punkt. Das Auditorium wird es für eine publikumsorientierte Wiederholung halten, damit es dem Vortrag besser folgen kann.
  • Schlagen Sie eine Pause vor. „Ich unterbreche meinen Vortrag für eine kleine Pause. Etwas frische Luft ist jetzt genau das Richtige.“
  • Gehen Sie zum nächsten Thema über. „Ein weiterer wichtiger und interessanter Aspekt ist …“ Das Publikum wird höchstwahrscheinlich nicht merken, dass Ihr vorheriger Punkt noch nicht ganz abgeschlossen war.
  • Kehren Sie zum unbeendeten Punkt zurück. Wenn Sie eine dieser Methoden angewandt haben, dann spricht nichts dagegen, später zu dem nicht abgeschlossenen Punkt zurückzukehren: „Ich komme noch einmal auf das Thema xy zurück.“
  • Fassen Sie das bisher Gesagte zusammen. Ihr Publikum freut sich darüber, Inhalte in komprimierter Form erneut zu hören.
  • Bitten Sie um Rückmeldungen. „Was bedeutet das für Ihr Unternehmen?“ oder „Welche Fragen stellen sich in diesem Zusammenhang für Sie?“ könnten passende Formulierungen sein.
  • Seien Sie ehrlich. „Jetzt habe ich den Faden verloren. Wo waren wir gerade stehen geblieben?“ Ihr Publikum wird es als menschlich ansehen, dass Ihnen solch ein Blackout passiert, und Ihre Ehrlichkeit anerkennen.

Übrigens: Ursprünglich bezeichnet der Begriff Blackout das schlagartige, komplette Verlöschen der Scheinwerfer als Ende einer Szene auf dem Kabarett, später auch auf dem Theater.

Alkohol und Blackout – der Filmriss

Nach einem berauschten Zustands tritt bei den Betroffenen manchmal ein Blackout oder auch Filmriss auf, d. h., der Betroffene hat dann an einen Zeitraum von wenigen Minuten bis mehreren Stunden nur vage oder gar keine Erinnerungen. Früher nahm man an, Alkohol schwäche das Gedächtnis, weil er Hirnzellen abtötet, doch es ist unwahrscheinlich, dass hinter einem akuten Blackout eine Hirnschädigung steckt. Es handelt sich vielmehr um eine temporäre anterograde Amnesie, indem die Fähigkeit, neue Erinnerungen zu bilden, zeitweise beeinträchtigt ist, d. h., man kann sich nicht mehr an den fraglichen Zeitraum erinnern, weil man ihn gar nicht erst im Gedächtnis gespei­chert hat.

Experten denken daher, dass Menschen bei einem Filmriss in der Regel so stark alkoholisiert sind, dass sie zwar weiterhin Unterhaltungen führen können, ihr Gedächtnis es jedoch praktisch nicht mehr schafft, hinterher zu kommen, um über das aktuelle Erleben Protokoll zu führen, denn Alkohol blockiert nahezu sämtliche Neurotransmitter im Gehirn, die dafür zuständig sind, eine Verbindung vom Kurzzeit- zum Langzeitgedächtnis aufzubauen. Dabei funktioniert das Kurzzeitgedächtnis absolut normal weiter, sodass die Betroffenen beim übermäßigen Trinken von ihren Mitmenschen auch nicht viel anders wahrgenommen werden als sonst, sondern voll funktionsfähig erscheinen. Besonders anfällig sind Menschen für Filmrisse nach schnellem Konsum von großen Mengen Alkohol innerhalb kurzer Zeit oder nach vorwiegend süßen alkoholischen Getränken wie Bowlen oder Likören.

Dabei sind vermutlich Vorgänge im Hippocampus gestört, also jenes Hirnareal, das daran beteiligt ist, dass man Erinnerungen bildei, speichert, abruft und Neues lernt. Offenbar beeinträchtigt Alkohol die Langzeitpotenzierung der Synapsen an den Pyramidenzellen im Hippocampus, denn dieser Mechanismus stärkt die sy­nap­ti­sche Übertragung von Informationen zwischen Neuronen und liegt der Gedächtnisbildung zu Grunde.

Filmrisse können aber dem Gehirn auf lange Frist schaden, denn Menschen, die häufig große Mengen Alkohol trinken und bereits einen oder mehrere Filmrisse erlebt haben, schneiden schlechter in Gedächtnistests ab als Menschen, die weniger trinken und noch keinen Filmriss erlebt haben. Abgesehen von verschwundenen Erinnerungen an die Phase des Trinkens, wirken sich Filmrisse daher auch chronisch auf die Erinnerungsfähigkeit aus, wobei ein Filmriss erfahrungsgemäß den nächsten begünstigt.

Welche Alkoholmenge einen Blackout auslöst, variiert von Mensch zu Mensch. Wer schnell große Mengen trinkt, erlebt ihn jedoch eher. Außerdem schwächen Medikamente wie Benzodiazepine und andere Drogen, die auf das Gehirn ähnlich wirken, die Gedächtnisbildung ebenfalls und können auch ohne oder in Kombination mit geringen Mengen Alkohol einen Blackout erzeugen.

Man vermutet übrigens auch eine genetische Veranlagung für Filmrisse.

Literatur

Zorumski, Charles F. (2015). Warum löst zu viel Alkohol einen Blackout aus? Gehirn und Geist.
http://www.fu-berlin.de/sites/studienberatung/psychologische_beratung/texte/pruefungsangst.html (11-12-12)
http://schule.lerntipp.at/begriff/blackout.html (02-02-21)
http://paidoblogger.blogspot.co.at/2006/04/blackout-beim-referat.html (08-11-21)





Falls Sie in diesem Beitrag nicht fündig geworden sind, können Sie mit der folgenden Suche weiter recherchieren:


Das Lexikon in Ihren Netzwerken empfehlen:

You must be logged in to post a comment.

Diese Seiten sind Bestandteil der Domain www.stangl.eu

© Werner Stangl Linz 2017