Insomnie

Die griechische Mythologie hat den Schlaf als eigene Gottheit dargestellt wurde, wobei Hypnos nachts sanft über die Länder und Meere glitt und den Menschen die Sorgen und Mühen des Alltags abnahm.

Kurzdefinition: Man spricht von Insomnie, wenn jemand über mehr als einen Monat mindestens dreimal wöchentlich Probleme mit dem Ein- und Durchschlafen hat und darunter leidet oder im Alltag beeinträchtigt ist. Die Schlafforschung unterscheidet dabei zwischen akuten, situationsbedingten Insomnien über einige Tage oder Wochen, die von selbst wieder abklingen, und chronischen Insomnien, die über mehrere Jahre bestehen können.

Schlaflosigkeit ist meist Ausdruck der Befindlichkeit und der Lebenssituation eines Menschen, kann aber auch Ausdruck einer psychischen oder organischen Erkrankung sein. Schlafstörungen sind auch nicht eine normale Alterserscheinung, mit der Menschen leben lernen müssen, sondern in jedem Fall ist eine differenzierte Diagnostik notwendig, die zu einer individuellen Behandlung von Betroffenen führt. In der Internationalen Klassifikation von Schlafstörungen sind über sechzig verschiedene Formen von Schlaf-Wach-Störungen enthalten. Eine Insomnie ist nur dann zu diagnostizieren, wenn sich die Betroffenen durch den Nachtschlaf nicht ausreichend erholen, während die tatsächlich im Bett verbrachte Zeit dagegen kaum Hinweise auf eine Schlafstörung liefert, da das Schlafbedürfnis individuell sehr unterschiedlich ist und zwischen vier und elf Stunden pro Nacht betragen kann.

Schlaflosigkeit ist nach neueren Studien möglicherweise auch auf Anomalien in der weißen Hirnsubstanz zurückzuführen. Mit Hilfe der Diffusions-Tensor-Bildgebung und der Tract-Based Spatial Statistic konnte bei Menschen mit primärer Insomnie nachgewiesen werden, dass diese über eine deutlich verringerte Integrität in verschiedenen rechten Gehirnbereichen und dem Thalamus verfügten. Die beeinträchtigen Areale der weißen Substanz stehen dabei vor allem mit der Regulierung von Schlaf und Wachheit, der kognitiven Funktion und der sensomotorischen Funktion in Zusammenhang, insbesondere mit der berichteten Dauer der Schlaflosigkeit. Dabei ist die Beteiligung des Thalamus entscheidend, da dort wichtige Bereiche der biologischen Uhr des Menschen zu finden sind. Eine Ursache für die Anomalien in der Integrität der weißen Substanz bei den Betroffenen könnte der Verlust von Myelin sein, also der Schutzschicht, die die Nervenfasern umgibt (Li et al. 2016).

In jedem Fall ist eine differenzierte Diagnostik für eine Therapie wichtig, wobei meist ein ausführliches Gespräch mit den Betroffenen zu ihrem Schlafverhalten am Anfang steht. Problematisch ist, dass manche Betroffene ihre Schlafstörungen nicht als medizinisches Problem erkennen und daher selbst experimentieren, allem voran mit Alkohol, was zusätzlich Probleme bereitet. Es sind übrigens häufig perfektionistische Menschen, die unter ihrer Schlaflosigkeit besonders leiden.

In der Behandlung von Insomnien hat sich die Verhaltenstherapie bewährt, denn es geht beim Einschlafen häufig darum, loslassen und entspannen zu können. Oft ist es das Nicht-schlafen-Können selbst, das Betroffene in einen Teufelskreis bringt, sodass die folgenden Schlafstörungen eine Folge von innerer Angespanntheit (Hyperarousal) sind. Hyperarousal ist ein Zustand, der vor allem aus der Angst, nicht schlafen zu können, entsteht, und sich als ständiges Beschäftigtsein mit dem Thema auch während des Tages als Belastung äußert und das Problem zusätzlich verstärkt.

Methoden gegen Insomnie: Neben einer gesunden Lebensweise können gewisse Verhaltensregeln wie der Verzicht auf schweres Essen am Abend helfen, auch gibt es einige Hausmittel, wobei diese nicht bei jedem wirken, mit Bedacht zu handhaben sind oder auch umstritten sind. Alkohol kann einschlaffördernd wirken, da er das zentrale Nervensystem entspannt, allerdings sollte es bei kleinen Mengen wie einem Glas Bier oder Wein bleiben. Wenn mehr konsumiert wird, ist der Schlaf nicht erholsam, weil der Körper statt zu ruhen Alkohol abbaut, wobei die Regulation von Tief- und Traumphasen durcheinanderkommt, und es zu Schweißausbrüchen, Herzrasen und wiederholtem Aufwachen kommen kann. Entspannungstechniken wie autogenes Training oder Meditation helfen Stress abbauen und verbessern die Schlaffähigkeit. Sie können zwar das Einschlafen erleichtern, richten aber wenig gegen Durchschlafstörungen aus, da sie den Verlauf des Schlafs nicht beeinflussen. Körperliche Anstrengung wie abendlicher Sport macht müde und lässt manche Menschen oft besser schlafen, es werden dabei aber auch Kreislauf und Stoffwechsel aktiviert, sodass man in diesem Zustand schlechter einschläft. Deshalb sollte man sich nicht abends auspowern, sondern intensives Training tagsüber absolvieren, damit der Organismus Zeit hat, herunterzufahren. Musik kann entspannen und in den Schlaf begleiten, wenn sie nicht zu laut ist, und es sich um sanfte Klänge handelt, die man als angenehm empfindet. Am besten geeignet sind ruhige Klassik- und Loungemusik, aber es gibt auch Einschlaf-CDs, die außer Musik entspannende Klänge wie Meeresrauschen enthalten.

Siehe dazu im Detail Der Schlaf und Schlafstörungen

Literatur

Shumei Li, Junzhang Tian, Andreas Bauer, Ruiwang Huang, Hua Wen, Meng Li, Tianyue Wang, Likun Xia & Guihua Jiang (2016). Reduced Integrity of Right Lateralized White Matter in Patients with Primary Insomnia: A Diffusion-Tensor Imaging Study. Radiology, doi: 10.1148/radiol.2016152038.





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