Wissensmanagement

Wissensmanagement beinhaltet Wissensproduktion, -reproduktion, -distribution, -verwertung und -logistik auf der individuellen, sozialen und institutionellen Ebene, aber auch die gezielte und nachhaltige Nutzung kollektiver Intelligenz auf diesen Ebenen, wobei die Bereiche Materie, Inhalte und Interaktion aufeinander abgestimmt werden. Es geht dabei nicht nur um die kognitiven, methodischen oder technologischen Aspekte wie Gestaltung, Entwicklung und Verwaltung von Wissen, sondern auch um die Haltung, den Entwicklungsprozess, der einen bewussten, elaborierten Umgang, die Speicherung und Weitergabe der Ressource Wissen beinhaltet. Grundlegend für das Wissensmanagement ist somit der Wissensbegriff, denn Wissen liegt in verschiedenen Kategorien (apriorisch, aposteriorisch, apodiktisch, assertorisch) sowie in verschiedenen Arten (deklarativ, prozedural, metakognitiv, distribuiert) vor bzw. beruht auf der sinnvollen Verarbeitung und Verknüpfung von Daten und Informationen.

Organisationales Lernen beschreibt die Veränderungsprozesse der organisationalen Wissensbasis. Deren Gestaltung und Lenkung ist Gegenstand des Wissensmanagements. Wissensidentifikation, Wissenserwerb, Wissensentwicklung, Wissens(ver)teilung, Wissensnutzung und Wissensbewahrung sind die sechs Kernprozesse des Wissensmanagements. Durch die Bestimmung von Wissenszielen und die Durchführung einer Wissensbewertung lässt sich ein Managementkreislauf konstruieren, der allen Wissensmanagern hilfreiche Ansatzpunkte liefert (vgl. Probst, Raub, & Romhardt, 1997 S. 23 -37). Wissensmanagement umfasst daher ein ganzes Bündel von menschlichen, technischen und organisationalen Aufgaben, Strategien, Verfahren, Techniken, Fähigkeiten und Fertigkeiten zur Entwicklung, Strukturierung, Selektion, Speicherung, Aktualisierung, (Ver-)Teilung, Vermittlung und Bewertung von Wissen in den unterschiedlichsten Kontexten. Aus der psychologischen Perspektive heraus bezeichnet Wissensmanagement eine Art individuelle Meta-Kompetenz, die all diejenigen Kenntnisse, Fähigkeiten und Einstellungen umfasst, die eine Bewältigung der bestehenden Informations- und Wissensfluten ermöglicht.

Grafisch dargestellt der Kreislauf des Wissensmanagements nach Probst et al. (1997):

Wissensziel
Wissen über Möglichkeiten und Grenzen von Wissensmanagement gewinnen und in Form einer Dissertation bündeln, Anschlußfähigkeit dieses Wissens in Theorie und Praxis erreichen, Meilensteine definieren.
Wissensidentifikation
Bestehende Literatur sichten und analysieren, Experten im Forschungsfeld und best practice in der Praxis identifizieren.
Wissenserwerb
Forschungskooperationen eingehen, Kongresse besuchen, Praktiker befragen.
Wissensentwicklung
im Team (Action research im Wissensfeld, Schreiben im Kollektiv, Kolloquien), individuell (Kreativität plus systematisches Problemlösen).
Wissens(ver)teilung
Präsentation von Ergebnissen im Forum, auf Kongressen und Kolloquien, Publikationen, Netzwerkaufbau, Durchführung von workshops mit Trainingscharakter.
Wissensnutzung
Anwendung der Ergebnisse auf den eigenen Umgang mit Wissen, Nutzung der Erkenntnisse in Beratungsprozessen.
Wissensbewahrung
Dokumentation der empirischen Ergebnisse, Festhalten nicht ausgearbeiteter Ideen in einem Ideenpool, Weitergabe der eigenen Erfahrungen innerhalb des Lehrstuhlteams.
Wissensbewertung
Meilensteine überprüfen. Anerkennung der eigenen Forschung innerhalb der knowledge community (Zitierungen), Anerkennung der Dissertation im wissenschaftlichen System, Anerkennung der eigenen Ideen in der Praxis, subjektive Zufriedenheit mit dem eigenen Wissen über Wissen.

Im engeren Sinne konzentriert sich Wissensmanagement auf Fragen des Umgangs mit Information und Wissen in wissensbasierten Organisationen und umfasst Konzepte und Instrumente für die Analyse, Bewahrung, Erweiterung und Optimierung der organisationalen Wissensbasis einschließlich Verfahren zur betriebswirtschaftlichen Bewertung des intellektuellen Kapitals. Der Faktor Mensch rückt beim Wissensmanagement neben den Faktoren Organisation und Technik zunehmend in den Vordergrund und signalisiert die Notwendigkeit, Maßnahmen der Personalentwicklung und Weiterbildung mit Wissensmanagement als einem strategischen Konzept enger als bisher üblich zu verknüpfen Wissensmanagement stellt für Forschung und Lehre eine multidisziplinäre Aufgabe dar und erfordert zum einen Kooperationen zwischen Disziplinen wie Betriebswirtschaft, Informatik und Pädagogischer Psychologie und zum anderen  Soziologie, Philosophie, Rechtswissenschaften und Politologie.

Da der Umgang mit Wissen sowohl auf einer individuellen als auch auf einer sozialen Ebene stattfindet, gibt es mindestens drei Aspekte zu berücksichtigen:

Auf der individuellen Ebene zielt Wissensmanagement inhaltlich auf Kompetenzen wie z. B. Methoden- oder Medienkompetenz. Dieser personale Umgang mit Wissen hat eine äußere und eine innere Komponente. Die äußere umfasst den individuellen Umgang mit Wissen, das außerhalb des menschlichen Bewusstseins existiert, die innere Komponente meint das Management des Wissens innerhalb des menschlichen Selbstkonzeptes bzw. innerhalb der Lernstrukturen von Menschen. Weiter beinhaltet Wissensmanagement auf dieser Ebene Informationstechnologien und -techniken, die nicht nur auf Computer (Internet), sondern auch auf ältere, gedruckte, bildhafte Wissensspeicher zurückgreifen und unter anderem Zeit oder materielle Ressourcen erfordern.

Auf der Ebene der Gruppe zielt Wissensmanagement auf das ‚kollektive Gedächtnis‘, das durch Austausch und Partizipation von Wissen entsteht und eine ‚kollektive Intelligenz‘ schafft. Als Ergebnis- oder Aktivitätendokumentation kann es in technisch diversen Inhalten vorliegen und als externer Wissensspeicher von anderen genutzt werden. Ebenso zielt Wissensmanagement auf der Gruppenebene auf Kommunikation und auf eine kooperativ konstruierte Entwicklung. Über menschliche Bereiche wie Interessen, Kenntnisse oder Erfahrungen wird via (moderner) Technologien kommuniziert. Es werden zudem Gruppenstrukturen und Arbeitsteilungsprozesse sichtbar, so dass ein Bedarf an Kooperation, Koordination und Integration der Wissensinhalte entsteht.

Auf der institutionellen Ebene spielt neben dem oben Genannten der inhaltlich-strukturelle Bereich eine besondere Rolle. Das bedeutet, dass innerhalb einer Institution beispielsweise die (Innen)Architektur, die technologischen Voraussetzungen oder die Organisationsstruktur so gestaltet sind, dass die Bedingungen zum bewussten, gezielten, nachhaltigen Umgang mit Wissen innerhalb einer ‚lernenden Organisation‘ gegeben sind. Die diese Ebenen umschließende ‚Wissensgesellschaft‘ zielt darauf ab, ihre Lebensgrundlagen auf reflektiertem und bewertetem Wissen weiterzuentwickeln, um diese bewusst, lebenserleichternd und nicht zerstörerisch zu gebrauchen.

Immer mehr Unternehmen organisieren interne Wissenssammlungen nach dem Vorbild von Wikipedia in Form von Firmen-Wikis. Wie diese Form der Kommunikation, die Mitarbeiterwissen archiviert und schnell der Belegschaft zugänglich macht, funktioniert, hängt dabei von der Betriebskultur und der Abstimmung auf Bedürfnisse und Interessen von NutzerInnen und HerausgeberInnen ab. Nach einer Erhebung des Mannheimer Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung nutzen selbst in der Informationswirtschaft derzeit nur 7,2 Prozent der Unternehmen Wikis.

Professional Master of Business Administration (MBA) in Wissensmanagement an der Universität Linz

Die Johannes Kepler Universität ist der einzige österreichische Anbieter eines Professional Master of Business Administration (MBA) in Wissensmanagement. Dieses berufsbegleitende Studium mit begrenzter TeilnehmerInnenanzahl startet am 9. November 2012 zum 7. Mal, wobei die Bewerbungsfrist endet am Montag, den 1. Oktober 2012. Dieses berufsbegleitende MBA Studium liefert die erforderlichen Kenntnisse aus allen Fachgebieten des Managements und bietet außerdem eine Spezialisierung, um eine Organisation wissensorientiert und somit auch langfristig konkurrenzfähig in die Zukunft zu führen. In diesem Universitätslehrgang erwirbt man eine fundierte, theoretische sowie praktische Ausbildung in Wirtschaftswissenschaften, Technik und Management mit einer zusätzlichen Spezialisierung in Wissensmanagement. Im Aufbaustudium „Angewandtes Wissensmanagement“ werden die Methoden zur Organisationsentwicklung mit den Werkzeugen der Informationstechnologie und den Praktiken des Personalmanagements kombiniert. Wichtige Lernziele sind die Förderung der (sozialen) Führungskompetenz, Gruppenmodellierung u.v.m. für die Bereiche Organisationsentwicklung und -beratung, Personalentwicklung, Geschäftsprozessmanagement, Customer Relationship Management (Marketing, Vertrieb, Services), Innovationsmanagement und Informationsmanagement. Das Linzer Aufbaustudium richtet sich daher an Personen, die in diesen Bereichen arbeiten oder eine solche Tätigkeit anstreben sowie an Organisationen, die Wissensmanagement-Projekte oder -Programme starten wollen.

Kontaktdaten:
Mag.a Monika Maroscher, MBA
Bildungsmanagement
Johannes Kepler Universität Linz
Institut für Wirtschaftsinformatik – Communications Engineering
Freistädterstrasse 315, 4040 Linz, Austria
Email. wissensmanagement.ce@jku.at
Web. http://wissensmanagement.ce.jku.at
Tel. +43 (0) 732 / 770077-82
Mobil. +43 (0) 676 / 96 103 20

Literatur
Probst, G. .J., Raub, S. & Romhardt, K. (1997), Wissen managen. Wie Unternehmen ihre wertvollste Ressource optimal nutzen. Frankfurt/M.
http://www.schulpaed.de/de/wissensmanagement.html  (12-11-21)




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