Territorialverhalten

Als Territorialverhalten oder Revierverhalten bezeichnet man das Verhalten von Tieren aber auch von Menschen, ihr eigenes Territorium gegen andere Lebewesen der gleichen Art zu verteidigen und gegen deren Territorien abzugrenzen. Damit sollen vor allem Nahrungs- und Sexualkonkurrenten auf Distanz gehalten werden. Zum Territorialverhalten werden dabei auch die Verhaltensweisen gezählt, die das Revier und seine Grenzen markieren, bei Tieren sind das vorwiegend Duftmarken oder Lautäußerungen. Der Begriff wird manchmal ironisch benutzt, um bestimmte Verhaltensmuster beim Menschen zu beschreiben. Grundsätzlich betrachtet gehört das Territorialverhalten aber zu den grundlegenden instinktiven Mechanismen des Sozialverhaltens bei Mensch und Tier, die beim Menschen teilweise kulturell überformt werden.

Das Territorialverhalten ist daher fester Bestandteil menschlicher Kulturen. Beim Territorialverhalten bzw. auch Distanzverhalten wird allgemein zwischen vier Zonenräumen zu unterschieden:

  • der Intimzone (15 -50 cm) ist die Wichtigste Zone des Menschen, denn in diese Zone dürfen nur Menschen mit einer besonderen Erlaubnis eindringen, mit denen ein enger emotionaler Kontakt besteht,
  • der  Privatzone (50 -1,2 m) ist eine gewöhnliche Entfernung zwischen den Menschen in einer Party oder ähnlichen Veranstaltungen. In diesem Bereich führt man persönliche Gespräche, ohne sich bedrängt zu fühlen,
  • der Sozialzone (1,2 – 3,6 m) , in der  man mit Unbekannten kommuniziert,
  • der Öffentlichkeitszone (mehr als 3,6 m) ist die beste Entfernung, wenn man sich an eine Gruppe von Menschen wendet.

Es ist wichtig, das Distanzbedürfnis anderer Menschen zu respektieren, denn wer jemandem zu nahe rückt, darf sich nicht wundern, wenn er sich beim anderen unbeliebt macht. Das unerlaubte Eindringen in die intime Distanzzone wird praktisch immer als unerwünschte Grenzübertretung empfunden. Das ist allerdings kulturell sehr unterschiedlich, denn etwa in Südamerika oder auch im Süden Europas sind die Distanzzonen geringer ausgeprägt als in Mitteleuropa.

Beispiel: Territorialverhalten von Badegästen im Kampf um Liegen

[Quelle: www.youtube.com/v/I9s8wPPmwhk]

Das Territorialverhalten wird manchmal auch als Revierverhalten bezeichnet und kennzeichnet das gegen Artgenossen gerichtetes Verhalten von Tieren, um das Territorium (Revier) zu verteidigen (Brutpflege, Futter, Balz): Ausschaltung von Nahrungskonkurrenten und/oder eine räumliche Ausbreitung der Gattung (Ethologie, Soziobiologie).

Kleiner Distanzzonen-Versuch

Einen interessanten Versuch zum Thema soziale Distanz kann man ganz einfach selbst in einem Lokal, in einem Café oder bei einem Meeting, wenn man mit anderen an einem Tisch sitzt, durchführen. Dazu muss man nur wissen, dass Menschen die Gewohnheit haben, dabei ihre intime Distanzzone abzustecken, wobei sie dafür jene Gegenstände benutzen, die ihnen zur Verfügung stehen, also etwa Zuckerstreuer, Aschenbecher, Zigarettenschachtel, Kaffeetasse, Tischdekoration, Stift oder Schreibblock. Wenn man nun unauffällig einen der Gegenstände, die im eigenen Bereich liegen, langsam und allmählich so in die intime Distanzzone des anderen schiebt, dass er es nicht bewusst wahrnimmt, dann wird man unter Umständen beobachten können, dass der Gesprächspartner unruhig wird und Signale der Unsicherheit sendet.

Siehe dazu im Detail: Nonverbale Kommunikation





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  1. One Response to “Territorialverhalten”

  2. das ist echt… spannend (?)…

    By Einfach ich on Feb 25, 2013

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