Klartraum

KlartraumDer Klartraum wird auch als luzider Traum bezeichnet. Die Theorie des luziden Träumens geht davon aus, dass sowohl das bewusste Träumen als auch die Fähigkeit zum willentlichen Steuern von Trauminhalten erlernbar sind.

Bei einem Klartraum handelt es sich demnach um einen Traumzustand, bei dem sich die oder der Betroffene der Tatsache bewusst ist, dass sie oder er träumt. Dieses Bewusstsein und die damit verbundene Fähigkeit, Trauminhalte zu kontrollieren und gezielt zu verändern, ist grundsätzlich zwar erlernbar, wenn auch nicht unbedingt von jeder oder jedem und in gleichem Ausmaß. Das luzide Träumen bzw. das Klarträumen ist eine Behandlungsmethode von Alpträumen, aber in seltenen Fällen kann das Erleben eines Alptraums auch einen Klartraum auslösen, indem die oder der Betroffene plötzlich erkennt, dass die Umgebung in der er sich befindet, nicht real ist. Bisher unbewusste Träumer können durch dieses Erlebnis lernen, Träume bewusst als solche zu erkennen.
Alpträume sind für die meisten Menschen deshalb so emotional belastend, da sie der Träumende für real hält, und auch die Angst, die Menschen dabei verspüren, wenn sie im Traum von einem Tier attackiert werden, wird als äußerst real „erlebt“. Manche Menschen bemerken aber in diesen Traumphasen, dass es sich nur um Phantasiebilder handelt, d.h., ihnen wird beim Träumen bewusst, dass sie sich in einem Traum befinden. Wenn Schlafende während eines Traums realisieren, dass sie nur Phantasiebilder sehen, spricht man von „Klarträumen“. Das Gehirn nimmt bei „Klarträumen“ offensichtlich zwei Bewusstseinszustände gleichzeitig ein: das schlafende Gehirn träumt und unternimmt zeitgleich eine kritische Bewertung und Realitätsüberprüfung dieser Traumphantasien, was sich darin äußert, dass sich dabei die Aktivität des frontalen Cortex signifikant verändert, der für die rationale Bewertung von Geschehnissen zuständig ist und im Schlaf weitgehend inaktiv bleibt. Die Fähigkeit zum Klarträumen lässt sich zumindet teilweise auch üben.

Nach Tholey sind die Unterschiede zwischen gewöhnlichen Träumen und Klarträumen folgende Merkmale:

  1. Der Träumer ist sich darüber im Klaren, dass er träumt.
  2. Der Träumer ist sich über seine Entscheidungsfreiheit im Klaren.
  3. Das Bewusstsein ist klar, es gibt keine traumtypische Verwirrung oder Bewusstseinstrübungen.
  4. Die Wahrnehmung der fünf Sinne ist wie im Wachzustand.
  5. Es besteht Klarheit über das Wachleben, also darüber, wer man ist oder was man sich für den Klartraum vorgenommen hat.
  6. Nach dem Traum gibt es eine klare Erinnerung.
  7. Der Träumer ist sich über den Sinn des Traums im Klaren.

Klarträumen wird auch zur Therapie von Alpträumen und bei posttraumatischen Belastungsstörungen eingesetzt, denn wenn der Schlafende weiß, dass er träumt, kann er die Handlung des Traums mitbestimmen. Im Klartraum ist dabei vor allem jener Teil des Gehirns aktiv, der auch sonst aktiv ist, wenn der Mensch über sich selber nachdenkt.

Es gibt übrigens bestimmte Yogaformen, insbesondere das Traumyoga, die auf das Erlernen des Klarträumens abzielen.

Literatur
Tholey, Paul & Utecht, Kaleb (2000). Schöpferisch träumen. Der Klartraum als Lebenshilfe. Wie Sie im Schlaf das Leben meistern. Eschborn: Klotz.
Bildquelle:
Hobson, J. Allan (2000). Schlaf. Gehirnaktivität im Ruhezustand. Heidelberg: Spektrum Akad. Verlag.




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  1. 3 Responses to “Klartraum”

  2. Tholey ist mit Sicherheit eine der besten Informationsquellen im deutschsprachigen Raum. Er hat mir persönlich sehr dabei geholfen, meinen ersten Klartraum zu erleben. Das ist jetzt schon eine ganze weile her und ich bin immer noch begeistert, was luzides Träumen einem alles ermöglicht.

    By Jens on Jun 4, 2010

  3. Und jeder kann Klarträumen bzw. luzides Träumen lernen! Am einfachsten ist dies mit Traumzeichen, Realitäts-Checks oder der NILD-Technik. Nach knapp einer Woche habe ich fast jede Nacht Klarträume.
    Mfg

    By Luzider Träumer on Mrz 16, 2011

  4. Wow sehr ausführlicher Post! Da bekommt man als Anfänger gleich einen etwas tieferen Einblick. Ich habe allerdings die besten Ergebnisse mit einer ganz simplen Technik bekommen.
    Ich habe mir einfach jeden Tag eine Stunde lang vorgestellt, ich würde gerade träumen. Obwohl ich natürlich wach war. Ich bin also in meinem „Traum“-Büro gesessen, habe meinen „Traum“-Computer bedient und meine „Traum“-Arbeit gemacht.
    Wenn man das eine Woche lang durchzieht, wird man um einiges öfter merken, wenn man wirklich träumt.

    By Dr. Klartraum on Sep 10, 2012

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