Religionspsychologie

Die Religionspsychologie hat sich Ende des 19. Jahrhunderts als eigenständige, psychologische Disziplin herausgebildet und beschäftigt sich mit dem Seelenleben des Menschen, insofern es religiös ist. Schon Sigmund Freud, Karl und Charlotte Bühler, Karl Beth haben sich mit dem religiösen Seelenleben beschäftigt und -ausgehend von Wien weltweite Netzwerke geknüpft. Diese fanden nach 1938 mit der Zwangsemigration der WissenschafterInnen ein jähes Ende.

Die Religionspsychologie ist ein Teilgebiet der Angewandten Psychologie und der Religionswissenschaft, das sich mit psychologischen Fragen zur Religion befasst. Religiosität muss dabei nicht unbedingt an eine bestimmte Glaubensrichtung gebunden sein, denn immer mehr durchaus säkulare Menschen schneidern sich ihr eigenes, individuelles Sinnsystem zurecht. Die Religionspsychologie untersucht daher Formen, Gesetze und Entwicklung des religiösen Lebens auf Ebene des Individuums oder der Gruppe. Sie betrachtet somit die psychischen Voraussetzungen und Vorgänge beim religiösen Erleben, Denken, Fühlen und Handeln. Insbesondere zählen dazu religiöser Glaube und Zweifel, Gotteserlebnis, Ekstase und Phänomene wie Missionierung und Bekehrung, Reue und Schuldgefühle, Buße und Beichte, aber auch das Gebet.

Wissenschaftliche Befunde zur Wirkung von Religiosität gleichen in mancher Beziehung Befunden zum Einfluss von Optimismus auf die Gesundheit. Sowohl bei religiösen Menschen als auch bei Optimisten scheinen die persönliche Weltsicht und die grundlegende Einstellung zum Leben entscheidende Wirkung zu haben. Bei beiden sind auch Gelassenheit und ein Grundvertrauen in den Gang der Dinge Wesensmerkmale.

Religiosität und spirituelle Praktiken können bei Menschen übrigens ein stärkeres Immunsystem bewirken, denn solche Menschen haben oft niedrigere Werte von Interleukin-6, was als Zeichen eines schwachen Immunsystems gilt. Die Heilwirkung sowohl christlicher als auch buddhistischer Meditation ist aber nur dann besonders groß, wenn sie weder zielgerichtet noch funktional eingesetzt wird, d.h., dass Gesundheit und Entspannung nur als individuelle Nebeneffekte eintreten und nicht als therapeutische Mapnahme eingesetzt werden können. Meta-Untersuchungen vor allem in den USA zeigten, dass Religiosität sich im Durchschnitt in 84 Prozent positiv, in 13 Prozent neutral und nur in drei Prozent abträglich auswirkt. Gläubige, die ständig in der Furcht leben, für ihre Sünden von Gott bestraft zu werden, und das auch in ihrer Gemeinde ein bedrohliches Klima erleben, neigen stärker zu Depressionen, Ängsten und psychosomatischen Störungen als andere, während der Glaube an einen liebevollen Gott, der die menschlichen Schwächen eher nachsichtig beurteilt, in Verbindung mit emotionaler Geborgenheit in einer Gemeinschaft psychisches und körperliches Wohlbefinden befördert.

Zur krankmachenden Wirkung siehe z.B. Das Wunder Gloria Polo Ortiz im Lichte medizinischer Fakten

Quelle: APA/dpa, 23.3.05

Post a Comment

Diese Seiten sind Bestandteil der Domain www.stangl.eu