Um den vollen Funktionsumfang dieser Webseite zu erfahren, benötigen Sie JavaScript. Hier finden Sie die Anleitung wie Sie JavaScript in Ihrem Browser einschalten.

aktives Zuhören

Wenn ich etwas sage, kann ich nur das, was ich weiß, wiedergeben.
Wenn ich zuhöre, lerne ich vielleicht Neues kennen.
Dalai Lama

Aktives Zuhören ist in der der klientenzentrierten Psychotherapie von Carl Rogers das empathische Zuhören, bei dem der Zuhörer (meist der Therapeut) das Gehörte in eigenen Worten wiedergibt und verdeutlicht, was er gehört hat. Der Therapeut interpretiert daher die Äußerungen des Klienten nicht, er stellt keine Diagnose,sondern alles was er tut ist, dem Klienten voll Empathie zuzuhören und ihn zum Sprechen zu ermutigen, ihm insgesamt Mut zu machen, die aktuellen Probleme anzugehen und seine Ziele zu verwirklichen. Dieser nondirektive Ansatz war es, der viele Scharlatane auf den Platz rief, die glaubte, dass sich Therapie in bloßer Anwesenheit des Therapeuten äußert und dafür keinerlei Ausbildung notwendig ist. Die Kunst des achtsamen Zuhörens wurde übrigens schon im Buddhismus vor über dreitausend Jahren betont, wonach Zuhören keine Technik sondern eine Haltung darstellt, indem man seinem Gegenüber offen, zugewandt, mitfühlend und wertfrei gegenübertritt. Achtsames Zuhören kann man aber lernen und üben, indem man sich achtsames Zuhören zum Vorsatz nimmt. Wenn man sich überlegt, dass ein Gespräch eine Investition in die Beziehung darstellt und versucht, dem Gegenüber in jeder Sekunde zu folgen ohne gedanklich abzuschweifen. Das erfordert zunächst Selbstdisziplin und ist unter Umständen anstrengender als selbst zu sprechen.

Das Problem des Turn-Taking

Da das menschliche Gehirn aufgrund seiner neurologischen Ausstattung in der Lage ist, bis zu 450 Wörter pro Minute zu verarbeiten, im Schnitt in einem normalen Dialog jedoch nur etwa 175 gesprochen werden, bringt dieses Ungleichgewicht Lücken hervor, in die sich die inneren Kommentare des Zuhörers drängen. Zusätzlich werden Aussagen des anderen automatisch im limbischen System bewertet. Daher ist man bei einem Gespräch häufig damit beschäftigt, sich während des Zuhörens schon eine entsprechende Antwort zurechtzulegen, um eine schnellen Antwort parat zu haben, statt zunächst das Gehörte zu überdenken und reflektiert zu erwidern. Das führt dann dazu, dass man dem anderen ins Wort fällt und diesen unterbricht. Bei einer Kommunikation ist übrigens das Turn-Taking, also jenen Moment zu erkennen, in dem einer spricht und der andere zuhört, bis er mit Reden an der Reihe ist, eine Herausforderung. Normalerweise herrscht bei einem flüssigen Dialog immer zwischen 150 und 300 Millisekunden lang Stille, bevor der andere das Wort ergreift. Dauert die Pause eine Sekunde oder länger, nimmt der andere an, dass diese eine Bedeutung hat oder etwas nicht stimmt. Diese Zeitspanne ist für das Gehirn viel zu kurz, um ein Wort oder einen ganzen Satz vorzubereiten, sodass die üblichen Pausen von etwa 300 Millisekunden vor einem Sprecherwechsel also bei weitem nicht ausreichen, um seine eigene Antwort zu formulieren. Man vermutet daher, dass einerseits langjährige Übung dahinter steckt, andererseits dass es in vielen Situationen gar nicht notwendig ist, den gesamten Satz zu hören, um passend antworten zu können. Das heißt nichts anderes, dass in vielen Dialogen Antworten auf Grund von Erwartungen, Vermutungen oder sogar Raten zustande kommen.

Aktives Zuhören und Erinnerung

In Untersuchungen zeigte sich übrigens, dass aufmerksame Zuhörer sich in Gesprächen über Ereignisse, die tagelang zurückliegen, an zusätzliche Details erinnern, da die Rolle des Zuhörers zu einer Auffrischung der fragmentarisch vorhandenen Erinnerungen führt. Der erste Redner aktiviert den Erinnerungsprozess und bringt selektiv einzelne Passagen der gemeinsamen Vergangenheit zur Sprache.

Siehe dazu Klientenzentrierte Therapie nach Carl Ransom Rogers.

Synchronisation zwischen Sprechern und Zuhörern

Beim Hören von Sprache folgen neuronale Schwingungen der Sprachdynamik auf prädiktive Weise, d. h., neuronale Schwingungen reagieren auf die vergangenen Sprachrhythmen, etwa nach einer Änderung der Sprechgeschwindigkeit. Diese Schwingungen sind mit Veränderungen in den wahrgenommenen Wörtern verbunden, was darauf hindeutet, dass neuronale Schwingungen die Sprachwahrnehmung aktiv beeinflussen. Wenn jemand zu sprechen beginnt, entstehen beim Zuhörer dabei unbewusste Erwartungshaltungen, d. h., der Zuhörer ahnt gewissermaßen schon, was kommen wird. Manche Menschen haben bekanntlich die Angewohnheit, Sätze des Gegenüber manchmal zu beenden oder entwickeln parallel zum Zuhören ihre Antwort. Dieses Wechselspiel spiegelt sich auch im Gehirn wider, indem die Gehirnaktivitäten von Sprechern und Zuhörern aneinander gekoppelt werden und deren Gehirne mehr oder weniger im gleichen Takt arbeiten. Kosem et al. (2018) konnten zeigen, dass sich die Gehirnströme an das Anfangstempo bei einem Gespräch anpassen und diesen Rhythmus während des Gesprochenen beibehalten. Offensichtlich benutzt das Gehirn die Anfangsgeschwindigkeit als Maßstab dafür, was kommen wird. Dabei hilft die Anpassung der Gehirnwellen an die Sprechgeschwindigkeit, die relative Länge der kommenden Silben einzuschätzen.

Literatur

Kosem, A., Bosker, H. R., Takashima, A., Meyer, A., Jensen, O. & Hagoort, P. (2018). Neural Entrainment Determines the Words We Hear. Current Biology, 28, 1–9.
http://www.focus.de/gesundheit/experten/hornig/die-kunst-des-zuhoerens-ein-oft-unterschaetzter-erfolgsfaktor_id_6547007.html (17-02-05)



Falls Sie in diesem Beitrag nicht fündig geworden sind, können Sie mit der folgenden Suche weiter recherchieren:


Das Lexikon in Ihren Netzwerken empfehlen:

Weitere Seiten zum Thema



You must be logged in to post a comment.



Diese Seiten sind Bestandteil der Domain www.stangl.eu

© Werner Stangl Linz 2018