Paradoxe Intervention

Die Paradoxe Intervention ist eine psychotherapeutische Methode aus der systemischen Therapie, die eingesetzt wird, um paradoxe Kommunikation aufzulösen. Durch die paradoxe Intervention soll eine festgefahrene Sichtweise erschüttert werden, um so eine Problemlösung möglich zu machen. Das mit der paradoxen Intervention ausgedrückte Verständnis besagt, dass das menschliche Verhalten berechenbar ist. Die Maßnahme dient der Manipulation der Klienten und ist schwer zu kontrollieren, und wird inzwischen nur noch selten eingesetzt.
Allerdings sind paradoxe Aufgaben sind überall dort angebracht, wo sich soziale Systeme wie Familien, Paarbeziehungen oder Unternehmen den unmittelbaren Wegen zur Veränderung widersetzen oder wo solche wirkungslos sind. Wo Systeme durch dysfunktionale Muster zusammengehalten werden, wird jede Veränderung als Bedrohung der Stabilisierungsregeln empfunden, daher verschreibt man genau das, was sie ohnehin tun.
Paradoxe Interventionen wirken deshalb, da man von der Prämisse ausgeht, dass jeder Mensch egozentriert autonom ist, d.h., dass die Selbstbestimmung über eine Abgrenzung im Sinne von Anders-Sein läuf und man nur dann autonom ist, wenn man sich einer Fremdbestimmung gegenüber abgrenzen kann. Wenn diese Prämisse zutrifft, führt eben die Vorschreibung von Minus zu Plus und vice versa.

Die paradoxe Intervention ist nicht zu verwechseln mit der paradoxen Intention, bei der KlientInnen geradezu aufgefordert werden, sich in paradoxer Weise sich genau das herbeizuwünschen, wovor sie Angst haben. Dieser Methode zugrunde liegt die Vorstellung, dass dadurch sich selbst bestätigende und erfüllende Teufelskreise der Angst durchbrochen werden können. Die paradoxe Intention ist eine kognitive Technik der Logotherapie Viktor E. Frankls.

Anschauliches Beispiel aus  der Literatur
Ein älterer Herr sitzt um die Mittagszeit auf einer Bank im Park. Da kommt eine Horde junger Burschen, die ihn beschimpfen. Beim ersten Mal steigt er auf das Spiel ein, versucht die Burschen zu vertreiben, beschimpft sie ebenfalls. Am nächsten Tag das gleiche Spiel. Am dritten Tag kommt er auf eine glorreiche Idee: Er ruft die schimpfenden Burschen zu sich und lobt sie für das, was sie tun und verspricht ihnen, wenn sie am nächsten Tag wieder kommen, ihnen ein Eis zu spendieren. Jubelnd kommen die Burschen am nächsten Tag und beschimpfen den alten Mann so gut sie können. Dieser macht sein Versprechen wahr und lobt sie dafür, spendiert ihnen ein Eis und sagt: „Morgen sehen wir uns wieder, wenn ihr gut schimpft, bezahle ich euch wieder ein Eis.” Am anderen Tag, sind die Burschen nicht mehr gekommen.
Mark Twain

Literatur
Watzlawick, P. , Beawin, J. H.  &  Jackson, D. D. (1982). Menschliche Kommunikation. Formen, Störungen, Paradoxien. Bern, Stuttgart, Wien: Huber.
Sticht-Truchlik, Gabriela (2012). Die paradoxe Intervention.
WWW: http://www.beziehungsweise.biz/mediation_methoden_paradox.php (12-04-21)


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