Herdentrieb – herding

Herding ist die englische Bezeichnung für Herdenverhalten, das als das Verhalten einer Masse von Individuen in Folge individueller Interaktionen definiert wird. Es handelt sich dabei also um unter Individuen korrelierte Verhaltensmuster bzw. Entscheidungen, denen durchaus unterschiedliche private Informationen zugrunde liegen können. Besonders gut kann man das an der Börse beobachten, wenn sich einzelne Entscheidungsträger unter der Berücksichtigung anderer Akteure für dasselbe Verhalten entscheiden, meist das Verkaufen von Aktien, wenngleich eine individuelle isoliert getroffene Entscheidung anders ausfallen würde. Herdenverhalten kann aus rationalen aber auch häufiger aus irrationalen Gründen entstehen. Irrational ist es dann, wenn etwa Aktienbesitzer blind das Verhalten anderer nachahmen, da sie sich auf Grund eines Bedürfnisses nach Konformität und Sicherheit und weniger durch objektive Kriterien beeinflussen lassen. In Extremfällen verwerfen dann Menschen die eigenen Ideen und auch Ideale, um der Herde zu folgen.

Der Herdentrieb ist auch auf Internet-Plattformen zu beobachten, auf der NutzerInnen Links zu Nachrichten oder Geschichten teilen und diskutieren können, wobei sie die Kommentare anderer Nutzer mit einer positiven oder einer negativen Bewertung versehen können – Upvote oder Downvote. In einer Studie beobachtete man über fünf Monate mehr als hunderttausend Kommentare, wobei die erste Bewertung einiger Kommentare manipuliert wurde: Manche erhielten ein automatisches Plus, andere ein Minus. Es zeigte sich, dass wenn ein Kommentar zuerst positiv bewertet wurde,  er weitere Unterstützung erhielt, und zwar hatten solche Kommentare am Ende eine um ein Viertel höhere Bewertung als Vergleichskommentare ohne diesen künstlichen Vorsprung. Bei einer negativen Erstbewertung beobachtete man hingegen einen Ausgleichseffekt, denn offenbar wollten andere NutzerInnen den schlechten Eindruck der ersten Bewertung ausgleichen, wobei NutzerInnen allgemein mehr positive als negative Bewertungen verteilten. Während sich positiver Einfluss ansammelt und eine Tendenz zu Bewertungsblasen aufweist, wird negativer Einfluss von der Mehrheit der NutzerInnen korrigiert. Generell zogen Kommentare, die schon eine Bewertung aufwiesen, weitere Bewertungen an, d. h., NutzerInnen waren also eher geneigt, ihre Meinung zu äußern, wenn das schon andere vor ihnen getan hatten. Man vermutet, dass diese Effekte auch bei Wahlumfragen, Börsenkursen und Produktempfehlungen im Netz eine Rolle spielen (vgl. Muchnik, Sinan & Taylor, 2013).

Literatur
Muchnik, Lev, Aral, Sinan & Taylor,Sean J. (2013). Social Influence Bias: A Randomized Experiment. Science, 341, 647-651.



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  1. One Response to “Herdentrieb – herding”

  2. Gefaellt mir gut der Blog. Gute Themenwahl.

    By Hendrik on Aug 11, 2011

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