Regression

1. Definition
Der Begriff „Regression“ kommt aus dem Lateinischen und bedeutet das Zurückweichen eines Meeres, was auf Meeresspiegelschwankungen zurückzuführen ist. Sigmund Freud definiert den Begriff als Abwehrmechanismus, der zu einer Neurose führt. Abwehrmechanismen werden durch Reaktivierungen älterer Verhaltensweisen verursacht (vgl. Duden 1967, S. 669; Stichwort: Regression).

2. Definition
Regression bedeutet das Zurückschreiten und Zurückgreifen, sowohl im Sinne der Rückbildung als Atrophie und Degeneration, als auch das Zurückgreifen auf frühere Entwicklungsstadien (vgl. Dorsch, 1976, S. 500).

3. Definition
Regression kann ein Bestreben sein, ein kleines Kind zu bleiben. Nach und nach bilden sich Regressionen immer wieder bei Bewältigung von Schwierigkeiten heraus. Sigmund Freud bezeichnet diese Verhaltensweisen als „Abwehrmechanismen“ (vgl. Lersch, Sander & Thomae, 1959, S. 463).

4. Definition
„Statistische Regression ist ein methodisches Artefakt, das dazu führt, dass bei wiederholten Messungen extreme Messwerte zum Mittelwert der Referenzpopulation tendieren“ (Strube, 1996, S. 572).

5. Definition
Unter Regression wird eine Rückkehr zu früheren Entwicklungsformen des Denkens, der Objektbeziehungen und der Strukturierung des Verhaltens, verstanden (vgl. Laplanche, Pontalis, 1972, S. 436).

Regression in der Psychoanalyse

Stellt sich dem Menschen in seinen Handlungen oder Lebensbestrebungen irgendein Hindernis entgegen, so gibt es rein theoretisch zwei Möglichkeiten: Entweder überwindet er das Hindernis, oder er scheitert. Die Psychoanalyse konnte den Nachweis erbringen, dass der Mensch im zweiten Fall in der Regel nicht einfach zur Tagesordnung übergeht, sondern als Antwort auf sein Frustrationserlebnis regrediert, d.h. eine Verhaltensweise äussert, die einer entwicklungsmässig (genetisch) früheren Stufe entspricht. Diese Regression ist insofern ein Abwehrmechanismus, als sie offenbar dazu dient, die mit dem Scheitern verbundenen Minderwertigkeits-, Schuld- und Angstgefühle nicht ins Bewusstsein kommen zu lassen. Die bewusste Auseinandersetzung mit diesen belastenden Inhalten wird gewissermassen überkleistert durch eine kindische Ersatzhandlung.

Neben diesen Regressionen, die als Abwehrmechanismus und insofern als neurotisch zu betrachten sind, gibt es eine Anzahl von regressiven Handlungen und Lebensvollzügen, die der Aufrechterhaltung des psychischen Gleichgewichts dienen. Solche ‘legitimen’ Regressionen sind z. B. der Schlaf, das sexuelle Erleben, das Spiel, das belanglose Blödeln oder das Mitschreien im Eisstadion. Der tiefenpsychologisch ausgerichtete Anthropologe neigt dazu, das psychische Geschehen als ein Wechselspiel zu betrachten, in welchem sich Licht und Schatten, Zielgerichtetheit und Laisser-faire, Rationales und Irrationales, Pflichterfüllung und Lustgewinn die Waage halten sollen. Dementsprechend sind ihm alle möglichen Formen der Regression (die konkrete Wahl ist eine Stilfrage) der nötige Ausgleich zum progressiven Verhalten: zur zielgerichteten, rationalen und den gegebenen Ordnungen unterworfenen Lebensaktivität.

Regression beim Lesen – Zurückspringen im Text

Regression bedeutet im Zusammenhang mit dem Lesen das Zurückspringen der Augen im Text, wobei dadurch ein Großteil der Konzentration und Zeit  daher auf das Suchen der richtigen Textstelle verloren geht. Hinzu kommt, dass durch das Zurückspringen der Augen auch manchmal die innere Struktur der Sätze verloren geht, denn wenn man mitten im Satz zwei Zeilen zurückspringt, gerät auch der Fluss des Textes unter Umständen durcheinander und das Gehirn ist so irritiert, dass man in der Folge gedanklich völlig abschweift.

Verwendete Literatur
Brühlmeier, Arthur (2011). Die Psychoanalyse Sigmund Freuds.
WWW: http://www.bruehlmeier.info/freud.htm (11-11-01)
Dorsch, F. (1976). Psychologisches Wörterbuch. Bern: Verlag Hans Huber.
Duden (1967). Das große Duden-Lexikon in acht Bänden. 3. Auflage. Stuttgart: Verlag Hans Hug.
Fellner, Richard L. (2004). Die Psychoanalyse Sigmund Freuds.
WWW: http://www.psychotherapiepraxis.at/artikel/psychoanalyse/psychoanalyse.phtml (09-05-21)
Laplanche J. & Pontalis J.-B. (1972). Das Vokabular der Psychoanalyse. Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag.
Lersch Ph., Sander F. & Thomae H. (1959). Handbuch der Psychologie. Göttingen: Verlag für Psychologie.
Strube, G. (1996). Wörterbuch der Kognitionswissenschaft. Stuttgart: Klett-Cotta.





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