Loss-Aversion

Denke nicht so oft an das, was dir fehlt,
sondern an das, was du hast.
Mark Aurel

Die Wertefunktion der Prospect Theory hat gezeigt, dass die Wahrnehmung von Gewinnen und Verlusten in Spielen (etwa in Computerspielen) aber auch im realen Leben (etwa bei der Börsenspekulation) auf höchst unterschiedliche Weise geschehen kann. Aus empirischen Untersuchungen ist bekannt, dass Menschen Verluste in der Regel stärker bewerten als Gewinne in gleicher Höhe. Dieses Phänomen wird von Kahneman und Tversky als Verlustaversion (Loss Aversion) bezeichnet. In ihrer Prospect Theory widerlegen Kahneman und Tversky (1979) die neoklassische Theorie des rationalen Entscheidungsverhalten sowie das damit verbundene Menschenbild vom homo oeconomicus und diskutieren das Konzept der Loss Aversion, anhand derer später der Endowment Effect erklärt wird. Loss Aversion selbst beschreibt das Phänomen, dass ein Individuum einen Verlust asymmetrisch, nämlich höher bewertet als einen identischen Gewinn. So wird der mögliche Verlust von $100 tendenziell als weitaus negativer eingestuft, als die mögliche Aussicht $100 zu gewinnen, obwohl die Chancen mit einer Wahrscheinlichkeit von 50:50 vollkommen ausgeglichen sind und die Gewinn-/Verlustsumme identisch ist.

Erklären lässt sich das Phänomen der Verlustaversion u.a. mit Hilfe der Dissonanztheorie. Da Verluste offensichtlich nicht für die Richtigkeit einer Entscheidung sprechen, erzeugen sie Dissonanz, die den Entscheider in einen Rechtfertigungsdruck bringt und dabei (psychologische) Kosten erzeugt. In Gewinnbereich entstehen diese Kosten natürlich nicht, wodurch sich der typische Verlauf der Wertfunktion ergibt. Der Drang die Dissonanz zu reduzieren bzw. aufzulösen ist hierbei unmittelbar vom Grad der jeweiligen Verantwortung (Commitment) abhängig. Folglich ist auch der Grad der Verlustaversion unmittelbar vom Commitment abhängig. Mit ansteigendem Commitment nimmt auch der Grad der Verlustaversion zu, d.h., die Steigung der Wertefunktion ist hier im Verlustbereich deutlich höher als im Gewinnbereich. Dieser Zusammenhang erscheint plausibel, wenn man bedenkt, dass eine zunehmende Verantwortung dazu führt, dass die Verluste dem Entscheider direkt zurechenbar sind.
Nach neueren psychologischen Studien tendieren auch bei Computerspielen viele Menschen dazu, sich möglichst viele Optionen offen zu halten. In einem Experiment von Jiwoong Shin und Dan Ariely konnten Teilnehmer Geld gewinnen, das sie am Ende real ausbezahlt bekommen sollten. Verschiedenfarbige Türen standen zur Auswahl. Durch einen Klick öffneten sich diese und die Teilnehmer bekamen den Wert der jeweiligen Türöffnung (zwischen 0 und 14 Cent) gutgeschrieben. Zusätzlich wurde die Variation ins Spiel integriert, dass sich die Größe einer Tür um 1/15 verringert, wenn sie nicht ausgewählt wurde. Die Forscher konnten feststellen, dass die Teilnehmer nach spätestens 14 Runden und kurz bevor die Tür verschwinden würde, diese mit einem Klick gerettet haben, obwohl sie sich vorher 14 Runden lang nicht für diese Tür interessiert hatten. Die Option dieser Tür wollten die Teilnehmer also nicht missen, wobei sodass der potenzielle Verlust der Option die Tür für die Teilnehmer noch interessanter gemacht hatte, auch wenn die Option auf den ersten Blick unwichtig erschienen war. Menschen tendieren also offensichtlich dazu, einem Verlust an Optionen mehr Gewichtung beizumessen, als einem tatsächlichen Gewinn.

Quellen
http://www.ichspiele.cc/news/ fallout-new-vegas-beispiel-fuer-verlust-aversion-5774.html (11-06-11)
http://www.hausarbeiten.de/faecher/vorschau/42470.html (11-03-03)





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