Prägung
Prägung bezeichnet in der Psychologie jenen Vorgang, der bei manchen Lebewesens zur Ausbildung eines Bindungsverhaltens führt, wobei diese meist nur in einer dafür kritischen bzw. lernsensiblen Phase erfolgen kann. Die Prägung ist ein obligatorischer Lernvorgang, der sich auf eine bestimmte Verhaltensweise bezieht und in der Ontogenese nur einmal, in einer lernsensiblen Phase, stattfinden kann, wobei späteres Umlernen nicht mehr möglich ist.
„Am Phänomen der Prägung lässt sich auch am deutlichsten zeigen, dass die Vorgänge, die in der kritischen Periode ablaufen, fundamental von denen verschieden sind, die nach der kritischen Periode auftreten. Der Einfluss spezifischer Erfahrungen unterliegt ganz anderen Gesetzen, und die Langzeitwirkungen dieser Erfahrungen sind grundverschieden“ (Hess, 1964, S. 86).
„Besonders kurze sensible Phasen und damit besonders drastische Veränderungen in der Modifizierbarkeit des Verhaltens kennzeichnen einen Vorgang, der in der Geschichte der Verhaltensforschung eine große Rolle gespielt hat und als Prägung bekannt ist“ (Herrmann, Hofstätter, Huber & Weinert, 1977, S. 510f).
„Unter dem Begriff Prägung werden Lernprozesse zusammengefasst, die an sensible Phasen der Verhaltensontogenese gebunden sind und zu lange anhaltenden, oft irreversiblen Veränderungen des Verhaltens führen“ (Franck, 1985, S. 100).
Auch andere Autoren sehen sie als einen besonderen Lernvorgang an, der sich von anderen Lernprozessen mehr oder minder grundsätzlich unterscheidet, während andere ihr keinen Sonderstatus zuerkennen und sie der Konditionierung im weiteren Sinne zuordnen (vgl. Immelmann, Pröve & Sossinka, 1996, S. 142).
Die angeborenen, auslösenden Mechanismen sind für manche angeborenen Verhaltensweisen nicht sehr genau und sie erfahren ihre Präzisierung auf das richtige Objekt durch eine höchst merkwürdige Art von Lernvorgang, die sich vom normalen Lernen dadurch unterscheidet (vgl. Lorenz, 1968, S. 66).
Literatur
Franck, D. (1985). Verhaltensbiologie, Einführung in die Ethologie. Stuttgart: Georg Thieme Verlag.
Immelmann, K., Pröve, E. & Sossinka, R. (1996). Einführung in die Verhaltensforschung. Berlin/ Wien: Blackwell Wissenschafts-Verlag.
Lorenz, K. (1968). Antriebe tierischen und menschlichen Verhaltens. München: R. Piper & Co. Verlag.
Hermann, T., Hofstätter, P. R., Huber, H. P. & Weinert, F. E. (1977). Handbuch psychologischer Grundbegriffe. München: Kösel-Verlag.
Hess, E. H. (1964). Prägung. München: Kindler Verlag GmbH.

