Hermeneutik

Unter Hermeneutik versteht man im Allgemeinen das Auslegen und Verstehen von Texten. Aufgabe der Hermeneutik ist es den „Inneren Sinn“ aus einer Aufgabe, Text herauszufiltern. Dabei bedient sich die Hermeneutik auch der Bedeutung von Symbolen und sonstigen Vorkenntnissen von Personen. (z.B.: Verkehrszeichen, wird wahrgenommen, rund, weiß, roter Rand = „Äußere“ des Zeichens. Sein „Inneres“ hat eine tiefere Bedeutung → in diese Straße darf ich nicht hinein fahren. Das Verstehen kann somit nur auf das Erkennen der Bedeutung des Verkehrszeichens basieren.)

1. Definition
„Hermeneutik [zu grch. Hermeneuein >>erklären<<] die, i.e.S. die Kunst und Theorie der Auslegung von Texten, i.w.S. das Verstehen von Sinnzusammenhängen in menschl. Lebensäußerungen aller Art. – Bis zum 18. Jh. War die hermeneutica sacra als Deutung hl. Texte unterscheiden von der hermeneutica profana, die sich mit der klass. Literatur der Antike beschäftigte. F.D.E. Schleiermacher bestimmte die H. als >>Kunstlehre des Verstehens<<, die von W. Dilthey als methodolog. Grundlegung der Geisteswiss. Verstanden und ausgebaut wurde. – Die Hermeneut. (>>verstehende<<) Methode, die in Ggs. Zur erklärenden der Naturwiss. Gesetzt wird, will Bedeutung und Sinn von Äußerungen und Werken des menschl. Geistes aus sich und in ihrem Zusammenhang verstehen. – Dass >>Verstehen<< nicht allein Methode einer Wiss., sondern der Geisteswiss. vorgeordnet ist, entwickeln M. Heidegger und H.-G. Gadamer in der philosoph. H.: >>Verstehen<< wird als Weise des menschl. Existierens selbst begriffen […]“ (Duden 1996, S. 469f; Stichwort: Hermeneutik).

2. Definition
Hermeneutik kann auch als Historismus bezeichnet werden. Obgleich es verschiedenste Interpretationen der Hermeneutik gibt, können immer wiederkehrende Grundmerkmale festgestellt werden (vgl. Acham 1995, S. 296).
„So erscheint der Hinweis auf die Zeitgebundenheit und Kulturabhängigkeit aller Bestimmungen der gesellschaftlich-geschichtlichen Welt eng verknüpft mit dem historischen Positivismus und Objektivismus, wie er etwa von Rudolf Eucken als Tendenz des 19. Jahrhunderts angesehen wurde“ (Acham 1995, S.296).

3. Definition
Die ursprüngliche Hermeneutik beschäftigt sich mit der Auslegung von Texten und der Erklärung menschlichen Handelns. Dabei wird besonders auf die Problematik des Verstehens von Texten und deren Inhalt aufmerksam gemacht. Hermeneutik kann in den verschiedensten Wissensbereichen wie Volkswirtschaftslehre, Sozialwissenschaften als auch im religiösen Bereich u.v.a. angewendet werden (vgl. Albert 1994, S. 3ff).

4. Definition
„Unter Hermeneutik versteht man die Auslegung oder Interpretation der Lebenswirklichkeit in der Zeit (Vergangenheit-Gegenwart-Zukunft). Die Erfassung der Lebenswirklichkeit wird über das Erleben, den Ausdruck und das Verstehen vermittelt (nach DILTHEY). Als hermeneutischer Zirkel wird die Gebundenheit jedes Verstehens von Ganzheiten und ihrer Teile an Voraussetzungen verstanden, von denen jedes Verstehen seinen Ausgang nimmt und wieder zu ihm zurückkehrt“ (Stiegler 1996, S. 3).
Hermeneutik konzentriert sich auf die Auslegung von Texten. Die Grundbedeutung des Begriffs Hermeneutik kann man als auslegen, aussagen bzw. übersetzen definieren. Laut Dilthey beschreibt die Hermeneutik jenem Vorgang „in welchem wir aus Zeichen, die von außen sinnlich gegeben sind, ein Inneres erkennen“ (vgl. Stiegler 1996, S. 3).

5. Definition
„Die Hermeneutik (von griech. ρμηνεύειν mit den Bedeutungen: Gedanken „ausdrücken“, etwas „interpretieren“, „übersetzen“) ist eine Theorie über die Auslegung von Werken und über das Verstehen. Beim Verstehen verwendet der Mensch Symbole. Er ist in eine Welt von Zeichen und in eine Gemeinschaft eingebunden, die eine gemeinsame Sprache benutzt. Nicht nur in Texte, sondern in alle menschlichen Schöpfungen ist Sinn eingegangen, den herauszulesen eine hermeneutische Aufgabe ist.
In der Antike und im Mittelalter diente die Hermeneutik als Wissenschaft und Kunst der Auslegung grundlegender Texte, besonders der Bibel und Gesetze. In der Neuzeit weitete sich ihr Anwendungsbereich aus, sie entwickelte sich zu einer allgemeinen Lehre von den Voraussetzungen und Methoden sachgerechter Interpretation und zu einer Philosophie des Verstehens.[1] Mit der von Immanuel Kant entscheidend beförderten Einsicht in die Grenzen der menschlichen Erkenntnisfähigkeit stellte sich für die Hermeneutik seit dem 19. Jahrhundert unter anderem das Problem der geschichtlichen Gebundenheit menschlichen Denkens und Verstehens. Als einflussreichster Vertreter der philosophischen Hermeneutik im 20. Jahrhundert hat Hans-Georg Gadamer diese Beschränkung positiv gewendet und das Verstehen in den Zusammenhang eines prinzipiell nicht zu beendenden Gesprächs über die Deutung wichtiger Zeugnisse der geschichtlichen und kulturellen Überlieferung gerückt.
Hermeneutik ist ein künstlich geschaffenes Wort aus der Neuzeit, das wohl erstmalig von dem Straßburger Philosophen und Theologen Johann Conrad Dannhauer verwendet wurde. Die allgemeine Hermeneutik beschäftigt sich mit der Auslegung von Texten oder von Zeichen im Allgemeinen. Die besondere Hermeneutik behandelt die mit der Auslegung von Texten verbundenen Probleme, wie sie sich aus den einzelnen Fächern der Rechtswissenschaft, Theologie, Literaturwissenschaft, Geschichte oder Kunstgeschichte ergeben. Nach idealistischer Auffassung ist Verstehen eine Seinsweise, in der die Welt sich selbst auslegt. Nach einer anderen Auffassung ist Verstehen etwas Unmittelbares, das aller Reflexion vorausgeht und aller Erkenntnis und dem diskursiven Denken zugrunde liegt“ (vgl. Wikipedia, 2009).

6. Definition
Unter Hermeneutik versteht man seit dem 17. Jahrhundert eine Methodenlehre zur Auslegung von Gesprochen als auch von Texten. Das Wort Hermeneutik an sich kann grob als kundgeben, übersetzen, interpretieren dargestellt werden (vgl. Bühler 2003, S. 4).

Literaturverzeichnis
Acham, K. (1995). Geschichte und Sozialtheorie: Zur Komplementarität kulturwissenschaftlicher Erkenntnisorientierungen. München: Alber Verlag.
Albert, Bühler, A. (2003). Hermeneutik. Baisitexte zur Einführung in die wissenschaftstheoretischen Grundlagen von Verstehen und Interpretation. Heidelberg: Synchron Wissenschaftsverlag der Autoren.
Stiegler, H. (1996). Methodogie. Vorlesungskriptum. Universtiät Graz.
WWW: ftp://gewi.kfunigraz.ac.at/pub/texte/meth.doc (09-03-29)
Wikipedia (2009). Die Freie Enzyklopädie. Online im Internet: WWW:http://de.wikipedia.org (09-03-29)




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