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Verschwörungstheorie

Als Verschwörungstheorie bezeichnet man den Versuch, einen Zustand, ein Ereignis oder eine Entwicklung durch eine Verschwörung zu erklären, also durch das zielgerichtete, konspirative Wirken einer kleinen Gruppe von Akteuren zu einem oft illegalen oder illegitimen Zweck. Verschwörungstheorien dienen vorrangig dazu, Wissenslücken zu schließen, die bei komplexen Ereignissen, die für den unbeteiligten Einzelnen nicht überschaubar und überprüfbar sind, zwangsläufig vorhanden sind. Das Leben in einer komplexen Welt bringt mit sich, dass Menschen vieles durch die Medien erfahren, was sich ihrem unmittelbaren Einfluss und Beurteilungsvermögen entzieht, wobei beim Fehlen entscheidender, plausibler Informationen die Menschen unwillkürlich nach ihnen suchen, und wenn sie diese in ihrer unmittelbaren Wirklichkeit nicht finden können, muss eben die Phantasie herhalten und diese fehlenden Informationen gegebenenfalls ersetzen. Offensichtlich ist es ein menschliches Grundbedürfnis, die kausale Struktur der Umwelt zu verstehen, denn Ursachen stellen relevante Konstanten dar und verleihen den eigenen Erfahrungen Bedeutung.

Verschwörungstheorien wirken insbesondere für Menschen attraktiv, die von einem Gefühl des Kontrollverlustes geplagt werden, wenn die Umstände für Probleme vermeintlich jenseits der eigenen Einflussmöglichkeiten liegen. In Untersuchungen neigten Menschen etwa besonders zum Glauben an das Übernatürliche, wenn ihnen Forscher zuvor das Gefühl von Machtlosigkeit einimpften, wobei dies auch bei Menschen mit sozialer Ausgrenzung gilt, denn wer entsprechende Erfahrungen gemacht hat, ist empfänglich für den Glauben an Verschwörungen, die an der misslichen Lage schuld sind.

Man unterscheidet dabei Verschwörungstheorien, die rationale und überprüfbare Aussagen über angenommene Verschwörungen machen, und Verschwörungsideologien, die ihre stereotypen und monokausalen Vorstellungen über Verschwörungen gegen jede Widerlegung immunisieren. Der Glaube an Verschwörungstheorien ist weit verbreitet und besonders anfällig scheinen auch Minderheiten zu sein, denn Angehörige marginalisierter Gruppen glauben mit besonderer Bereitschaft an Verschwörungen, deren Inhalte für sie eigentlich meist irrelevant sind. Probleme wie Diskriminierung oder finanziellen Schwierigkeiten befeuern dabei den Glauben an realitätsferne Verschwörungstheorien. Man kann daraus schließen, dass sich Menschen, die sich ungerecht behandelt fühlen, besonders rasch überall Bedrohungen und geheime Machenschaften herbeiphantasieren.

Verschwörungstheorien funktionieren, indem sie Sinn- und Erklärungsangebote liefern und scheinen im Sinne von Selbstwirksamkeit Sicherheit zu geben, da sie Zusammenhänge zwischen Ereignissen erzeugen und diese so vermeintlich erklären. Solche Theorien statten mit einem besonderen Wissen aus und können die Anhänger vermeintlich vor schädlichen Einflüssen schützen. Nicht zuletzt erzeugen Verschwörungstheorien durch ihren meist negativen Grundcharakter auch Angst, denn sie machen den Einzelnen unfreier.

Menschen mit hoher Bildung sind im Allgemeinen weniger anfällig für Verschwörungstheorien als Menschen mit niedriger Bildung, jedoch ist unklar, warum diese Effekte auftreten, da die Bildung eine Reihe von kognitiven, emotionalen und sozialen Effekten voraussagt. Die vorliegende Forschung versuchte, Mediatoren der Beziehung zwischen Bildung und Verschwörungstheorien zu identifizieren. Die Ergebnisse einer Studie (van Prooijen, 2017) zeigte drei unabhängige Mediatoren dieser Beziehung: den Glauben an einfache Lösungen für komplexe Probleme, das Gefühl der Machtlosigkeit und die subjektiv wahrgenommene soziale Schichtzugehörigkeit. Eine weitere repräsentative Stichprobe replizierte diese Ergebnisse mit Ausnahme der subjektiven sozialen Schichtzugehörigkeit. Darüber hinaus erklärten Unterschiede im analytischen Denken den Regressionspfad in Richtung des Glaubens an einfache Lösungen. Der Autor schließt daraus, dass die Beziehung zwischen Bildung und Verschwörungstheorien nicht auf einen einzigen Mechanismus reduziert werden kann, sondern das Ergebnis eines komplexen Zusammenspiels mehrerer psychologischer Faktoren ist, die aber mit Bildung verbunden sind.

Der Begriff der Verschwörungstheorie wird zumeist kritisch oder abwertend verwendet.

Literatur

van Prooijen, J. ‐W. (2017). Why Education Predicts Decreased Belief in Conspiracy Theories. Appl. Cognit. Psychol., 31: 50–58. doi: 10.1002/acp.3301.
Stangl, W. (2012). Stichwort: ‚Aberglaube‘. Online Lexikon für Psychologie und Pädagogik.
WWW: http://lexikon.stangl.eu/2382/aberglaube/ (2012-10-02)
https://de.wikipedia.org/wiki/Verschw%C3%B6rungstheorie (12-10-02)



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