Teleologie

Teleologie bzw. teleologisches Denken ist die Bezeichnung für die Annahme, die Handlungen oder Entwicklungsprozesse an Zwecken orientiert sind und durchgängig zweckmäßig ablaufen, daher stets zweck- oder zielgerichtet sind. Dem teleologischen Denken liegt somit die Annahme von entweder äußeren transzendenten oder inneren immanenten Zweckursachen zugrunde.

Dieses Denken steht dem kausalen Denken der Naturwissenschaften diametral entgegen, wobei manche der Ansicht sind, dass sich teleologisch und kausal nicht unbedingt gegenseitig ausschließen müssen, denn etwa in den Sozialwissenschaften wie der Psychologie ist eine Erklärung des Verhaltens eines Menschen unter Bezugnahme auf seine Zielsetzungen und Wünsche stets auch eine echte kausale Erklärung.

Teleologisches Denken als Basis für Verschwörungstheorien

Anhänger von Verschwörungstheorien haben nach Untersuchungen Probleme, die Welt als zufällig und komplex wahrzunehmen, wobei teleologisches Denken vor allem bei Konspirationisten weit verbreitet ist, und dieser Fehlschluss generell eine wichtige Grundlage von solchen kreationistischen Denksystemen darstellt. Kreationisten verleugnen die Prozesse der Evolution, sondern glauben an die Erschaffung der Welt durch einen Gott. Wagner-Egger et al. (2018) haben untersucht, welche Menschen anfällig für Verschwörungstheorien sind und warum diese häufig ein geneigtes Publikum finden. Es zeigte sich in dieser Untersuchung, dass Menschen, die anfällig für konspirative oder kreationistische Ideen sind, davon ausgehen, dass alles aus einem bestimmten Grund geschieht und einem höheren Zweck gehorcht. Solche Menschen stimmen etwa Aussagen zu, dass die Sonne deshalb aufgeht, um den Menschen Licht zu geben, oder dass der Zweck der Bienen darin besteht, die Bestäubung von Pflanzen sicherzustellen. Diese Art des Denkens gilt in der Wissenschaft als fehlerhaft, denn schon Voltaire spottete über dieses Denken, dass Nasen allein zum Tragen von Brillen gemacht wurden, oder Engels die ironische Anmerkung machte, dass Katzen erschaffen wurden, um Mäuse zu fressen, und Mäuse, um von Katzen gefressen zu werden.

Dennoch finden sich auch in der Wissenschaft noch heute teleologische Restbestände, etwa im klassischen Lamarckismus, der bestimmte Merkmale von Lebewesen als Resultat zweckgerichtete Anpassung an die Umgebung begreift und nicht als Ergebnis der Selektion der zufällig am besten Angepassten (Stangl, 1989).

Literatur

Stangl, W. (1989). Die Psychologie im Diskurs des Radikalen Konstruktivismus. Braunschweig: Friedr. Vieweg & Sohn.
Wagner-Egger, Pascal, Delouvée, Sylvain, Gauvrit, Nicolas & Dieguez, Sebastian (2018). Creationism and conspiracism share a common teleological bias. Current Biology, 28, doi:10.1016/j.cub.2018.06.072.
https://derstandard.at/2000085754690/Der-Denkfehler-den-Verschwoerungstheoretiker-und-Kreationisten-teilen (18-08-26)



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