Empirie

Eine empirische Wissenschaft ist daran interessiert, Hypothesen und Theorien zu den Fragen zu entwerfen, mit denen man sich gerade beschäftigt. Diese Hypothesen und Theorien werden nun ihrerseits mit der Realität konfrontiert. Man vergleicht also wie in den Naturwissenschaften die gedankliche Antwort auf die Frage mit den in der Realität diesbezüglich vorfindbaren Sachverhalten. Inwieweit es in der empirischen Forschung tatsächlich möglich ist, Sachverhalte in
der Realität zu erfassen, ist eine umstrittene Frage, die vor allem in der Wissenschaftstheorie diskutiert wird.

1.    Definition
Empirie wird auch übersetzt mit dem Begriff Erfahrung. Im, davon abgeleiteten, Empirismus konzentriert man sich vorwiegend auf unmittelbar gegebene Wahrnehmungen. Wohingegen in den modernen Sozialwissenschaften die Ebene der Daten, welche über Tatbestände und Vorgänge in der Realität erhoben werden, untersucht wird. Das Adjektiv empirisch gilt als Bezeichnung für Aussagen oder Aussagesysteme, welche sich direkt, aber auch indirekt auf Erfahrungen beziehen und sich zugleich an ihnen überprüfen lassen.(vgl. Heinritz, Lautmann, Rammstedt & Wienold 1994, S.165f.).

2.    Definition
„ Empirie (vom griech. „empeiria“) ist die Sinneserfahrung bzw. all das, was durch die äußeren Sinne erfahrbar ist (…). Dass der E. eine (oder stärker: die) entscheidende Bedeutung in der Erkenntnis zukommt, vertritt der Empirismus. Dieser philosophischen Strömung zufolge ist die Empirie die zentrale Quelle und Überprüfungsinstanz der Wirklichkeitserkenntnis. (…) Eine wichtige Funktion hat die Empirie in der Vermittlung zwischen Theorie und Praxis. Zum einen liefert die Empirie gewisse Aspekte der gesellschaftlichen Praxis in wissenschaftlich aufbereiteter Form der Theorie als Analyseobjekt; zum anderen führen dann die empirischen Konsequenzen von Theorien zu praktischen Anwendungsmöglichkeiten“ (Endruweit & Trommsdorff 1989, S.143,145).

3.    Definition
Den Gegenstand der Forschungen von Soziologen stellen oft empirische Fragen, welche auch als Tatsachenfragen bezeichnet werden können dar. Empirische Untersuchungen beziehen sich darauf, wie die Dinge ablaufen. Das bloße Sammeln von Tatsachen reicht jedoch nicht aus. Vielmehr liegt eine empirische Untersuchung darin begründet, Tatsachen ihrer Bedeutung nach zu interpretieren (vgl. Giddens 1999, S.580f.)  .

4.    Definition
Im Rahmen einer empirischen Sozialforschung untersucht man sowohl objektive als auch subjektive Tatbestände. Die zu diesem Zweck verwendeten Verfahren und Methoden sind an bestimmte Hypothesen, welche auf den Theorien über den Untersuchungsgegenstand gebildet werden, ausgerichtet. Interviews, Beobachtungen, Versuche, aber auch Inhaltsanalysen dienen zur Datenerhebung, zur statistischen Aufbereitung und schließlich zur Interpretation, wobei erhaltene Ergebnisse oft zur Untermauerung von Theorien herangezogen werden (vgl. Reinhold, Lammek & Recker 2000, S.135).

5.    Definition
Im Gegensatz zur Empirie (griech. Erfahrung) steht der Begriff Theorie. Erfahrungen oder oft auch erforschte Tatbestände können objektive Begebenheiten (z.B. Einkommensverteilungen), subjektive Faktoren (z.B. Wertvorstellungen), aber auch reale Verhaltensweisen beinhalten. Dabei verwendete Forschungstechniken sollen sich jedoch klar an einer Theorie oder Forschungshypothese orientieren (vgl. Hillmann 1994, S. 179f.).

Verwendete Literatur
Fuchs- Heinritz, W., Lautmann, R., Rammstedt, O. & Wienold H. (1994). Lexikon zur Soziologie. Opladen: Westdeutscher Verlag.
Endruweit, G. & Trommsdorf, G. (1989). Wörterbuch der Soziologie. Stuttgart: Ferdinand Enke Verlag.
Giddens, A. (1999). Soziologie. Graz- Wien: Verlag Nausner & Nausner
Reinhold, G. (2000). Soziologie-Lexikon. München: Oldenbourg Wissenschaftsverlag.
Hillmann K.- H. (1994). Wörterbuch der Soziologie. Stuttgart: Alfred Kröner Verlag.


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