Konnektivismus

Inhaltlich baut der Konnektivismus auf dem Konstruktivismus auf, geht aber davon aus, dass Wissen sozial generiert wird, also in einem Netzwerk von Menschen, Institutionen, Communities und medialen Inhalten verteilt sich organisiert. Die Kunst des individuellen Lernens besteht dann darin, dieses verteilte Wissen für die persönlichen Belange verwendbar zu machen und konstruktiv einzubinden. Lernen entsteht in diesem Verständnis durch den Aufbau von neutralen, konzeptuellen und sozialen Verbindungen – zu anderen Personen, zu Inhalten, zu anderen Hirnregionen und Zusammenhängen. Und durch die Aktivität eines solch vernetzten Lernens entwickelt sich die Menschheit – sowohl individuell als auch sozial.

Nach Auffassung des Konnektivismus ist Lernen ein selbstorganisierter Prozess in realen oder virtuellen Netzwerken, der vor allem darin besteht, Verbindungen herzustellen. Es ist umstritten, ob der Konnektivismus eine eigene Lerntheorie darstellt. Eine der zentralen Thesen des Konnektivismus postuliert, dass sich Lernen als ein selbstorganisierter Prozess in Netzwerken vollzieht und allem voran darin besteht, Verbindungen herzustellen. Damit verlagert sich das Interesse von den innerpsychischen Abläufen einer Person auf das, was diese in realen oder virtuellen Netzwerken, die aus Personen und Artefakten bzw. verteiltem Wissen bestehen, tut. Vor allem Menschen in einer stark technisierten und mediatisierten Welt stellen zahlreiche neue Zusammenhänge her, die sie als genuin Neues konstruieren. In Netzwerken kann man nicht mehr nur durch eigene Erfahrung lernen und Wissensinhalte per se erwerben, sondern muss in einer sich rasch ändernden Welt Entscheidungen treffen, was bereits einen Lernakt darstellt, Verbindungen zwischen Wissensbereichen erkennen und dabei in Netzwerken zu partizipieren. Im Gegensatz zu anderen Modellen hat der Mensch im Konnektivismus als Teil eines Netzwerkes nur mehr Gestaltungsmacht auf Form und Ausprägung neuer Verbindungen. Die ablaufenden Prozesse gelten als emergent und können in der Folge kaum geplant oder von außen gesteuert werden. Eine wie auch immer geartete Vermittlungsdidaktik ist daher nicht möglich, wobei der aktive bei allen Lernenden liegt, die sich im besten Fall gegenseitig unterstützen, vor allem informell und voneinander sowie von den sie umgebenden Informationsquellen lernen. Ein Lehrender ist prinzipiell nicht nötig, allenfalls obliegt ihm die Aufgabe, Netzwerke für eine Kommunikation ohne Hierarchien zu ermöglichen.

Literatur
Bernhardt, T. & Kirchner, M. (2007). E-Learning 2.0 im  Einsatz – „Du bist der Autor!“ – Vom Nutzer zum WikiBlog-Caster. Boizenburg: Hülsbusch.
Moser, H. (2008). Einführung in die Netzdidaktik. Lehren und Lernen in der Wissensgesellschaft. Baltmannsweiler: Schneider Verlag.



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