Um den vollen Funktionsumfang dieser Webseite zu erfahren, benötigen Sie JavaScript. Hier finden Sie die Anleitung wie Sie JavaScript in Ihrem Browser einschalten.

Der Midas-Effekt

Der Midas-Effekt, der in zahlreichen Studien beschrieben wird, besagt, dass Menschen nach einer körperlichen Berührung großzügiger werden. So bekommen etwa KellnerInnen mehr Trinkgeld, wenn sie Restaurantbesucher berühren, aber es steigt auch die Bereitschaft, an einer Umfrage teilzunehmen oder Zigaretten mit Fremden zu teilen. Dafür verantwortlich sollen C-taktile Fasern in der Haut sein, die angenehme Berührungen wahrnehmen und diese in den emotionalen Zentren des Gehirns melden.

Rosenberger et al. (2018) haben aber in drei Laborstudien gezeigt, dass großzügigeres Verhalten kaum mit der Aktivierung dieser Fasern zu tun haben kann. In drei aufeinander aufbauenden Studien variierten die WissenschafterInnen jene Person, der gegenüber man sich großzügig verhalten konnte: Einmal war dies eine anonyme, über das Internet verbundene Person, einmal eine Person im selben Raum, die man aber nicht sehen konnte, und einmal diejenige Person, die die ProbandInnen berührte. Nachdem die VersuchsteilnehmerInnen dreiminütige Streicheleinheiten bekommen hatten, die entweder die Kuschelnerven besonders stark oder weniger stark aktivierten, erhoben die ForscherInnen, ob sie sich der anderen Person gegenüber großzügiger verhielten. Die Kuschelnerven aktivierenden Berührungen hatten dabei in keiner der drei Studien eine Auswirkung auf das Verhalten der VersuchsteilnehmerInnen, denn ob die C-taktilen Fasern stark aktiviert wurden oder weniger, die ProbandInnen verhielten sich nicht großzügiger. Die neue Hypothese lautet: Wenn man jemanden berührt, kommt man diesem Menschen sehr nahe, was eine gewisse Intimität schafft, sodass man das Verhalten dieser Person bewusst oder unbewusst als Ausdruck von Sympathie interpretiert, die Menschen in der Folge großzügiger stimmt.

Anmerkung: Benannt wurde dieses Phänomen nach König Midas, von dem in der griechischen Mythologie behauptet wird, dass alles, was er berührte, sich in Gold verwandelte.

Literatur

Rosenberger, Lisa Anna, Ree, Anbjørn, Eisenegger, Christoph & Sailer, Uta (2018). Slow touch targeting CT-fibres does not increase prosocial behaviour in economic laboratory tasks. Scientific Reports, 8, doi:10.1038/s41598-018-25601-7.



Falls Sie in diesem Beitrag nicht fündig geworden sind, können Sie mit der folgenden Suche weiter recherchieren:


Das Lexikon in Ihren Netzwerken empfehlen:

Weitere Seiten zum Thema



You must be logged in to post a comment.



Diese Seiten sind Bestandteil der Domain www.stangl.eu

© Werner Stangl Linz 2018